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Aus den Stadtteilen Mädchenfußballer aus kurdischer Stadt zu Besuch
Hannover Aus den Stadtteilen Mädchenfußballer aus kurdischer Stadt zu Besuch
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00:18 19.08.2015
Endlich Mittagspause: Kurdische und deutsche Spielerinnen erholen sich vom harten Training. Quelle: Hannah Scheiwe
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Hannover

Melanie passt den Ball zu Güzide, die schießt ihn wieder zurück, dann bekommt die Nächste den Ball. Das ist auch ohne Sprache, nur mit Augenkontakt und Handzeichen, möglich. Und so müssen die Fußballspielerinnen der hannoverschen SG 74 und der kurdischen Mannschaft Büyüksehir Belediyespor Amedspor auch abseits des Spielfelds kommunizieren. Denn Englisch sprechen die kurdischen Spielerinnen nicht.

Für zehn Tage sind sie aus der türkischen Stadt Diyarbakir, die in Südostanatolien nahe der syrischen Grenze liegt, nach Hannover gereist, um gemeinsam mit den deutschen Spielerinnen zu trainieren und andere Unternehmungen zu erleben. Seit Jahren strebt Hannover eine Partnerschaft mit der kurdischen Stadt an - nun drohen die Bemühungen zu scheitern. Bislang hat die Zentralregierung in Ankara nicht zugestimmt, und Diyarbakir ist Kampfzone im türkisch-kurdischen Konflikt.

Zehn Tage lang sind die Kämpfe in der Heimat für die kurdischen Mädchen ganz weit weg. Unter dem Motto „Die Regeln sind die gleichen?!“ wurde das Projekt vom Bereich Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Hannover organisiert. Finanziert wurde es unter anderem von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke GmbH sowie dem Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie und der Stadt Hannover.

Gegenbesuch ist in Planung

„Wir haben vor zwei Jahren mit der Planung angefangen“, erzählt Projektleiterin Maren Gehrke. 2014 habe die internationale Begegnung aber noch nicht geklappt, weil es Probleme mit den Visa für die kurdischen Spielerinnen gab. Dieses Jahr hätte es dann endlich funktioniert. „Und wir planen auch einen Gegenbesuch der deutschen Spielerinnen in Diyarbakir“, so Gehrke.

Auch wenn die Fußballregeln im Prinzip die gleichen sind, hat das Fragezeichen hinter dem Motto des Projekts seinen Sinn - denn einige Unterschiede gibt es doch. „Die kurdischen Spielerinnen spielen sehr viel offensiver und aggressiver“, so Hans Ruthmann, Trainer der Damenmannschaft der SG 74. So müssen er und zwei weitere Trainer die elf kurdischen Mädchen, die zwischen 16 und 19 Jahren alt sind, beim gemeinsamen Training mit den Deutschen etwas bremsen. „Bitte nicht grätschen“, sagt er ihnen und findet: „Das haben die auch gar nicht nötig, technisch sind sie wirklich gut.“

Spielerin Melanie Hartmann von SG 74 sieht das ähnlich: „Die spielen sehr zweikampfbetont“, sagt sie. Ebru, die Torwartin der kurdischen Mannschaft, findet das deutsche Fußballtraining gut. In Deutschland machen sich die Spielerinnen eher mit Übungen warm, in der Türkei würden sie anfangs vor allem viel laufen. Die 18-jährige Spielerin Güzide Aiçu sagt: „Ich überlege, unserer Trainerin vorzuschlagen, die Übungen auch mal bei uns zu Hause zu machen.“ Bei einem Abendessen tauschten die Spielerinnen Trikots. „Danach haben die Kurdinnen im Kreis getanzt und gesungen“, erzählt Melanie. Es habe so ausgesehen, wie man sich eine türkische Hochzeit vorstellt.

Die Fröhlichkeit der Kurdinnen hat allerdings Grenzen - während ihres Besuchs in Hannover flackern in Diyarbakir wieder Unruhen auf. Die Mädchen stehen in Kontakt mit ihren Familien daheim. Manche Sorgen nimmt man eben auf jede Reise mit.

Von Hannah Scheiwe

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