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„Na?nnover“ - die Stadt der Kinder

Burg „Na?nnover“ - die Stadt der Kinder

Seit zehn Jahren organisiert die Deutsche Europa-Jugend in Burg eine Spielstadt. Und wie es sich für eine ordentliche Stadt gehört, gibt es dort auch eine Bürgermeisterwahl. Die gewann die zwölfjährige Luca-Ciara. Ihr Wahlversprechen, alle Liedwünsche der Bürger im Radio zu spielen, überzeugte.

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Burg. „Wählt Lasse! Den Jungen mit den langen Haaren.“ Zur Bürgermeisterwahl am Donnerstag zieren bunte Wahlplakate die Straßen „Na?nnovers“. Lasse, elf Jahre, will sich für mehr Arbeitsplätze im städtischen Bauhof einsetzen, wenn er gewählt wird. In einem improvisierten Wahlbüro wird gerade abgestimmt. Die bunten Wahlurnen haben die Kinder selber in der Kunstwerkstatt gebaut, Mitarbeiter vom „Ordnungsamt“ sorgen für einen geregelten Ablauf. Auf einem ehemaligen Betriebsbauhof in Burg können Kinder eine Sommerferienwoche in ihrer ganz eigenen Stadt verbringen.

Frauke Piotrowski ist jedes Jahr aufs Neue erstaunt darüber, welche Institutionen sich die Einwohner „Na?nnovers“ für ihre Mini-Stadt wünschen. „Dieses Jahr gibt es einen Tüv und ein Ordnungsamt, das waren Ideen der Kinder“, erzählt sie. Die Bildungsreferentin des Vereins Deutsche Jugend in Europa (DJE) hat das Konzept für das originelle Ferienspiel vor zehn Jahren mit entwickelt. Seitdem ist die Spielstadt jedes Jahr gewachsen. „77 Bürger/innen, davon sieben unangemeldet“, haben die Statistiker aus dem „Rathaus“ am DJE-Jugendtreff im Innersteweg heute registriert. Insgesamt besuchten in der vergangenen Woche rund 400 Kinder und Jugendliche die Mini-Stadt, schätzt Leiterin Piotrowski.

Jeden Tag können sich die Kinder dort aussuchen, in welcher der acht Werkstätten sie den Tag verbringen. Am beliebtesten ist der Bauhof. Wie im großen Vorbild ist auch in „Na?nnover“ die Autoindustrie eine beliebte Branche. Aus Holzresten und Sperrmüll konstruieren die Kinder die wildesten Fahrzeugkonstruktionen. Wer im selbst gebauten Bus Passagiere über den Hof befördern will, kann sich im Rathaus einen Führerschein ausstellen lassen. Auf dem Bauhof wird alles produziert, was in der Stadt benötigt wird. Wenn das „Restaurant“ eine Mülltrennanlage braucht, können die Küchen-Kinder beim Bauhof eine Bestellung aufgeben. Mitarbeiter der städtischen Post stellen den Auftrag zu. Vor der Auslieferung wird die Gerätschaft in der Kunstwerkstatt verschönert. Wie in jeder Stadt, die etwas auf sich hält, gibt es auch ein Theater. Die Aufführungen im Innenhof sind jeden Nachmittag ein gemeinsamer Höhepunkt, zu dem alle aus ihren Werkstätten, Studios und Büros zusammenkommen. Sogar eine eigene, aus bunten Bas telblättern zusammengestellte Zeitung und ein Radiosender berichten täglich über das aktuelle Geschehen in „Na?nnover“.

„Kinder können hier gesellschaftliche Abläufe spielerisch ausprobieren“, erklärt Piotrowski. Die Struktur der Stadt dient dabei lediglich als Gerüst. Die 18 ehrenamtlichen Helfer achten darauf, den Kindern möglichst viel Freiraum zu lassen. Wer lieber über den Hof tobt, anstatt in der Design-Werkstatt zu arbeiten, den erwartet keine Kündigung. „Manche Kinder müssen wir eher daran erinnern, eine Essenpause zu machen“, hat Kai Ilsemann beobachtet. Der Maschinenbautechniker ist bereits seit der Premiere vor zehn Jahren als Helfer dabei. Dieses Jahr beaufsichtigt er das Materiallager des Bauhofs. „Das Schöne ist, dass hier Kinder mit den unterschiedlichsten sozialen Hintergründen zusammenkommen“, findet Ilsemann.

Anders als vergleichbare Angebote, die eher wirtschaftliche Zusammenhänge betonen, gibt es in „Na?nnover“ keine eigene Währung. Der Fokus liegt auf dem kreativen, freien Spiel. „Wir trauen den Kindern viel zu. Hier können sie auch mal Werkzeug in die Hand nehmen, dass zu Hause vielleicht nicht erlaubt ist“, sagt Piotrowski. 2012 wurde die Spielstadt vom Bund mit dem Preis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet.

Die Bürgermeisterwahl am Donnerstag ist in ,,Na?nnover“ ein Großereignis. Die Wahlbeteiligung liegt bei annähernd 100 Prozent. Vor dem Wahlbüro hat sich am Nachmittag eine lange Schlange gebildet. Im Nachrichtenstudio des Radiosenders verliest Moderator Jonas zwischen den gewünschten Liedern eine Wahlwerbung: „Wählt Luci und Amelie für ein besseres ,,Na?nnover“.

In der Tageszeitung, die kurz vor der Verkündung hastig von den Redakteuren zusammengetackert wird, wünscht sich eine Wählerin, dass der nächste Bürgermeister mehr Wespenfallen auf dem Hof aufstellt.

Am Ende setzt sich die zwölfjährige Luca-Ciara gegen die anderen Kandidaten durch. Ihr Wahlversprechen: „Ich setze mich dafür ein, dass im Radio alle Wünsche der Bürger und Bürgerinnen gespielt werden.“

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