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Aus den Stadtteilen Nur Umbau kann die Corvinuskirche retten
Hannover Aus den Stadtteilen Nur Umbau kann die Corvinuskirche retten
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00:15 12.10.2015
„Um die finanzielle Tatsache, dass wir uns verkleinern müssen, kommen wir nicht herum“: Während der Gemeindeversammlung spricht Pastor Lüder Meyer-Stiens.  Quelle: Moers
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Seit zwei Jahren streiten Denkmalschützer und die ev.-luth. Kirchengemeinde Ledeburg-Stöcken bereits um die Zukunft der Corvinuskirche. Die Gemeinde würde das Gotteshaus am liebsten abreißen und dort ein kleineres Gemeindezentrum errichten. Für die Denkmalschützer kommt die Beseitigung des Baudenkmals nicht infrage. Jetzt kommt Bewegung in den festgefahrenen Streit. Am Sonntag präsentierten Vertreter der Landeskirche und des Kirchenvorstands auf einer Gemeindeversammlung die jüngsten Entwicklungen in der Causa Corvinus. Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs sollen Architekten und Wirtschaftsprüfer bis Anfang 2016 ermitteln, ob ein Umbau der 2012 profanierten Kirche möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist. Scheitern die Umbaupläne, wird der Weg frei für den Abriss.

Ginge es nach den sechs Mitgliedern des Kirchenvorstands der ev.-luth. Kirchengemeinde Ledeburg-Stöcken, wäre die Corvinuskirche in der Nähe des Stöckener Markts längst verschwunden. Als die Gemeinde 2011 auf Drängen der klammen Landeskirche die Aufgabe seiner zweiten Kirche beschloss, plante man den Abriss der Kirche und den Verkauf des Grundstücks. Kurz darauf durchkreuzten die Landesdenkmalschützer diese Pläne. Aus deren Sicht ist die 1962 gebaute Kirche steingewordener „Ausdruck einer Epoche“. Demnach muss sie erhalten bleiben. Gegen diese Entscheidung legte die Landeskirche bei Gericht erfolglos Widerspruch ein. Zuletzt bestätigte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Dezember 2014 den Status als Baudenkmal. Seitdem ruht die einzige Hoffnung für die Gemeinde, sich des kostenintensiven Gebäudes doch noch zu entledigen, auf dem sogenannten „Loccumer Vertrag“. Der regelt, dass die Kirchen Baudenkmäler abreißen dürfen, sofern das im Einvernehmen mit dem Kultusministerium geschieht.

Aus der Sicht der Landeskirche geht es bei dem Streit um den Corvinusabriss um mehr als die einzelne Kirche. Corvinus könnte für die Landeskirche ein Präzedenzfall sein. Sinkende Mitgliederzahlen zwingen die Kirchen vielerorts, sich von Immobilien zu trennen. Gelten die als Baudenkmäler, ist der Verkauf schwierig bis unmöglich. „Wir fürchten, dass diese Auseinandersetzung auch andere Standorte betrifft“, erklärt Adalbert Schmidt, Leiter der Abteilung Immobilienwirtschaft im Landeskirchenamt. Aus seiner Sicht sollten „die Standards dafür, was unter den Denkmalschutz fällt, hinterfragt werden“, so Schmidt.

Mit dem am Sonntag präsentierten Ideenwettbewerb kommt die Landeskirche gezwungenermaßen der Forderung des Ministeriums nach, die Möglichkeit der ökonomisch-sinnvollen Corvinus-Nutzung zu prüfen. „Wir sind an einem Punkt, wo wir uns fragen, ob das jetzt wirklich noch sein muss“, ächzt Schmidt. Der Wettbewerb, an dem fünf Architekturbüros teilnehmen, ist also eine Art Machbarkeitsstudie.

Im Januar 2016 sollen die Entwürfe für den Umbau einem siebenköpfigen Preisgericht, bestehend aus vier Architekten, zwei Gemeindemitgliedern und einem Vertreter des Kirchenkreises, vorgestellt werden. Der Siegerentwurf wird anschließend von einem unabhängigen Gutachter auf die wirtschaftliche Machbarkeit geprüft. Frühestens im März muss der Kirchenvorstand entscheiden, ob er dem Umbau zustimmt.

„Die Folge wäre, dass sich die Gemeinde am Standort Corvinus in gewandelter Gestalt neu aufstellt“, erklärte Pastor Lüder Meyer-Stiens. Er und die Vertreter des Kirchenvorstands ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass der Ideenwettbewerb eine Forderung des Ministeriums ist. Die Gemeindevertreter halten weiter an dem Abriss der Corvinuskirche fest. Zehn Jahre nach der Fusion der Corvinus- und Bodelschwinghgemeinden wünschen sie sich einen, kleiner dimensionierten, unterhaltsfreundlichen Neubau auf dem Stöckener Grundstück.

Ob Abriss oder Umbau - die Rettung der 53 Jahre alten Corvinuskirche bedeutet im Gegenzug das Aus für die Ledeburger Bodelschwingh-Kirche. Wenn die Entscheidungen getroffen sind, soll das Gelände in der Meyenfeldstraße verkauft werden. „Um die finanzielle Tatsache, dass wir uns verkleinern müssen, kommen wir nicht herum“, betonte Pastor Lüder Meyer-Stiens.

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