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Historische Anlage liefert seit 1922 Ökostrom

Südstadt/Ricklingen Historische Anlage liefert seit 1922 Ökostrom

Es läuft und läuft, seit beinahe hundert Jahren. Das Wasserkraftwerk am Schnellen Graben produziert seit 1922 Ökostrom. Die historische Anlage ist eines der bemerkenswertesten Denkmäler der hannoverschen Energiegeschichte.

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Idyllisch, aber menschenverlassen. Das 1922 gebaute Wasserkraftwerk läuft hinter einem Absperrzaun vollautomatisch.

Quelle: Mario Moers

Südstadt. Während der historische Generator im Inneren unermüdlich die Wasserkraft der Leine in Strom umwandelt, scheint die Zeit rund um den Backsteinbau stillzustehen.

In den Sommermonaten hat das abgesperrte Gelände am Ohedamm etwas Märchenhaftes. Wilde Brombeeren wachsen durch den Drahtzaun, das ungemähte Gras ist kniehoch. An den Ort, an dem Hannoveraner bereits 1449 ihre Mühlen mit gestautem Leinewasser antrieben, kommen heute nur noch selten Menschen. Seit 1983 arbeitet das erste Wasserkraftwerk der Stadt vollautomatisch. Nur ab und zu müssen Enercity-Mitarbeiter die Turbinen fetten oder groben Unrat aus dem Staubecken fischen. In den Siebzigerjahren fanden sie dabei gleich mehrmals Leichenteile, die ein bis heute unentdeckter vermeintlicher Serienmörder dort deponiert hatte. Die makabre Episode passt zu dem etwas versteckten Ort, der verschmolzen zu sein scheint mit seiner Umgebung. Wie um das Dornröschenschloss ranken Bäume und Büsche ausladend auf das unzugängliche Gelände. Das Rauschen des großen Wehrs komplettiert das verwunschene Idyll. Im Inneren dagegen riecht es nach Öl und Fett. Die Luft ist stickig wie in einer Autowerkstatt. Und der schwarze Generator läuft dumpf brummend.

Auf der mächtigen Maschine, die an eine gigantische Nähmaschine aus der Stube der Großmutter erinnert, liegt eine dünne Staubschicht. Eine massive Eisenplakette datiert ihr Herstellungsjahr, 1937. Seitdem wurden lediglich die Spulen einmal neu gewickelt. Ein echter Oldtimer, der annähernd dasselbe leistet wie vergleichbare moderne Anlagen. Das zur Expo errichtete Wasserkraftwerk in Herrenhausen produziert dieselbe Menge Strom. Etwa 1400 Haushalte können beide Anlagen jeweils versorgen. Allein am Schnellen Graben werden dabei jährlich 2300 Tonnen CO2 eingespart. Das Wirkprinzip der Anlage ist denkbar einfach. Über den Schnellen Graben werden große Mengen des Leinewassers in die 3,60 Meter tiefer liegende Ihme umgeleitet. Über ein Wehr ist die Strömung regulierbar. Das Wasserkraftwerk nutzt das Gefälle zur Energiegewinnung aus. Seine Turbinen funktionieren wie Mühlräder, die einen Generator antreiben.

Ursprünglich diente das Werk am Schnellen Graben beinahe ausschließlich der Versorgung eines benachbarten Wasserwerks in Ricklingen. Das war damals ebenfalls das erste seiner Art. 1878 gebaut, versorgte es die wachsende Bevölkerung in der Stadt mit Trinkwasser. Das nötige Grundwasser stammte aus einem Reservoir im Bereich des heutigen Kraftwerks. In dem hohen Gestrüpp sind dazugehörige Brunnendeckel bis heute erkennbar. Inzwischen allerdings wird der gesamte Strom direkt in das allgemeine Netz eingespeist.

Anders als in Herrenhausen ist in der historischen Anlage bis heute einiges per Hand zu steuern. So können etwa die Klappen der beiden sogenannten Franzis-Schacht-Turbinen entsprechend der Strömung fein justiert werden. In der Praxis geschieht die gesamte Wartung automatisch. Mitarbeiter von Enercity überwachen die Anlage auf elektronischem Weg in der Leitstelle Herrenhausen.

Der Dornröschenschlaf des Kraftwerks könnte in den kommenden Monaten jäh unterbrochen werden, falls die Leinewelle tatsächlich kommt. Dann könnte es Konflikte um die Nutzung des Gewässers geben. Das Surf-Spektakel am Hohen Ufer ist darauf angewiesen, dass die Surfer genügend Wasser unter den Brettern haben. Das gleiche gilt allerdings für das Kraftwerk, das den Fluss reguliert. Untersuchungen der Leinewelle-Planer gehen davon aus, dass der Fluss ausreichend Wasser führt. Der Energieversorger ist da vorsichtig mit seiner Prognose. Bei Enercity hält man es für möglich, dass es Nutzungskonflikte geben könnte. Bis allerdings die erste Leinewelle über das Hohe Ufer schwappt, dürfte noch viel Wasser durch die Turbinen fließen.

Von Mario Moers

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