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Keine Außenseiter beim Strangriedefest

Nordstadt Keine Außenseiter beim Strangriedefest

Das gemischte Publikum aus gutbürgerlichen Familien, die sich mit den Punks und örtlichen Trinkern eine Bank teilen, ist typisch für das Strangriedefest. Zum dritten Mal richtete der Verein „Engelbosteler Damm Nordstadt“ am vergangenen Wochenende das Fest aus. 

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Nordstadt. „Das Strangriedefest bringt Licht an einen Platz, an dem es lange dunkel war.“ Für Strangriedefest-Mitbegründer Max Joseph Diba ist das kleine Stadtteilfest am nördlichen Engelbosteler Damm nicht bloß irgendeine Feier, sondern ein Sieg der Anwohner über Drogen und Tristesse. „Es geht um die Rückeroberung der Sozialräume“, erklärt er kämpferisch mit ein wenig Stolz in der Stimme. Zum dritten Mal organisierte der Nachbarschaftsverein „Engelbosteler Damm Nordstadt“ am vergangenen Wochenende das Strangriedefest. Das einzige Stadtteilfest in der Nordstadt hat einen ganz eigenen Charakter, genau wie das kleine Quartier um den namensgebenden Hochbahnsteig.

Es hat sich vieles verändert an der Strangriede, findet Kurt Waag. Vor einigen Jahren habe man hier nicht auf die Straße gehen können, ohne Drogendealer und Süchtige zu sehen, erinnert sich der Wirt der „Strangriede Stage“. „Hier wurde im ganz großen Stil vertickt“, so Waag. Weder Polizei noch die Politik schienen damals Herr der Lage. Also beschlossen Waag, Diba und einige andere Geschäftsleute und Anwohner, sich für die Aufwertung ihres Quartiers starkzumachen. Heute bekommen sie dabei Unterstützung vom Bezirksrat und dem Integrationsbeirat. Vereine aus der Nachbarschaft - wie die Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft oder ein transkultureller Pflegedienst - bauen eigene Stände auf und helfen bei der Organisation.

Das Strangriedefest ist nach wenigen Jahren ein fester Bestandteil im Feierkalender geworden, nicht nur für Nordstädter. Auch in diesem Jahr spielten wieder zahlreiche bekannte Rock- und Popbands auf der kleinen Bühne auf. Zu den Höhepunkten zählten in diesem Jahr die Auftritte von Rock-Urgestein Osssy Pfeiffer und der Funpunk-Legende Abstürzende Brieftauben. Letztere sorgten am Sonnabend zum Abschluss für ein wenig Nostalgie unter den zahlreich anwesenden Punks, von denen es in der Nordstadt wohl immer noch mehr gibt als in den übrigen Stadtteilen.

Das gemischte Publikum, bei dem gutbürgerliche Familien sich mit den Punks und örtlichen Trinkern eine Bank teilen, ist typisch für das Strangriedefest. Hier geht es um Integration. Nachbarn können sich näherkommen und die übrige Stadt soll eine Ecke kennenlernen, um die noch vor wenigen Jahren viele einen Bogen machten.

Der nördliche Teil des Engelbosteler Damms litt stark unter einer offenen Drogenszene. Dass die Straße um den Hochbahnsteig seit Jahren für Autos gesperrt ist, macht es dem lokalen Handel schwer. Das bunte Leben, wie es weiter südlich auf dem E-Damm floriert, findet hier bis heute nicht statt. In den letzten Jahren habe sich die Situation allerdings „massiv gebessert“, erklärt Max Joseph Diba. Der offene Drogenhandel sei nahezu verschwunden. Die Polizei bestätigt seine Beobachtung. „Die Polizeidirektion Hannover sieht im Bereich der Strangriede keinen besonderen Kriminalitätsschwerpunkt“, so die Polizei-Pressesprecherin Martina Stern. Ständige und anhaltende Kontrollen hätten zu der Entspannung geführt.

Im dritten Jahr konnten sich die Besucher dann auch über einen neuen Nachbarn freuen, der vielleicht ein Indikator für den Wandel an der Strangriede ist. Der vietnamesische Restaurant-Besitzer Ngnyen Thanh Trunk hat pünktlich zum Fest eine Sushi-Bar an der Haltestelle eröffnet. In dem Ladenlokal hatte sich zuvor ein modernes Café versucht. Nach einem Jahr musste es wieder schließen. „Damals war es zu früh. Jetzt ist die Zeit reif“, glaubt Kurt Waag an den neuen Nachbarn. Der wurde gleich eingespannt, um die hungrigen Musiker hinter der Bühne zu versorgen. Und wo Punks Sushi essen, da kann es nicht so übel sein.

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