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Ex-Junkie spricht mit Bismarckschülern

Südstadt Ex-Junkie spricht mit Bismarckschülern

Bis fünf Uhr morgens konsumierte er Drogen. Dann schlief er bis 17 Uhr und rauchte gleich nach dem Aufstehen wieder Heroin, weil er die Entzugsschmerzen sonst nicht ausgehalten hätte. Ein ehemaliger Junkie informiert Schüler der Bismarckschule über seinen Lebensweg - im Auftrag der Drogenprävention.

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Seit zehn Jahren klärt Wolfgang Kiehl über die Gefahren des Drogenkonsums auf.

Quelle: Privat

Hannover. Dass das Leben von Wolfgang Kiehl, der heute mit seinem Suchtmobil durch ganz Deutschland reist und Drogenprävention betreibt, wirklich mal so aussah, kann man sich heute kaum vorstellen. Ganz offen redete der ehemalige Junkie jüngst vor Achtklässlern der Bismarckschule über sein Leben als Drogenabhängiger.

„Drogenabhängige duschen ebenso wie andere Menschen und ziehen sich normale Sachen an, und am Anfang haben sie oft auch noch Frau und Job“, sagt der 52-Jährige. In den ersten ein bis zwei Jahren würde man Drogenabhängige oft nicht erkennen: „Die sind Meister im Vertuschen.“ Auch er habe sich im Laufe seiner achtjährigen Heroin-Abhängigkeit immer mehr zurückgezogen - bis er im Gefängnis landete. Irgendwie musste er seine Sucht finanzieren, und darum begann er zu stehlen.

Das Gefängnis, wo Kiehl auf Entzug gesetzt wurde, sowie die folgende Therapie retteten ihn. Dass er den Sprung vom Abhängigen zum therapeutischen Mitarbeiter - unter anderem in Gefängnissen - und zum Präventionsberater schaffte, ist Glück. So konnte er die Frage der Schülerin Johanna Winkler, ob er noch Nachwirkungen seines langjährigen Drogenkonsums spüre, mit „Nein“ beantworten. „Aus meiner damaligen Clique hat es aber nur noch ein anderes Mädchen geschafft. Der Rest liegt unter der Erde oder in irgendeiner Entzugsklinik“, erzählt Kiehl.

Seit zehn Jahren reist der ehemalige Hannoveraner mit seinem Suchtmobil durch Deutschland und klärt Schüler und andere Menschen über Drogen und ihre Wirkung auf. Das Projekt, das in dieser Art einmalig in Deutschland ist, wird auch vom Gesundheitsministerium gefördert. So ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, Schirmherrin des Projekts - und das Suchtmobil wurde im April dieses Jahres vom Gesundheitsministerium zum Projekt des Monats gekürt.

Auch bei den Schülern stößt Kiehls Vortrag auf reges Interesse. Gebannt hören ihm die Achtklässler zu - gelacht wird nur mal zwischendurch, wenn Kiehl zum Beispiel erzählt, wie er bei der Bundeswehr strafversetzt wurde, weil er einen Indianertanz auf einem Dach aufführte. Angefangen hatte Kiehls Abstieg in den Drogensumpf scheinbar harmlos. Mit 16 begann er, in größeren Mengen Alkohol zu trinken. Eine mögliche Karriere im Leistungssport zerstörte er sich damit - genauso wie viele Beziehungen zu ihm nahestehenden Menschen. Genau das will Kiehl den Schülern klar machen: Keiner fängt sofort mit harten Drogen an, doch der Sprung vom Trinken über das Rauchen und Kiffen zu härteren Drogen ist manchmal nicht weit. Und dieser Sprung hat weitreichende Konsequenzen.

„Ich bin jetzt noch mehr abgeschreckt von Drogen als vorher schon“, sagt Schüler Daniel Roosmann nach Kiehls Schilderungen. Er sagt aber auch: „Drogen und Alkohol sind bei uns im Jahrgang noch kein großes Thema.“ Trotz dieses Eindrucks, den auch die stellvertretende Schulleiterin Annette Hewitson teilt, bewegt die Schüler das Thema. „Krass, dass so viel in Hannover läuft“, sagt Achtklässlerin Kim Quast - sie wusste vorher nicht, dass Hannover Umschlagplatz Nummer Eins für Heroin in Deutschland ist. Schülerin Anna Didenko will wissen: „Haben Sie ihren Kindern von ihrer Drogensucht erzählt?“ Kiehl bejaht. Denn: „Reden ist das Wichtigste.“ Wenn man seine Probleme jemandem anvertraue, ließe sich oft Schlimmeres verhindern. Dazu gehöre auch, „Nein“ sagen zu können. „Wer auch mal Nein sagen kann, ist viel cooler“, findet er. Ernsthaft beantwortet er jede Frage. Nur als ihn ein Schüler fragt, ob in Bananen Alkohol sei, muss er herzlich lachen.

von Hannah Schiewe

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