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Landesamt ordnet Baustopp an der Goseriede an

Aufgerissene Gräber Landesamt ordnet Baustopp an der Goseriede an

Schluss mit den pietätlosen Tiefbauarbeiten auf dem Nikolaifriedhof. Baggerfahrer hatten dort Menschenknochen freigelegt und liegenlassen – und damit Empörung bei Passanten und Denkmalfreunden ausgelöst. Gestern hat das Landesamt für Denkmalpflege den sofortigen Baustopp verhängt.

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 Die Gräber an der Gosenriede wurden von einem Bagger geoeffnet.Nun ist ein Baustopp angeordnet worden.

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Offenbar hat die Stadt bereits in der Planungsphase alles falsch gemacht. „Trotz aller Freundschaft zu den Kollegen in der örtlichen Denkmalpflege: Wir werden ein ernstes Wörtchen miteinander reden müssen“, sagte Landesarchäologe Henning Haßmann gestern.

Am Montagabend noch hatte ein  Sprecher der Stadt ausweichend auf Fragen eines Baustopps geantwortet. Seit gestern aber ruhen die Arbeiten an dem Steinplatz rund um die Kapellenruine des historischen Nikolaifriedhofs. Der Präsident des Landesamts, Stefan Winghart, bedauert die nun entstehende Verzögerung von rund sechs Wochen. „Hätte die Stadt sich vorab mit dem nötigen Fachverstand versehen, wie es das Denkmalgesetz eindeutig vorschreibt, dann wären teure Verzögerungen im Bauablauf vermeidbar gewesen.“

Das 2011 novellierte Denkmalgesetz gibt in Niedersachsen nahezu die volle Entscheidungskompetenz an die kommunalen Denkmalschützer ab – dafür müssen sie dann aber auch volle Verantwortung tragen und sich externe Hilfe organisieren, wenn sie in bestimmten Fragen nicht kompetent sind. Und das sei in Hannover bei allen Fragen, die sich unterhalb der Erdoberfläche befinden, der Fall. „Niedersachsens Landeshauptstadt gehört zu der immer kleiner werdenden Zahl niedersächsischer Städte, die keinen eigenen Stadtarchäologen beschäftigen“, sagt Landesarchäologe Haßmann. 

Die Stadt muss jetzt per Ausschreibung einen qualifizierten Betrieb suchen, der die weiteren Grabungsarbeiten begleitet. Bisher hatten die Bauarbeiter offenbar Anweisung, die Knochen der bestatteten Hannoveraner einzusammeln und in Kisten zu legen, damit sie später neu vergraben werden können. „So ist man in den sechziger Jahren vorgegangen – heute sollte man pietätvoller sein“, sagt Präsident Winghart.

Der für Hannover zuständige Bezirksdenkmalpfleger Friedhelm Wulf hat gestern eine lange Besprechung mit den hannoverschen Kollegen gehabt. Daran hat auch der Gartendenkmalpfleger des Landes, Rainer Schomann, teilgenommen, denn der Nikolaifriedhof ist als wertvolles Gartendenkmal inventarisiert. Abgesprochen mit dem Land ist jetzt dieses Vorgehen:

  • Ausschreibung: Die Stadt muss eine Firma suchen, die auf archäologische Grabungen spezialisiert ist. Diese begleitet alle weiteren Grabungen nördlich und östlich der Kapelle.
  • Gruft: Die mit Bausand zugeschüttete Gruft muss freigelegt und untersucht werden.
  • Dokumentation: Alle Arbeiten müssen vorbereitet und dokumentiert werden.
  • Zeremonie angeboten: Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann hat dem Stadtbaurat gestern angeboten, den freigelegten Gebeinen die Wiedereinbettungszeremonie zuteil werden zu lassen. „Er hat das gerne angenommen“, sagt sie. Der Zeitpunkt ist noch offen.
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