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Aus den Stadtteilen "Wir sind Leute aus der Nachbarschaft"
Hannover Aus den Stadtteilen "Wir sind Leute aus der Nachbarschaft"
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00:17 30.07.2015
Von Gunnar Menkens
„Wir sind Leute aus der Nachbarschaft“: Andrian Bonev vom Laden „Fuss Stolz“ in dem er Sneakers anbietet. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Nur auf der Limmerstraße in Linden sollte es sein, das war der Plan von Andrian Bonev und David Moledo Pais. Nach einem Jahr Suche war endlich ein geeigneter Laden frei. Gleich neben dem traditionsreichen Apollo-Kino, gegenüber einer Stadtbahn-Haltestelle, mitten drin also im urwüchsigen Linden und mit reichlich Publikum, eröffneten sie ihr Geschäft für Sneakers und ein paar Klamotten drumherum.

Schaufenster und Interieur hielten die beiden 33-Jährigen in schlichtem, aber auffälligen Schwarz-Weiß, hinter die Scheiben stellten sie nur wenige Schuhe. Nichts sollte überladen wirken. „Fuss Stolz“ haben sie ihr Geschäft dann genannt. Möglich, dass sie auch selbst ein wenig stolz waren, auf die selbst gezimmerten Regale, Umkleiden und neu verfugten Mauern und darauf, ihr Ziel erreicht zu haben.

Selbst ernannte Geschmackswächter und Schuhpolizisten

Das alles war zu viel, für wen auch immer. Eine Woche nach der Eröffnung sprühten selbst ernannte Geschmackswächter und Schuhpolizisten schief eine Parole an die Fassade: „Niemand braucht eure lächerlichen Schuhe! Wir haben andere Sorgen!“ Andrian Bonev war nicht sehr überrascht, als er das Malheur sah, das ihm erst einmal andere Sorgen bereitete als ein Geschäft zu führen. „Uns war bewusst, worauf wir uns einlassen und dass manche Leute alles zu schick und durchgestylt finden könnten. Wir dachten: Kann schon sein, dass jemand die Fassade verschmutzt.“

Kritische Fragen in der ersten Woche

Auf den Zahn fühlten vermutlich Einheimische den Inhabern früh. Schon in der ersten Woche, sagt Bonev, seien ältere Leute in den Laden gekommen und hätten kritisch-neugierig Fragen gestellt. Ob „Fuss Stolz“ womöglich Teil einer Ladenkette sei und ob die beiden Inhaber „von außerhalb“ kämen. Wobei nicht klar war, was gemeint war. Außerhalb Hannovers? Deutschlands? Weil in dem Stadtteil nicht selten ein baskenähnlicher Nationalstolz herrscht, dachten sich Bonev und David Moledo Pais, aufgewachsen in Linden, diese Neugierigen müssten wohl doch Linden meinen.

Debatten der vergangenen Jahre sind den beiden nicht entgangen. Diskutiert wird, ob aus Linden ein Stadtteil für Besserverdienende wird, der ärmere Menschen aus ihren Wohnungen drängt. Mancher, der das glaubt, hält sich für berechtigt, Zeichen gegen vermeintlich symbolische Orte dieser Entwicklung zu setzen.

Der Inhaberin einer Eisdiele nahe des Lindener Marktplatzes wurden noch vor der Eröffnung Fensterscheiben eingeworfen. Unklar blieb, ob die Preise pro Kugel Grund waren oder die Luxussanierung des Hauses, in das die Inhaberin sich im Erdgeschoss eingemietet hatte.

„Wir sind Leute aus der Nachbarschaft"

Andrian Bonev betont nun sehr, dass sie nicht zu den Leuten zählen, die es zu bekämpfen gilt, sondern sie selbst Einheimische seien. „Wir sind Leute aus der Nachbarschaft. Unser Laden ist für Leute, die keine Lust mehr haben, Sneakers in Filialen von Ketten zu kaufen.“ Bald wollen sie noch Produkte von zwei jungen Lindener Designern anbieten, T-Shirts und Pullis. Und sie haben keinen Kredit bei einer dieser raffzahnigen Banken aufgenommen, weil im Geschäft Erspartes steckt.

Den Schaden an der Fassade behob auf eigene Kosten ein Lindener Künstler. Er übertünchte die selbstgerechte Parole der Schuhpolizei und malte einen Vogel an die Wand, nicht auszuschließen, dass es eine Friedenstaube ist. Darunter der Satz: „Oftmals ist es Stumpfneid oder nur blankes Unfairmögen“. Mag sein. Auf jeden Fall guckt man da mal hin. Bonev und David Moledo Pais machen weiter.

Auf HAZ.de und bei Facebook wurde die Farbattacke heftig diskutiert.

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