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Buchhandlung „Litera“ feiert 20. Geburtstag

List Buchhandlung „Litera“ feiert 20. Geburtstag

Die Lister Buchhandlung „Litera“ feiert 20. Geburtstag – und präsentiert sich kämpferisch: „Print is Not Dead“ hat Inhaberin Hildegard George auf Jubiläumskarten drucken lassen. Mit Fachwissen und Leidenschaft trotzt sie der Konkurrenz aus dem Internet.

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Hildegard George, Chefin der Buchhandlung Litera.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

List. List. Hat sie eigentlich schon mal in Worten geträumt statt in Bildern? Einfach, weil sie so viel intensiver mit Worten befasst ist als die meisten anderen Menschen? Hildegard George ist von der Frage verblüfft. Dabei scheint sie bei einem Büchermenschen wie ihr nahezuliegen. 20 Jahre lang führt die Buchhändlerin jetzt schon ihre Buchhandlung „Litera“ an der Jakobistraße. 2005 wurde sie als „Niedersächsische Buchhandlung des Jahres“ geehrt.

Zum Jubiläum hat George Karten drucken lassen, die die 68-Jährige von ihrer rebellischen Seite zeigen. „Print is Not Dead“ ist dort mit weißen Lettern auf schwarzen Grund geschrieben: Inspiration war das Debütalbum der britischen Band The Exploited. „Punks Not Dead“ wurde im Musikmagazin „Rolling Stone“ als „Starkstrom-Aufschrei“ gegen die Auflösungserscheinungen der Punk-Szene interpretiert. „Starkstrom-Aufschrei“ ist bei einer Frau, die eine so gleichbleibende Ruhe ausstrahlt, wohl keine passende Analogie. Aber eins wird deutlich: Bücherkrise hin oder her - von Internet-Giganten wie Amazon lässt sich diese Buchhändlerin nicht unterkriegen.

Auch nicht von Internetsuchmaschinen wie Google. Obwohl Hildegard George die ständige Verfügbarkeit des Weltwissens kritisch sieht: als Wissensentwertung, Wissensinflation. Jeder könne heute im Internet alles nachschlagen, sagt sie - und illustriert das Problem am Beispiel von Peter Høeg. Der Schriftsteller, der mit seinem Debüt „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ einen Welterfolg landete, habe es sich viele Jahre zum Arbeitsprinzip gemacht, für seine Bücher naturwissenschaftliche Details in Bibliotheken zu recherchieren. Seit es Google gebe, habe er jegliches Interesse daran verloren. Auch für die Arbeit in der Buchhandlung hätten die Suchmaschinen Konsequenzen. Früher sei „Litera“ ein „Wissensknotenpunkt“ gewesen, eine Anlaufstelle für Intellektuelle jeder Art. Heute informierten sich die Kunden im Netz. Dass sie Bücher recherchiere, wenn die Kunden nicht mehr weiterkämen, mache heute ein wichtigen Teil ihrer Arbeit aus. Georges Anspruch: „Wenn es das gibt, finde ich das.“

Aber Träume in Worten? Die Frau, von der die Tochter des Soziologen Oskar Negt einmal vermutete, sie wohne in ihrer Buchhandlung, weil sie immer morgens früh kam und nie vor Mitternacht ging, kommt auf die ursprüngliche Frage zurück. „Rampolokeng“ - mit diesem Wort im Kopf sei sie unlängst aufgewacht. Erst habe sie es nicht einordnen können. Bis ihr einfiel, dass der afrikanische Dichter Lesego Rampolokeng so heißt.

Aber nein, in Worten träume sie nicht, sagt sie dann. Dazu sei sie ein viel zu visueller Mensch. Von einem besonders schönen Buch habe sie allerdings unlängst geträumt, einer Art Palimpsest, einem Buch also, dessen Seiten immer wieder gesäubert und neu überschrieben werden. Blumen hätten durch das Papier hindurch geschimmert, ganze Gärten, Illustrationen vom Paradies. Sie sei aufgewacht und habe gedacht: „Schade, dass es das Buch nicht in Wirklichkeit gibt.“ Wenn es es gäbe, hätte man allerdings gute Chancen, es bei „Litera“ zu finden.

Schön gestaltete Bücher sind hier eine Spezialität. Allein die regelmäßig wechselnden, ästhetisch anspruchsvoll gestalteten Schaufenster, die oft wie Buchkunst wirken, zeugen davon. Schon zur Eröffnung im Jahr 1995 warb „Litera“ (der Name setzt sich zusammen aus Littera: lat. Buchstabe, und Litera: Abkürzung für Literatur) mit dem Anspruch: „Hier finden Sie das besondere Buch.“ Eine kleine Anzeige in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung lautete schlicht: „Ein neuer Raum für Literatur, Geisteswissenschaften, Kunst.“

Bücher aus diesen Bereichen bilden immer noch die Schwerpunkte. Auch wenn das früher rege Interesse an Wissenschaftsreihen wie stw (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft) Vergangenheit ist. Auch wenn es heute nicht mehr einfach zum guten Ton gehört, zumindest eine Handvoll Namen von aktuellen Schriftstellern zu kennen: wie früher beispielsweise Thomas Bernhard oder Elfriede Jelinek.

Aber auch heute könne man mit einer Empfehlung „Funken schlagen“: „Das Geschäft ist schwieriger geworden, aber es macht immer noch Spaß.“

Von Jutta Rinas

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