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Aus den Stadtteilen Ein Mann Gottes aus dem hohen Norden
Hannover Aus den Stadtteilen Ein Mann Gottes aus dem hohen Norden
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00:15 23.08.2015
Rückblick auf ein erfülltes Pastorenleben jenseits der schwedischen Heimat: Sven Olof Svensson kam 1962 nach Hannover und wohnt heute im Eilenriedestift. Quelle: Benjamin Behrens
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Hannover

„Er ist gut begabt, spricht fehlerfrei Deutsch und hat sich in der Gemeinde gut eingelebt“, heißt es in einem Dienstzeugnis, das Pastor Sven Olof Svensson 1974 ausgestellt bekommen hat. Mit hölzerner und unpersönlicher Behördensprache wird da der Einwanderer aus dem Norden beurteilt. 1964 trat Svensson als erster Ausländer in den Dienst der Landeskirche Hannover, dieses Jahr feiert er sein 60-jähriges Pastorenjubiläum.

Den skandinavischen Akzent hört man heute nur dann heraus, wenn man genau darauf achtet, im Laufe der Jahre ist er verloren gegangen. Seine schwedische Nationalität hat Svensson aber behalten. „Ich bin ein Deutscher mit einem schwedischen Pass, ich fühle mich hier zu Hause, aber ich bin Schwede geblieben“, sagt der Pensionär. Die Sprache war nie ein Hindernis, Svensson hatte Deutsch in der Schule gelernt. Seine deutsche Frau Margot lernte er in Schweden kennen, seit 58 Jahren sind sie glücklich verheiratet. Irgendwann kam bei ihr das Heimweh. „So kam der Gedanke, ein paar Jahre nach Deutschland zu gehen“, erinnert sich Svensson. Er hat es gern getan, nicht nur seiner Frau zuliebe.

„Ich kam 1962 von Schweden nach Hannover und bekam durch den Lutherischen Weltbund eine Stelle“, erzählt der Kirchenmann. Eigentlich war er nur für zwei Jahre von seiner schwedischen Gemeinde beurlaubt und über den Verband der lutherischen Kirchen in einem Austauschprogramm. „Daraus sind 53 Jahre geworden“, sagt der 85-Jährige.

Der ehemalige Pastor stammt aus Norra Skrävlinge in Südschweden. 1955 wurde er zum Priester geweiht, 1956 trat er seine erste Pastorenstelle in Karlshamn an, zeitweise war er auch Militär- und Seemannspastor. In Hannover hat Svensson drei Gemeinden betreut. Erste Station des Schweden war die Gnadenkirche zum Heiligen Kreuz in Mittelfeld, dann wurde die Nazarethgemeinde in der Südstadt für zwölf Jahre sein Wirkungsort. 1975 wechselte er zur St.-Markus-Kirche in der List, wo er bis zu seiner Pensionierung 1990 blieb. „Ich habe mich in meinem Dienst immer wohl gefühlt, mit allem Auf und Ab, Höhen und Tiefen - das gehört dazu“, bekräftigt der Geistliche. Er habe seine Arbeit gern getan, auch wenn es mitunter anstrengend war. „Die vielen Besuche, die man machte, waren ja ein Kontakt zwischen Gemeindemitglied und Pastor“, sagt Svensson. Und sie waren ihm eine Herzensangelegenheit, auch wenn seine Frau und die gemeinsame Tochter etwas zurückstecken mussten.

Die beiden Frauen haben ihn stets unterstützt. „Der Dienst ging in vielen Dingen vor, das war meine Aufgabe“, sagt Svensson. Ein Ausgleich waren für ihn die Literatur und das Reisen. Jahrelang hat er geistliche Reisegruppen aus den Gemeinden geleitet. Und natürlich gab es immer wieder Zeiten des Rückzugs mit der Familie.

Seit fünfeinhalb Jahren wohnt Svensson mit seiner Frau im Eilenriedestift im Heideviertel. Das Ehepaar pflegt ein gemeinsames Ritual. „Hast du mich noch lieb?“, fragt sie dann. „Und dann mache ich immer ein Zeichen, eine liegende Acht.“ Es ist das Unendlichkeitszeichen.

Von Benjamin Behrens

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