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Aus den Stadtteilen „Marktplatz hat Ballermann-Charakter“
Hannover Aus den Stadtteilen „Marktplatz hat Ballermann-Charakter“
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02:15 12.07.2015
Von Tobias Morchner
Sperrstunde: Während der Außenbereich der Kneipe Centrum am Lindener Marktplatz ab 22 Uhr geschlossen werden muss, wird im GiG noch weiter ausgeschänkt. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Gastronom Romec Manns geht derzeit juristisch gegen ein von der Behörde verhängtes Zwangsgeld in Höhe von 3000 Euro wegen mehrfachen Verstoßes gegen die Sperrzeiten von 22 Uhr vor. Das aber habe die Behörde zurecht verhängt, sagt ein Anwohner, der seit mehr als 50 Jahren im Haus schräg gegenüber des Centrums wohnt.

„Die Lärmbelästigung hat seit dem vergangenen Jahr eine ganz andere Qualität erreicht, als zuvor“, sagt er. Der Lärmpegel nehme insbesondere an Donnerstagen extrem zu. „Da wirbt der Wirt mit Gratis-Prosecco für die Frauen, und das zieht natürlich Hunderte zum Lindener Marktplatz. Das hat zum Teil schon Ballermann-Charakter“, sagt der Anwohner. Er habe überhaupt nichts gegen die Kneipen rund um den Platz, habe sich auch noch nie über Krach nach 22 Uhr beklagt. Erst im vergangenen Jahr, als die Prosecco-Partys überhand nahmen, habe er sich zum ersten Mal in seinem Leben beim zuständigen Amt über den Wirt beschwert.

Traditionell Treffpunkt für viele Leute

Centrum-Wirt Manns wehrt sich gegen den Vorwurf: „Der Lindener Marktplatz ist am Donnerstag traditionell Treffpunkt für viele Leute, das hat doch mit dem Centrum nichts zu tun.“ Aus diesem Grund zweifeln er und seine Rechtsanwältin Inger Ohlmer auch an, dass ausschließlich die Besucher des Centrum für den Lärm verantwortlich sein sollen. „Es erschließt sich uns nicht, weshalb und inwieweit nur die Gäste des Centrums Lärm verursachen, die Gäste der umliegenden Gastronomiebetriebe jedoch nicht“, sagt die Juristin.

Nach Angabe der Region, die für die Überwachung der Einhaltung der Ruhezeiten nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zuständig ist, hat es in der Vergangenheit nicht nur Beschwerden über den Lärm der Gäste des Centrums gegeben. „Auch mit den Betreibern des GiG hat es bereits mehrere Gespräche wegen Klagen über den Lärm ihrer Gäste auf dem Außengelände gegeben“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Ihnen drohe ebenfalls ein Bußgeld, sollten sie noch einmal gegen die geltenden Bestimmungen verstoßen. Die Lärmwächter der Region werden nur in Ausnahmefällen von sich aus aktiv. In aller Regel kommen sie erst zu einer Gaststätte, wenn eine Beschwerde über zu viel Lärm bei ihnen eingegangen ist. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen begrüßt diese Praxis. „Es ist gut, dass die Region Kulanz beweist“, sagt Verbands-Geschäftsführerin Renate Mitulla. Die Region sehe schon einmal weg, wenn sich ein Wirt beim Einräumen seiner Außenmöbel viel Zeit lässt, sodass die Gäste im Sommer auch nach 22 Uhr noch draußen sitzen können. „Die Voraussetzung ist allerdings, dass sie sich dabei leise verhalten. Wenn es wegen einer Kneipe allerdings immer wieder Lärmbeschwerden gibt, muss die Region einschreiten“, sagt Mitulla.

Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr

Das Bundesimmissionsschutzgesetz regelt, wie lange Kneipen abends ihre Gäste draußen bewirten dürfen. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes gilt grundsätzlich die Nachtruhe zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Die Sperrzeitenverordnung des Landes Niedersachsen sieht in Ausnahmefällen eine Verlängerung der Bewirtung der Außenflächen um eine Stunde vor. „Städte und Gemeinden können aber theoretisch unter bestimmten Umständen die Sperrzeit um eine Stunde vorverlegen“, sagt Verbandssprecherin Renate Mitulla. Nach Auskunft der Region nimmt das Niedersächsische Gaststättengesetz bei den Ruhezeiten Bezug auf das Bundesimmissionsschutzgesetz – auch in der Neufassung, die seit dem 2012 in Kraft ist. „Es gibt also keine Ungleichbehandlung von Wirten, die eine Außengastronomie betreiben“, sagt Behördensprecher Klaus Abelmann. Im Streit zwischen der Region und dem Centrum hat das Gericht unterdessen einen Termin zur Mediation vorgeschlagen.

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