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Mit einem Wisch ist alles weg

Mitte Mit einem Wisch ist alles weg

Die vierten Tibetischen Kulturtage sind am Dienstag mit der Auflösungszeremonie eines bunten Mandalas geendet – der Sand wurde in die Leine gestreut. Nach 2009, 2012 und 2014 war dies bereits die vierte Auflage der Kulturtage.

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Kurz bevor die Mönche zur Tat schritten, durften die Besuche nochmal ein Blick auf das Kunstwerk werfen.

Quelle: Godeck

Mitte. Über Kunst lässt sich ja streiten. Bei der Anfertigung des Sandmandalas im Rahmen der vierten Tibetischen Kulturtage trifft dies ausdrücklich nicht zu. Handelt es sich bei dieser mühevollen Kleinstarbeit der Mönche doch um ein buddhistisches Ritual, bei dem Kunst und Spiritualität verschmelzen sollen - kein Platz also für Krawall und Diskurs. Andererseits ist die Zerstörung dieses bunten Kunstwerks ebenso Bestandteil der Zeremonie gewesen. Und zugleich der Abschluss der diesjährigen Tibet-Tage.

Nach 2009, 2012 und 2014 war dies bereits die vierte Auflage der Kulturtage. Mit ihnen bietet das Tibet-Zentrum in der Odeonstraße einen Einblick in die Gepflogenheiten der buddhistischen Glaubenspraxis. Der Dalai Lama persönlich war zwar nicht anwesend, über die sieben Tage verteilt gab es von Kunstausstellungen über interreligiöse Dialoge bis hin zu Einblicken in die tibetische Kochkultur aber allerhand zu erfahren und zu sehen. „Ich finde, wir werden immer besser“, sagt die Vorsitzende des Tibet-Zentrums, Myriam Abdel-Rahman Sherif. So sei das Programm über die Jahre immer vielfältiger geworden, ergänzt sie.

Genauso wie in den vorherigen Jahren gehörte das bunte Mandala aus Streusand zweifellos zu den ästhetischen Höhepunkten der Kulturtage. Eigens von der Klosteruniversität Sera Jey im Süden Indiens angereist, saßen die fünf buddhistischen Mönche täglich etliche Stunden daran, um - kombiniert mit Gebeten - aus Millionen feinster Sandkörner geduldig das facettenreiche Kunstwerk zu streuen. „Es setzt wirklich eine große Kunstfertigkeit voraus“, meint Sherif vom Tibet-Zentrum.

In Anbetracht dieser mühevollen und zeitaufwendigen Arbeit erscheint es aus weltlicher Sicht paradox, dass das Kunstobjekt zum Abschluss der Kulturtage wieder zerstört wurde. Auch hier lässt sich der Grund dafür im Buddhismus finden. Als Zeichen der Vergänglichkeit wurde das Mandala in einer Auflösungszeremonie wieder zerstört.

Hierzu fanden sich neben den fünf Mönchen auch rund 50 interessierte Männer, Frauen und Kinder in dem großen, mit Buddha-Figuren und Blumen geschmückten Gebetssaal ein. Zur Zeremonie gehörte auch, dass jeder Besucher eine Reisportion mit Heißgetränk bekam. Irgendwann schritten die buddhistischen Geistlichen dann zur Tat und fegten die feinen bunten Sandkörner zu einem Haufen zusammen. Wer wollte, konnte sich Sandkörner mit nach Hause nehmen. Der Rest wurde in die Leine gestreut.

An zwei Abenden stand zudem der Austausch verschiedener Weltreligionen im Mittelpunkt. So diskutierten ein evangelischer Pastor und ein Vertreter des Islams über das Mystische in den Religionen. Oder ein buddhistischer Mönch sprach mit einem Benediktinerbruder über die Kraft, die vom Glauben ausgehen kann. Die tibetische Kultur zu erklären, ist ein Ziel der Kulturtage gewesen. Aber nicht ausschließlich. „Uns ging es nicht zuletzt auch darum, für Toleranz und gegen Gewalt zu werben“, erklärt Sherif.

Ziel erreicht? Die Vorsitzende des Tibet-Zentrums nickt. „Vor allem mit den interreligiösen Dialogen haben wir dies hinbekommen“, so Sherif weiter. Auch mit der Besucherresonanz zeigt sie sich zufrieden. „Zu den Veranstaltungen waren immer so um die 50 Leute da“, sagt sie. Sofern die Mönche Zeit haben, soll es daher auch 2016 wieder Tibetische Kulturtage an der Odeonstraße geben.

r.

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