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„Limmer wird das nächste Linden“

Limmer „Limmer wird das nächste Linden“

Dörfliche Atmosphäre – aber auch Läden und Cafés. Limmer wird immer attraktiver. Vor allem wegen der vergleichsweise günstigen Grundstücke. Ein Rundgang in einem Stadtteil, der sich im Wandel befindet.

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Blick aufs alte Conti-Gelände: Der Tattoowierer Felix Weist, 23, wohnt in Ahlem, kommt aber oft hierher und schwimmt im Volkbad Limmer oder trifft Freunde.

Quelle: Kutter

Limmer. Er hätte nie gedacht, dass es so weit kommt. Seit Studententagen lebt Ludger Rolfes in Linden. Den quirligen Stadtteil mit den vielen Kneipen und Cafés, dem Multikulti-Flair und den trendigen Läden verlassen? Auf keinen Fall. Eine schicke Altbauwohnung hat der Maschinenbauingenieur vor elf Jahren gemietet, in der Nähe des Marktplatzes. „Poleposition“, sagt der 52-Jährige. „Das gibt man so schnell nicht auf.“ Doch da war auch der Gedanke, irgendwann mal Eigentum zu erwerben, für die Alterssicherung. Nun steht Rolfes am Bauzaun und blickt auf sein künftiges Zuhause. In Limmer. Das Kellergeschoss ist schon fertig. Im kommenden Frühjahr wird er in den Neubau einziehen. Mit 17 anderen Wohnungsbesitzern - und die Hälfte von ihnen siedelt aus Linden über.

Ein früheres Garagengrundstück hat sich die Baugemeinschaft an der Kesselstraße gesichert, in einem Quartier, in dem sich Wohnhäuser und Gewerbe mischen. Angelockt haben sie vor allem die Preise: Wohneigentum zu erwerben ist in Limmer noch bezahlbar. Bei 2600 bis 2700 Euro liegt der Quadratmeterpreis für eine Wohnung in dem Mehrfamilienhaus. Für einen vergleichbaren Standard in Linden-Mitte werden gut und gerne 1000 Euro mehr verlangt.

„Hier wird sich viel entwickeln“: Axel Schnittker (v. l.), Olga Schnittker mit Marissa, Andrea Strodtmann und Ludger Rolfes von der Baugemeinschaft Kessel neun. Foto: Kutter

„Hier wird sich viel entwickeln“: Axel Schnittker (v. l.), Olga Schnittker mit Marissa, Andrea Strodtmann und Ludger Rolfes von der Baugemeinschaft Kessel neun.

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Wobei: „Ein Baugrundstück war in ganz Linden nicht zu finden“, berichtet Rolfes. „Wer mit Kindern eine Wohnung sucht, die er sich leisten kann, zieht dort zwangsläufig weg“, bestätigt Olga Schnittker, die mit ihrem Mann Axel und der vier Monate alten Tochter Marissa noch in Linden-Süd wohnt. Doch den künftigen Limmeranern geht es nicht nur um die Preise, sie sehen auch die Vorzüge des Viertels. „Der Kanal ist in der Nähe, es gibt viele Grünflächen“, sagt Rolfes. Um die Ecke gibt es Supermarkt, Friseur und Biobäcker - keine so große Auswahl wie in Linden, aber zu Fuß zu erreichen. „Hier wird sich viel entwickeln“, ist Andrea Strodtmann überzeugt, eine weitere Lindenerin.

Stadtteil profitiert davon, dass es in Linden langsam eng wird

Tatsächlich hat sich im bisherigen Sanierungsgebiet Limmer in den vergangenen Jahren viel getan. Der Stadtteil profitiert davon, dass es in Linden langsam eng und Wohnen dort deshalb immer teurer wird. „Ich habe den Eindruck, dass hier immer mehr junge Familien leben“, sagt Peter Rolle, der den Trend vorhergesehen hat. Er sitzt an der Weidestraße vor seiner Kaffeebar Rossi und gönnt sich einen Espresso. Die Kaffeebohnen sind ein Direktimport vom Gardasee, es gibt Ingwer-Limetten-Tee, eine Fotoausstellung an der Wand und flotte Sprüche hinter der Theke: „Kein Kuchen ist auch keine Lösung.“

„Kein Kuchen ist auch keine Lösung“: Peter Rolle in seiner Kaffeebar Rossi.

„Kein Kuchen ist auch keine Lösung“: Peter Rolle in seiner Kaffeebar Rossi.

Quelle: Kutter

Der szenige Laden, wenige Schritte entfernt von der Kultkneipe Frosch, könnte genauso gut in Linden liegen. Er gehört aber seit zwölf Jahren nach Limmer. 2010 haben Rolle und sein Geschäftspartner Markus Warneke das Rossi übernommen. „Wir haben das keinen Tag bereut“, versichert der 41-Jährige. Ihr Vorgänger musste noch Pionierarbeit leisten in einem Stadtteil, in dem es deutlich mehr Senioren als Studenten gab. Noch immer wirkt die Kaffeebar in der kleinen Ladenzeile am Südeingang von Limmer etwas wie ein Exot neben lebenswichtigen Einrichtungen wie Döner-Grill, Discounter und Sparkasse. Doch inzwischen verwischen sich die Grenzen. „Ins Rossi kommen Handwerker ebenso wie Professoren - und sogar Leute aus Linden“, sagt Rolle mit einem Schmunzeln.

Weiter im Norden hat sich der Stadtteil, der von der Wunstorfer Straße in zwei Hälften geteilt wird, bisher am markantesten verändert. An der stark befahrenen Verbindungsstraße ist auf dem früheren Firmengrundstück des Reinigungsunternehmens Stichweh ein neues Geschäfts- und Dienstleistungszentrum mit großem Supermarkt und kleineren Läden entstanden; einer der größten Mieter des Stichweh-Leineparks ist die Polizeiinspektion West. Den Anstoß gab das von der Stadt aufgelegte Sanierungsprogramm für Limmer, bis dato hat der Eigentümer mehr als 20 Millionen Euro in das Gelände investiert.

„Der Standort hat sich gut entwickelt“: Dietrich Sudikatis hat den Umzug seines Ladens Radgeber nicht bereut.

„Der Standort hat sich gut entwickelt“: Dietrich Sudikatis hat den Umzug seines Ladens Radgeber nicht bereut.

Quelle: Kutter

Der Standort habe sich gut entwickelt, findet auch Dietrich Sudikatis, der mit seinem Fahrradladen Radgeber vor drei Jahren eingezogen ist. Früher hatte er sein Geschäft in Linden, an der Limmerstraße. „Da würde ich jetzt nicht mehr hinwollen.“ Seine Kunden kommen aus vielen Teilen Hannovers, allein von denen aus Limmer könnte er nicht leben. Einen weiteren Schub erhofft er sich von der Wasserstadt. Nicht alle Anwohner freuen sich auf das riesige Neubaugebiet auf dem früheren Conti-Gelände, in dem mindestens 2500 Menschen leben sollen. Doch mehr Menschen bringen mehr Kaufkraft - und neue Geschäfte. Daniela Kühn ist schon da. Vor einem Jahr hat sie im Leinepark den trendigen Friseurladen Fairschneiden eröffnet. Die Sitze hat sie aus Europaletten zusammengebaut und mit Mobiliar im Stil der Fünfzigerjahre kombiniert. Die 39-Jährige wünscht sich mehr nette Läden in der Nachbarschaft.

 „Zu hipp darf es hier auch nicht werden“

 „Aber zu hipp darf es hier auch nicht werden.“ Die alteingesessenen Geschäfte an der Wunstorfer Straße haben dagegen eher angestaubten Charme. „Seit 1924“ steht im Schaufenster eines Elektroladens. Lockenstäbe, Wasserkocher, Mehrfachstecker - die Auslagen sehen aus, als habe man sie seit Jahren nicht ausgetauscht.

Doch gerade dieses Nebeneinander von Alt und Neu gebe dem Stadtteil seinen besonderen Charme, findet Moritz Both. Seit sieben Jahren lebt der Softwareentwickler mit seiner Frau und den drei Kindern in einem 1905 errichteten Wohnhaus im nördlichen Limmer. Mit zwei Familien haben sie das Gebäude gekauft, modernisiert - und sich eine kleine Idylle geschaffen. Im grünen Hinterhof mit Sitzecken wachsen Apfel- und Kirschbäume. „Für die Kinder ist das genial.“ Auch Both ist von Linden nach Limmer gezogen. Anfangs sei er unsicher gewesen, ob das die richtige Entscheidung sei, sagt der 48-Jährige. Heute ist er überzeugter Limmeraner. Der Stadtteil sei gut durchmischt, ältere Menschen lebten seit Jahrzehnten hier, und immer mehr junge Leute entdeckten die Vorzüge. „Es ist viel ruhiger und entspannter als Linden - und trotzdem nicht weit davon entfernt.“

„Etwas ist das hier noch wie auf dem Dorf“, meint Jörg Lange. Seit 2003 führt er in dritter Generation das Hotel-Restaurant Lindenkrug nahe der Limmer Schleuse. Seine Großeltern gründeten den Betrieb in dem gut 150 Jahre alten Gasthof. Lange wohnt mit seiner Familie auch in dem historischen Haus. Der Stadtteil sei immer attraktiver geworden, schwärmt er. Nur ein Stück entfernt entsteht am Stichkanal das Wohngebiet Auengarten. Die Reihenhäuser waren rasch vergriffen, ab September werden dort 60 Neu-Limmeraner wohnen. „Jetzt kommt die Generation, die ganz bewusst nach Limmer zieht“, sagt Lange.

Für Ludger Rolfes war die Entscheidung nicht so eindeutig. Aber auch er ist überzeugt, dass er mit seiner Baugemeinschaft an der Kesselstraße auch in die Zukunft des Stadtteils investiert. Den Umzug weg von Linden werde - früher oder später - keiner bereuen: „Limmer“, sagt Rolfes, „wird das nächste Linden.“

Wasserstadt bringt Wachstum

Die Lage ist attraktiv: Wie eine Insel wird das Gelände vom Stichkanal Linden und vom Leineverbindungskanal umschlossen. Auf der 20 Hektar großen Brachfläche im Norden Limmers, früher Produktionsstätte der Conti, soll das Neubaugebiet Wasserstadt entstehen. Es wird den 249 Hektar großen Stadtteil nachhaltig verändern: Bis zu 3000 Menschen sollen künftig in der Wasserstadt wohnen – damit würde die Bevölkerung Limmers, wo heute rund 6000 Menschen leben, um die Hälfte anwachsen. So entsteht ein ganz neues Quartier, das eine eigene Infrastruktur benötigt. In zehn Jahren könnte es komplett sein.

Die ersten Bagger sollen Ende kommenden Jahres oder Anfang 2017 anrücken. Noch gibt es Differenzen über die Größe des Baugebiets. Verwaltung und rot-grüne Mehrheit im Stadtrat wollen bis zu 1800 Wohnungen zulassen – der örtliche Bezirksrat und Bürgervertreter plädieren für maximal 1200 Einheiten. Der erste Bauabschnitt im Süden grenzt an das alte Dorf Limmer, wo es sogar noch Fachwerkbauten gibt. In der Wasserstadt sollen Reihenhäuser sowie Eigentums- und Mietwohnungen gebaut werden. Bereits im ersten Abschnitt mit 500 Wohnungen sind ein Supermarkt und ein Kindergarten vorgesehen. Aktuell leben in 14,6 Prozent der Haushalte in Limmer Kinder unter 18 Jahre, knapp 9 Prozent der Familien haben drei oder mehr Kinder.

Der Stadtteil wird auch von einem neuen Schulstandort profitieren: In dem früheren Uni-Gebäude an der Wunstorfer Straße will die Stadt ein Gymnasium für 800 bis 900 Schüler einrichten, das schon nach den Sommerferien 2016 eröffnet werden soll. Es laufen Verhandlungen mit dem Eigentümer, dem Unternehmen Stichweh-Leinepark, dem auch das gleichnamige Gewerbegebiet mit dem Veranstaltungszentrum Schwanenburg gehört. Bereits seit 2002 wurde sukzessive in die Entwicklung Limmers investiert. Seinerzeit bekam der Stadtteil den Status „Sanierungsgebiet“ – mit dem Ziel, die Wohnquartiere mithilfe öffentlicher Förderprogramme attraktiver zu machen. Die Aufwertung von Plätzen, Grünverbindungen und Gewerbegebieten gehörte zum mehr als 9 Millionen Euro umfassenden Sanierungsprogramm, das bis Ende 2013 weitgehend abgeschlossen wurde. Nun laufen noch einige Einzelprojekte wie der Umbau der Wunstorfer Straße, die für Radfahrer und Fußgänger attraktiver werden soll.

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Foto: Auf dem alten Conti-Gelände in Limmer sollen etwa 1500 Wohneinheiten entstehen.

Der Grüne Stadtverband hat sich auf eine Siedlungsdichte für die Wasserstadt Limmer festgelegt. Zwischen 1400 und 1545 Wohneinheiten sollen nach Ansicht der Grünen auf der ehemaligen Conti-Brache entstehen. Dies entspricht einer Einwohnerzahl von 2500 bis 3000 Menschen.

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