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Aus den Stadtteilen Die düsteren Geheimnisse des Heidedichters
Hannover Aus den Stadtteilen Die düsteren Geheimnisse des Heidedichters
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00:15 06.09.2015
Historikerin Corinna Heins (im grünen Shirt) erzählt Teilnehmern des Rundgangs vom Heidedichter. In der Lortzingstraße, wo Löns wohnte. Quelle: Foto: Godeck
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List

Was muss das für ein Mensch sein, der versucht, seine Frau und den eigenen Sohn zu erschießen? Der einen blutig-düsteren Roman verfasst, welcher später von den Nazis als Propagandawerk missbraucht wird? Ganz einfach: Dieser Mensch heißt Hermann Löns.

Gemeinsam mit Historikerin Corinna Heins passierten an die zwei Dutzend Interessierte auf dem knapp zweistündigen Marsch Ecken des Stadtteils, die mit dem Journalisten und Heimatdichter verbunden sind. Denn Löns wurde zwar 1866 in Westpreußen geboren, ist der Stadt Hannover aber zeitlebens verbunden gewesen. Hier heiratete er, erlebte seinen Aufstieg als Journalist und wohnte bis zu seinem Tod im Ersten Weltkrieg dort.

Ursula Skielka kommt zwar nicht aus der List, ist aber gleichwohl interessiert an den Spuren, die der Schriftsteller hier hinterlassen hat. „Früher habe ich die Tiergeschichten von ihm gelesen“, sagt die aus Bothfeld stammende Seniorin. Und auch persönlich hat sie Verbindungen zu Löns: „Ich hatte mal einen Freund, dessen Onkel Hermann Löns war“, erzählt Skielka, die einen roten Sonnenhut auf dem Kopf trägt.

Erste Station: das Gelände von Bahlsen. Für das Keks-Unternehmen schrieb Löns Werbetexte, so wie auch für die ebenfalls in der List ansässige Firma Pelikan. Das war ab dem Jahr 1891, als er nach Hannover kam, um seine erste Frau Elisabeth zu heiraten. Zuvor ist sein Leben von einer unrühmlichen Universitätskarriere und Alkoholeskapaden geprägt gewesen.

Immerhin, der Umzug nach Hannover lenkte Löns’ Leben in etwas geordnetere Bahnen. „Seine Frau gab ihm anfangs starken Halt“, so Führerin Heins. Mit ihr bezog er zunächst eine Wohnung in der Karolinenstraße in Mitte, später in der Hildesheimer Straße. Als Journalist arbeitete er sich vom freien Mitarbeiter beim Hannoverschen Anzeiger zum Chefredakteur hoch. Unter dem Pseudonym Fritz von der Leine verfasste er satirische Texte, gleichzeitig wurde er als erfolgreicher Heimatdichter und Buchautor berühmt.

Die Menge macht nun halt in der Lortzingstraße, die Eilenriede ist nicht weit: Hier, berichtet Stadtführerin Heins, „in dieser Straße, wohnte Löns mit seiner inzwischen zweiten Frau und Kind für einige Jahre.“ Denn endlich hatte sich Löns’ Wunsch nach einem Kind erfüllt. Der Sohn kommt jedoch schwerbehindert zur Welt. Irgendwann scheitert auch diese Beziehung, und im Rausch schnappt sich Jagdliebhaber Löns sein Gewehr und ist drauf und dran, Frau und Sohn zu erschießen. Doch es misslingt - Frau und Kind fliehen aus dem Zimmer. Weitere Affären folgen, flankiert vom Alkohol.

„Dass die Frauen aber auch immer glaubten, ihn dauerhaft aufrichten zu können“, wirft eine der Zuhörerinnen verwundert ein. Tja, gibt Löns-Expertin Heins zurück, das sei ja heute auch manchmal noch so.

Mittlerweile ist der Tross in der schattigen Eilenriede angekommen. Nun soll es um das literarische Vermächtnis von Hermann Löns gehen. Heins berichtet, wie der blutig und brutal geschriebene Roman „Der Wehrwolf“ von den Nationalsozialisten als Propagandawerk vereinnahmt wurde. Löns war da bereits Jahre tot. Bleibt noch, das Verhältnis des Heidedichters zur Lüneburger Heide zu klären. In vielen seiner Heimatgedichte ging es um dieses Fleckchen Erde. „Dauerhaft gewohnt oder gelebt hat er in der Heide aber nie“, sagt Heins. Allenfalls für mehrere Wochen in der Jagdhütte.

So verfestigt sich am Ende bei vielen der Eindruck, dass Hermann Löns eher weniger ein romantischer Heimatdichter war - vielmehr ein äußerst widersprüchlicher und impulsiver Charakter. Und ein Stadtmensch.

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