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Aus den Stadtteilen Weit mehr als ein Computerkurs
Hannover Aus den Stadtteilen Weit mehr als ein Computerkurs
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00:18 08.08.2015
Kurt Bühring, Leiter des Senioren-Arbeitskreises PC & Internet, zeigt den Teilnehmern (Bild oben), wie Internet und elektronische Post funktionieren. Quelle: Christian Link
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Kirchrode

Der jüngste Teilnehmer ist 64 Jahre alt, der älteste 94. Doch trotz ihres fortgeschrittenen Alters sind die Senioren im Kirchröder Arbeitskreis PC & Technik immer noch up to date. „Ich finde es toll, dass sich nach letzter Woche gleich acht Leute ein Image gezogen haben, um ein Systemabbild zu erstellen“, beginnt Arbeitskreisleiter Kurt Bühring seinen Vortrag. Diesmal erklärt der 68-Jährige den fast 40 Anwesenden, wie sie ihr Windows-Betriebssystem im Notfall wiederherstellen können. Kein ganz leichtes Thema, aber seine Zuhörer wirken nicht überfordert.

Seit zwölf Jahren treffen sich die älteren Herrschaften regelmäßig im Arbeitskreis PC & Technik, dem Vorzeigekurs des Seniorenbüros Kirchrode. Als einziges Großprojekt wird es auch nach dem Rücktritt des ehrenamtlichen Seniorenbüro-Kernteams weitergeführt. Alles andere wäre auch schade, denn das Angebot ist so erfolgreich, dass derzeit aus Platzgründen keine neuen Teilnehmer aufgenommen werden können. Insgesamt 78 Namen stehen auf der Teilnehmerliste, aber höchstens 60 Menschen passen gleichzeitig in den Raum. „Dann ist es hier schon rappelvoll und bei mehr Leuten geht das gute Klima kaputt“, sagt Bühring.

Jeden Mittwoch versammeln sich die Teilnehmer im Stadtteilzentrum Krokus am Thie. „Wir sprechen hier über alles, was mit Multimedia zu tun hat“, sagt Bühring. Damit man das ganz anschaulich machen kann, haben die Senioren auf eigene Kosten eine beachtliche technische Ausstattung angesammelt; mehrere PCs, Beamer, Laserdrucker, Funk-Mikrofone samt Mischpult und sogar einen eigenen LTE-Internetanschluss haben sie angeschafft. „Weil das Haus keine schnelle Internetverbindung hatte, haben wir selbst eine gelegt“, sagt der 68-Jährige.

Noch wichtiger als die Technik ist aber das Engagement der Beteiligten. „Das hier ist ein Angebot, das für Senioren nützlich und wichtig ist“, sagt Teilnehmer Peter Keschelies. Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Internet kämen auch Rentner und Ruheständler nicht drum herum, sich technisch weiterzubilden. Zum Glück hätten die Kirchröder Senioren dafür ihren Herrn Bühring. „Er kann selbst komplizierte und spröde Themen wunderbar erklären“, lobt Keschelies. „Er hat einfach eine Bärenruhe.“

Schritt für Schritt geht Bühring die Themen mit den Senioren durch und zeigt dabei Tricks und Tücken für die gängigsten Windows-Versionen. Auch kleine Pannen bringen den PC-Experten im Ruhestand nicht aus dem Konzept, Zwischenfragen sowieso nicht. „Ich arbeite noch mit Windows 7, bin ich da ein Spätzünder?“, fragt ein Teilnehmer in die Runde. Nein, ist er nicht - bestätigen ihm die anderen Senioren. Nur jeder Fünfte hat Windows 8.1 auf seinem Rechner installiert.

„Hier kann man angstfrei Sachen fragen, wir mögen uns untereinander“, sagt Keschelies in der Pause, in der sich die Senioren rege austauschen - über Computer, Technik und alles andere. Der Arbeitskreis sei nicht nur eine Weiterbildungsmöglichkeit, sondern auch ein Ort der Begegnung. „Wir machen neben EDV auch viele Kulturangebote“, erklärt der Senior aus Kirchrode.

Zum Beweis wirft Gernot Sander spontan einen Film per Beamer auf die Leinwand, der bei einem Tagesausflug des Arbeitskreises zu den Berliner Philharmonikern entstanden ist. Dabei wurde Bühring zufälligerweise vor der Staatsoper von Nachrichtenleuten des Fernsehsenders RBB interviewt. Den Clip zog sich Sander aus der RBB-Mediathek auf seinen Rechner; wie er das gemacht hat, zeigt der 72-Jährige der Runde anschließend bei einer Präsentation, die er für den Tag vorbereitet hat.

Jede Woche stehen andere Themen für Computerbenutzer auf dem Programm. Einige werden von Teilnehmern aufbereitet, die meisten aber präsentiert Bühring. „Ich habe früher auch PC-Kurse bei der AWO gemacht, deswegen bin ich das gewohnt“, erklärt er sein ehrenamtliches Engagement ganz lapidar. Dass er für die jahrelange Leitung des Arbeitskreises im Januar die Ehrenmedaille des Stadtbezirksrats erhalten hat, verschweigt der bescheidene Kirchröder. „Der Kurs hilft mir, im Kopf fit zu bleiben“, sagt er nur.

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