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Aus den Stadtteilen Jahrhunderte altes Bauernhaus verfällt
Hannover Aus den Stadtteilen Jahrhunderte altes Bauernhaus verfällt
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09:00 18.02.2015
Buchstäblich in die Jahre gekommen: Das Haupthaus von 1619 an der Pinkenburger Straße 3A steht seit fast 30 Jahren leer. An vielen Stellen liegt das originale Weidengeflecht mit dem Lehmputz offen. Fotos: Schwarzenberger (3) Quelle: mas
Groß Buchholz

Groß-Buchholz. Der Köritz-Hof an der Pinkenburger Straße 3 gilt unter Ortschronisten als ältestes Bauernhaus seiner Art im Stadtteil. Seit es 1619 erbaut wurde, blieb es fast unverändert. Das Fachwerkhaus könnte das Juwel im historischen Kern des alten Dorfes sein. Stattdessen steht es seit fast 30 Jahren leer und bietet von Jahr zu Jahr einen immer traurigeren Anblick. „Es verwahrlost zusehends“, sagen die Eheleute Monika und Horst Mehler, die seit 22 Jahren in der Nachbarschaft wohnen. Viele im Ort wünschen sich ein neues Leben für das einzigartige Baudenkmal. Auch die Eigentümer wollen das. Es gibt dabei einen Haken: Es fehlt - noch - an Geld.

Horst Mehler hat schon selbst zum Besen gegriffen, als ihm Laub und Schmutz am Gartenzaun zu viel wurden. Das sei ja kein schöner Anblick mehr, sagt er. Für die Beseitigung von Schnee und alten Blättern auf dem Fußweg sind die Eigentümer der jeweiligen Häuser zuständig. Aber im Köritz-Hof gebe es ja niemanden, der sich kümmere, sagt Mehler. Er und seine Frau beobachten, wie das Haupthaus verfällt. Auch das jüngere Nebengebäude, das zum Hof gehört. Es ist mit Graffiti beschmiert und hat Löcher im Putz. „Die Dachrinne ist defekt und läuft über. Es sind auch schon Dachziegel heruntergefallen“, sagt der Nachbar. Es müsse bald etwas geschehen. Das sieht auch der Groß-Buchholzer Wilhelm Kohlmeyer so, der oft an der Pinkenburger Straße unterwegs ist und sich immer wieder über den Zustand der Hofstelle ärgert. „Sie liegt mitten im Zentrum, und jeder dort guckt auf eine Beinahe-Ruine“, sagt Kohlmeyer. Er kenne keinen anderes historisches Gebäude im Stadtteil, das in einem so schlechten Zustand sei.

Viele Groß-Buchholzer und Zugezogene haben alte Gebäude im Ortskern saniert. Dort stehen mehr als ein Dutzend Gebäude und Ensembles unter Denkmalschutz. Am Pinkenburger Gang, gleich um die Ecke, steht ein liebevoll saniertes Haus aus dem Jahr 1717, nebenan ein Wohnhaus von 1855. Auf viele Höfe, die verschwanden, weisen zumindest Hinweistafeln des Pinkenburger Kreises hin. Der engagiert sich für den Erhalt der noch verbliebenen Zeitzeugen. Der Mitbegründer Friedrich-Wilhelm Busse hat auch den Köritz-Hof in seine Ortschronik aufgenommen. Als das älteste erhaltene Gebäude am Platze. Das Haupthaus ist ein Zweiständerhaus; die Konstruktion ruht auf zwei Reihen mächtiger, senkrechter Balken. Die Wände bestehen aus Weidengeflecht, mit Lehm verputzt. Damit zeugt das Haus von einer Bauweise, die schon die Germanen kannten.

Dieter Köritz weiß um die Probleme. Seine Vorfahren waren es, die Anfang des 17. Jahrhunderts aus dem Brandenburgischen nach Groß-Buchholz auswanderten und das Haus bauten. Der heute 86-jährige Bauingenieur war viel in Deutschland unterwegs und lebt inzwischen im Hessischen. „Mein Onkel und meine Tante hatten dort zuletzt noch gewohnt.“ Eine Erbengemeinschaft verwaltete das Ensemble lange Zeit; im Nebenhaus gab es eine Mieterin, die einen auf Lebenszeit geltenden Vertrag hatte. „Da konnten wir nichts modernisieren.“ Aber die Denkmalbehörde kenne das Ensemble schon. „Jeder Balken ist registriert.“

Ende 2013 starb die Mieterin, auch die Erbengemeinschaft ist nicht mehr so groß wie früher. Köritz teilt sich den Besitz mit einer Nichte. Beide haben ihren Lebensmittelpunkt außerhalb von Hannover und brauchen den Hof nicht für eigene Zwecke. Aber das alte Familienerbe mag Köritz nicht einfach verkaufen. „Aber es soll etwas damit passieren“, versichert er. Noch in diesem Frühjahr will er nach Hannover kommen und Pläne schmieden. Und er setzt auf die Hilfe des Denkmalschutzes, womöglich auf Fördergeld. Ohne solche Hilfen, das lässt Köritz durchblicken, werde eine Sanierung kaum zu machen sein. Busse vom Pinkenburger Kreis hofft, dass Köritz diese Idee mit Leben füllen und so das Gebäude in seinem ursprünglichen Zustand erhalten kann. Auch SPD und die Grünen machen Druck: Sie wollen, dass sich Stadt und Landesdenkmalpflege für den Erhalt engagieren. Einen entsprechenden Antrag bringen die Fraktionen in der nächsten Sitzung des Bezirksrats Buchholz-Kleefeld am Donnerstag, 26. Februar, ein.

Vor 25 Jahren hatte der Pinkenburger Kreis den Eigentümern bei kleineren Reparaturen im Dach geholfen. Solche Hilfen allein würden das Haus aber nicht erhalten, sagt Busse. Er sieht nur zwei Optionen: „Entweder nehmen die Eigentümer richtig Geld in die Hand, oder der Hof wird verkauft.“ Es gebe durchaus Interessenten, sagt Busse. „Ich vermittle da gerne.“ Vor Jahrhunderten setzten die Erbauer ihre Hoffnung noch auf andere Kräfte. „Der Herr bewahre dieses Haus“, steht auf einem Balken über dem Hauseingang.

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