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Aus den Stadtteilen Wie kann Linden-Limmer sicherer werden?
Hannover Aus den Stadtteilen Wie kann Linden-Limmer sicherer werden?
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00:15 18.01.2018
Konzert der Metalband Powerwolf in der 60er Jahre Halle auf dem Faust-Gelände: Kommen die Fans alle sicher nach Hause?  Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Linden-Limmer

Braucht Limmer ein Regelwerk für Straßenmusiker? Nützen den Anwohnern der Limmerstraße Ordnungshüter, die schon um 22 Uhr Schluss machen? Solche Fragen drängen sich unter anderem auf, sobald das städtische Konzept „Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum“ auf den Tisch kommt. Bis Juni dieses Jahres sollen alle 13 Stadtbezirksräte mindestens einmal darüber diskutiert haben. Ordnungsdezernent Axel von der Ohe startete seine Präsentationstour jüngst auf einer Sondersitzung des Bezirksrats Linden-Limmer. Und stieß dort mit den Ideen der Verwaltung auf ein geteiltes Echo.

Es geht der Stadt, einerseits, um ein besseres Sicherheitsgefühl für alle Bürger in Hannover. Gut ein Drittel der Menschen fühle sich abends nicht mehr wirklich sicher, berichtete von der Ohe. Und das im eigenen Wohnviertel. Andererseits kosten die Pläne pro Jahr rund 3,5 Millionen Euro. Zudem sind sie bislang eher auf die City und allenfalls noch auf die Lister Meile bezogen. Eine Tatsache, die unter anderem die Fraktion der Grünen und Thomas Ganskow, Einzelvertreter der Piraten, kritisierten. „In unserem Stadtbezirk gibt es weder einen großen Auflauf an Straßenmusikern noch an organisierter Bettelei“, sagte Ganskow. Die Stadt nimmt mit ihrem Konzept mehrere Themen in den Fokus: Sie will die Auftritte von Straßenmusikern stärker reglementieren, aggressive Bettelei bekämpfen, stärker mit der Polizei zusammenarbeiten, den Alkoholkonsum im öffentlichen Raum eindämmen, neue Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen erstellen und der Vermüllung sowie dem Vandalismus effizienter entgegentreten. Herzstück ist eine neue Ordnungsgruppe, die in der gesamten Stadt patrouillieren soll. Die bestehende Einheit aus 15 Parkrangern wird auf rund 50 Angehörige aufgestockt. Die Ordnungshüter werden als Doppelstreifen unterwegs sein und im Schichtdienst eingesetzt. Geplantes Einsatzende soll zehn Uhr abends sein.

Nach 22 Uhr größter Bedarf im Bezirk

Mit der neuen Truppe habe er grundsätzliche Probleme, sagte Ganskow. Sie möge sinnvoll sein, wenn es um Müllvermeidung oder nicht angeleinte Hunde gehe. Aber nicht im Umgang mit Menschen, beispielsweise Bettlern. „Es werden hoheitliche Aufgaben abgegeben, um die Polizei entlasten.“ Daniel Gardemin, Fraktionschef der Grünen, geht der Einsatz der Ordnungskräfte nicht weit genug: „Nach 22 Uhr besteht der größte Bedarf, vor allem in Linden-Nord. Wir brauchen ein Nacht-Konzept“, sagte er mit Blick auf den Partytourismus rund um die Limmerstraße. Die vielen Kneipen und das Kulturzentrum Faust zögen zusätzlich Tausende Menschen an. „Linden steht zur Gastfreundschaft, braucht aber auch Hilfe“, betonte Gardemin. Das Thema ist alt: Die Stadt beauftragte vor Jahren eine Bestandsaufnahme der Trinkerszene an der Limmerstraße, setzte schon 2013 private Sicherheitsdienste ein. Anwohnerinitiativen brachten harsche Kritik von Lindener Bürgern am Partyrummel zutage; das Kulturzentrum Faust startete mehrfach mahnende Aufrufe an seine Gäste. Private Sicherheitsdienste könnten ja tagsüber den ruhenden Verkehr oder wilde Müllablagerungen kontrollieren, schlug Gardemin vor. Die neuen städtischen Ordnungskräfte aber müssten verstärkt abends und nachts unterwegs sein. Am besten gemeinsam mit Sozialarbeitern, die die Partygänger begleiten und auch Lärmentwicklungen unterbinden könnten. „Was aber kein Lindener möchte, ist, wie in der Innenstadt vorgesehen, Straßenmusikern alle halbe Stunde das Musizieren zu verbieten.“ Die Stadt solle ihr Konzept auf die Bedürfnisse im Stadtbezirk abstimmen. Auf Antrag der Grünen wird der Bezirksrat demnächst eine Anhörung speziell zum Partytourismus veranstalten.

Manche Anwohner hätten Bedenken geäußert, dass die neuen Ordnungskräfte die Freiräume Einzelner bescheiden könnten, berichtete SPD-Bezirksratsherr Horst Knoke. „Diese Angst ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Die SPD warnte vor rascher Grundsatzkritik. Die Stadt wolle ja das Konzept weiterentwickeln, sagte Knoke. Das Ordnungsdezernat werde die neuen Erkenntnisse und Hinweise aus dem Stadtbezirk bewerten und mit einem auf Linden-Limmer zugeschnittenen Konzept erneut vorstellig werden. „Wir sind daher verhalten optimistisch“, sagte Knoke. Nun komme es auf die Verwaltung an. Die plant neben den Anhörungen in den Bezirksräten auch stadtweite Diskussionsveranstaltungen zum Thema. In den Bezirksräten Ricklingen sowie Ahlem-Badenstedt-Davenstedt wird die Drucksache erstmals im April behandelt. 

Von Marcel Schwarzenberger

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