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Rundgang durch die Villa Stephanus

Linden Rundgang durch die Villa Stephanus

"Das ist etwas für solvente Menschen": Seit die Polizeiinspektion West vor dreieinhalb Jahren ausgezogen ist, steht die historische Villa Stephanus in der Gartenallee leer. Das Penthouse für 1,2 Millionen Euro ist noch zu haben. Ein Rundgang durch die entkernte Villa.

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Die Villa Stephanus - die ehemalige Polizeiinspektion West - in der Gartenallee in Linden-Mitte wird zu einem Luxuswohnhaus umgebaut.

Quelle: Marta Krajinovic

Linden. Durch das Absperrgitter wuchern wilde Büsche und Sträucher. Es sieht aus, als sei das Gebäude dahinter in einen Dornröschenschlaf gefallen. Seit die Polizeiinspektion West vor dreieinhalb Jahren ausgezogen ist, steht die historische Villa Stephanus in der Gartenallee leer. Doch hinter den Mauern hat sich einiges getan. Das Gebäude, das zum Wohnhaus mit elf exklusiven Eigentumswohnungen umgebaut wird, ist weitgehend entkernt worden. Versorgungsleitungen wurden verlegt, ein Aufzugschacht eingerichtet. „In der zweiten Jahreshälfte geht es mit dem Innenausbau weiter“, sagt Projektentwickler Frank Holzlehner vom Büro Holzlehner Consulting. Das Vorhaben sei aufwendig und zeitintensiv. Aber auch etwas Besonderes: „Hier wird ein Stück Stadtteilgeschichte erhalten.“

Die Bauherrengemeinschaft, die in das Projekt investiert, hat ambitionierte Pläne. Das 1900 errichtete Gebäude, von dem nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nur noch zwei Stockwerke mit schlichtem Flachdach übriggeblieben sind, soll sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückbekommen. Dafür wird das Haus um zweieinhalb Etagen aufgestockt - und die schlossartige Dachkonstruktion mit Türmchen und Giebeln nach alten Vorlagen neu errichtet. Eigentlich sollten diese Arbeiten schon im Frühjahr 2014 beginnen. „Die Anforderungen sind aber sehr komplex“, erklärt Holzlehner. Auflagen des Denkmalschutzes müssten mit modernem Wohnkomfort in Einklang gebracht werden. Nun lägen alle Genehmigungen vor, die Ausschreibungen für die Baufirmen liefen. „Wir gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr damit begonnen wird, das Gebäude aufzustocken.“

Den auf diese Weise entstehenden Bereich des Hauses bezeichnet Holzlehner als „Neubau“, dort sind fünf Wohnungen geplant. Im bestehenden Gebäude, dem „Altbau“, sind weitere fünf Wohnungen und eine Arztpraxis vorgesehen; die Größen variieren zwischen 55 bis 170 Quadratmetern. „Alles längst vergeben“, sagt Holzlehner. Trotz des stattlichen Quadratmeterpreises von 3800 Euro. Das ist nur die Summe für den Rohbau, fertig ausgebaut kommen etwa 1500 Euro pro Quadratmeter hinzu. Noch teurer wird es im „Neubau“: Die kleinste Wohnung mit 80 Quadratmetern kostet bezugsfertig 400 000 Euro, das 150 Quadratmeter große Penthouse 1,2 Millionen Euro. Es ist ebenso wie zwei weitere Wohnungen noch zu haben.

„Das ist etwas für solvente Menschen, die Linden lieben“, sagt Holzlehner, der in der Wittekindstraße aufgewachsen ist und heute im Zooviertel lebt. Beim Rundgang durch das Haus braucht man schon etwas Fantasie, um sich vorzustellen, wie es dort später aussehen wird. Wände wurden eingerissen und tragende Balken freigelegt. Im Boden gleich hinter dem Eingang klafft ein großes Loch: Dort, wo früher die Arrestzellen zu finden waren, ist ein Aufzug und ein zweites Treppenhaus vorgesehen. Allzu viele Altbauattribute waren im Inneren der Villa, die über Jahre als Behörde genutzt wurde, nicht mehr vorhanden. Doch die verbliebenen Besonderheiten wollen die neuen Besitzer erhalten. Dazu zählen das historische Treppenhaus mit reich verziertem Geländer oder die dunkle Holzdecke in einem der 4,30 Meter hohen Räume mit Rundbogenfenster im Erdgeschoss. Auf der Rückseite des Gebäudes werden die Terrassen und Balkone für die künftigen Bewohner angelegt - mit Aussicht auf den großzügigen grünen Hinterhof.

Viel Geld, aber auch viel Idealismus stecke in dem Projekt, sagt Holzlehner. Aus Sicht von einer bestimmten Gruppe von Lindenern ist die Sanierung der Villa Stephanus indes ein Beispiel für eine „Gentrifizierung“ des Stadtteils. Besserverdienende verdrängten finanziell schlechter gestellte Bewohner, lautet die Kritik der Aktivisten. Mit Folgen: Schon zweimal drangen sie in das Gebäude ein, besetzten es kurzfristig und beschädigten Türen und andere Teile der Bausubstanz. Bei der jüngsten Protestaktion gegen vermeintliche Luxussanierungen in Linden Anfang Juni erklommen Unbekannte den vorderen Balkon der Villa und sprühten ein Graffito auf die Hauswand. „Bisher hatten wir ein gewisses Verständnis, aber jetzt ist die Toleranzgrenze erreicht“, sagt Holzlehner. Die Nachbarn seien wachsam und hielten die Augen offen. Die Bauherren bewahrten ein historisches Haus, das über Jahrzehnte nicht mehr bewohnt war, vor dem Verfall. „Was ist daran zu kritisieren?“

So sieht es auch Christoph Elbert. „Wir sind keine Millionäre, sondern ganz normale Leute“, sagt der Chef des Restaurants 11A am Küchengartenplatz. Mit seiner Lebensgefährtin Verena Schindler hat er eine Wohnung in der Villa erworben. Die beiden werden die Ersten sein, die dort einziehen. „Wir sind kurz vor der Fertigstellung“, sagt Elbert.

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