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Der „Engel aus Kleefeld“ steht wieder

Mitte/Kleefeld Der „Engel aus Kleefeld“ steht wieder

Das Rätsel um den Engel Charlotte Domeier aus Kleefeld ist gelöst. Stadt-Anzeiger-Leserin Sylvia Kadlec weiß zu berichten, dass Engel bis Anfang des 20. Jahrhunderts im Schaumburger Land ein beliebter Vorname für Mädchen war.

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Aufgerichtet: Wilfried Supper (links) und Jan Syring mit dem Grabstein von Engel Charlotte Domeier.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Ein Flaschenzug ist kürzlich auf dem historischen Gartenfriedhof an der Marienstraße zum Einsatz gekommen. Mit seiner Hilfe haben die Restauratoren Jan Syring und Wilfried Supper einen Grabstein aufgerichtet - wie immer an diesem Ort einen besonderen. „Hier ruht Engel Charlotte Domeier aus Kleefeld“ ist als Inschrift zu lesen. Die Frau ist 1854 im Alter von 42 Jahren gestorben. Warum genau sie als Engel bezeichnet wird, wusste niemand der Beteiligten. Den Grabstein, der von der Restaurierungswerkstatt von ­Peter Furmanek instand gesetzt wurde, hatte ursprünglich ihre Mutter anfertigen lassen.

Stadt-Anzeiger-Leserin Sylvia Kadlec meldete sich in der Redaktion und hatte eine Erklärung für die Bezeichnung „Engel von Kleefeld“: „Frau Domeier ist kein Engel, sondern sie heißt Engel. Es ist ihr Vorname. Bis Anfang des letzten Jahrhunderts war ,Engel‘ im Schaumburger Land ein sehr beliebter Vorname für Mädchen.“ So hieß ihre Mutter, die 1912 in einem Ortsteil von Bad Nenndorf geboren wurde, Engel Marie - Rufname Engel. „Wenn die Freundinnen meiner Mutter zu Besuch kamen, saßen manchmal gleich drei Engel bei uns auf dem Sofa. In Hannover war dieser Vorname für Mädchen weitgehend unbekannt, und meine Mutter berichtete über Schwierigkeiten, die sie dadurch hatte. Aber es war ein ganz offizieller Name, der auch in ihrer Geburtsurkunde und im Personalausweis stand.“

Trotz intensiver Recherche hat Sylvia Kadlec bislang nicht herausbekommen, wieso dieser Name früher ausgerechnet im Schaumburger Land so beliebt war. Auf den Friedhöfen in Bad Nenndorf und den umliegenden Ortschaften findet man noch manchen Grabstein mit dem Namen Engel. „Ich vermute, dass auch Frau Domeier aus einem Dorf im Schaumburger Land stammt und nach Hannover geheiratet hat.“

Auf dem Gartenfriedhof, auf dem der Grabstein von Engel Charlotte Domeier nun wieder aufgerichtet wurde, schreitet die Sanierung der historischen Gräberstätten weiter voran. Seit 2013 sind dort bereits 49 Grabsteine wieder aufpoliert worden. Im Verlauf dieses Jahres sollen weitere 25 folgen, wobei sich die Kosten auf rund 100 000 Euro belaufen.

Der historische Friedhof ist seit 150 Jahren für Beerdigungen geschlossen und gilt mittlerweile als öffentliche Grünfläche. In die Schlagzeilen geraten ist er vor einigen Jahren wegen seines erbarmungswürdigen Zustands und als Treffpunkt der Trinkerszene. Angeprangert hatten dies Anlieger. Seitdem hat die Stadt Rasenflächen, einen Spielplatz, Wege und Einfassungen erneuern lassen.

Dass auch die Grabmale weiter nach und nach zu frischem Glanz kommen, ist der 1997 vom Architekten Fritz H. Wenger sieben Jahre vor seinem Tod gegründeten Stiftung zu verdanken. Ihr Zweck ist es, die Instandsetzung von Kulturdenkmalen in Niedersachsen und insbesondere in der Landeshauptstadt zu unterstützen und dabei eng mit der Denkmalpflege zusammenzuarbeiten.

„Der Gartenfriedhof passt genau zu diesem Engagement“, sagt Kunsthistoriker Peter Königfeld, der im Stiftungsvorstand sitzt. Die Einrichtung hat in Hannover unter anderem die Restaurierung des Kirchenraumes und Altars der Bethlehemkirche in Linden sowie die der vergoldeten Bleifiguren im Gartentheater Herrenhausen gefördert.

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