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Aus den Stadtteilen Im Herbst ziehen Flüchtlinge ans Reiterstadion
Hannover Aus den Stadtteilen Im Herbst ziehen Flüchtlinge ans Reiterstadion
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00:19 01.08.2015
Von Bärbel Hilbig
Auf der Wiese parken im Moment Autos, hinten am Betonkreisel sind Zelte fuer das Reiterturnier aufgestellt. Die neue Unterkunft wird von der Einfahrt bis zum Betonkreisel gehen. Quelle: Katrin Kutter
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Vahrenheide

An der Ecke der Straßen Sahlkamp und Am Jagdstall entstehen drei Gebäude für bis zu 142 Menschen und ein Spielplatz. In einem der drei Häuser sind Büros für Sozialarbeiter und Pförtner geplant, außerdem Gemeinschaftsräume für Deutschunterricht und andere Aktivitäten. Die Häuser umschließen jeweils einen Innenhof und weisen inklusive Erdgeschoss drei Etagen auf. Zu den als Wohnungen gruppierten Zimmern gehört jeweils eine Küche, damit die Flüchtlinge selbst kochen können.

„Wir gehen davon aus, dass hier Ende September/Anfang Oktober rund 140 Menschen eine neue Nachbarschaft finden“, sagte Michael Heesch, Fachbereichsleiter für Planen und Stadtentwicklung, vergangene Woche auf einer Infoveranstaltung des Bezirksrats Bothfeld-Vahrenheide. „Falls die Üstra das Quietschen der Straßenbahn nicht in den Griff bekommt, ist die Lage eine Zumutung für die Leute“, kritisierte eine Bürgerin. Mehrere weitere der rund 70 Teilnehmer im Kulturtreff Vahrenheide stimmten zu. Heesch ließ durchblicken, dass die Stadtverwaltung dies angesichts des leer gefegten Wohnungsmarkts für kein entscheidendes Kriterium hält.

Die Anwohner wollten möglichst genau erfahren, wie das Leben der Asylbewerber in dem Heim abläuft. Kritische Fragen zielten oft darauf, warum die Stadt keine Wohnungen anmietet oder Heime - angesichts von Übergriffen der Mitarbeiter privater Einrichtungen in anderen Bundesländern - zumindest selbst betreibt. „Ein privater Anbieter muss zwangsläufig Gewinn erwirtschaften“, bemängelte ein Bürger. Marc Schalow, Bereichsleiter Wohnen, berichtete, dass die Stadt bei ihren Ausschreibungen ein gutes Konzept der Betreiber mit 65 Prozent gewichtet, den Preis mit 35 Prozent. „Wir kontrollieren die Betreiber angekündigt sowie unangekündigt. Mit den Sozialarbeitern sind wir permanent im Austausch“, betonte Schalow.

In dem Heim werden tagsüber mehrere Sozialarbeiter die Bewohner unterstützen. 4,5 Stellen sichert der Betreiber, die Stadt schickt angesichts der Größe zusätzlich eigenes Personal. Ein Pförtner kontrolliert, wer das umzäunte Gelände betritt, und steht rund um die Uhr den Bewohnern, aber auch den Nachbarn bei Fragen zur Verfügung. Erst im Herbst wird sich entscheiden, wer in die Unterkunft zieht. „Wir versuchen eine Mischung von Altersgruppen, Nationalität und Geschlecht zu erreichen. Allerdings kommen zu zwei Dritteln bis drei Vierteln alleinreisende Männer“, erläuterte Schalow.

Der Reiterverein, der zunächst Sorge um seine größeren Turniere hatte, sieht keine Probleme mehr. „Wir haben alles abgestimmt“, betont der Vereinsvorsitzende August Schmidt. Zwischen Stadtbahnlinie und dem Gelände des Flüchtlingsheims bleibt eine fünf Meter breite Zufahrt zum Stadion, außerdem dort genügend Freifläche, die der Verein bei Bedarf mieten kann.

Die Hilfsbereitschaft der Bürger in Vahrenheide ist offenbar bereits groß. Pastor Bodo Kahle von der Titusgemeinde berichtete, viele Nachbarn hätten sich schon gemeldet. Karin Bergmann, selbst ehrenamtlich im ehemaligen Oststadtkrankenhaus aktiv, ermunterte dazu, Flüchtlinge zu unterstützen. „Die Dankbarkeit der Menschen ist unglaublich groß. Im Oststadtkrankenhaus leben fast 700 Flüchtlinge, 80 Prozent sind junge Männer, aber es ist wirklich ruhig und friedlich.“ Sabine Reese vom Kulturtreff kündigte an, dass sie und ihre Kollegen sich andere Angebote für die Flüchtlinge überlegen wollen. „In Vahrenheide arbeiten wir alle zusammen. Ich glaube deshalb, dass das gut klappen wird.“ Dafür bekam sie viel Applaus.

Wie dringend neue Unterkünfte gebraucht werden, erläuterte Michael Heesch. Aktuell leben gut 2800 Asylbewerber in Hannover, von denen die Stadt rund 1100 in Notunterkünften wie Turnhallen, dem ehemaligen Oststadtkrankenhaus und Obdachlosenunterkünften untergebracht hat. „Wir rechnen damit, bis zum Jahresende bei rund 5000 Flüchtlingen angekommen zu sein.“

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