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In der Tradition der Corvinus-Gemeinde

Stöcken In der Tradition der Corvinus-Gemeinde

Mit fast 90 Jahren ist er noch engagiert und kraftvoll: Pastor Werner Merten liegt Stöcken am Herzen. Stolz ist der Pastor im Ruhestand auf das, was die Gemeinde nach dem Krieg aufgebaut hat. Die Errichtung der ersten „echten“ evangelischen Kirche in Stöcken im Jahr 1962 etwa.

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Werner Merten.

Stöcken. „Mein Leben kann ohne die Corvinus-Gemeinde nicht gedacht werden.“ Wenn der 88-jährige Werner Merten an seine 34 Jahre als Pastor in der ehemaligen Stöckener Gemeinde zurückdenkt, prägen Stolz und Wehmut die Erinnerungen. Stolz ist der Pastor im Ruhestand auf das, was die Gemeinde nach dem Krieg aufgebaut hat. Die Errichtung der ersten „echten“ evangelischen Kirche in Stöcken im Jahr 1962 etwa.

In die Planung der 2012 entweihten Corvinus-Kirche war der damals junge Pastor maßgeblich eingebunden. Die Tradition der Corvinus-Gemeinde aufrechtzuerhalten ist Merten auch im Ruhestand eine Herzensangelegenheit. Die Entweihung hält er bis heute für einen großen Fehler mit weitreichenden Konsequenzen für die Stöckener Gemeindemitglieder. In diesem Monat feiert der gebürtige Stöckener sein 60-jähriges Ordinationsjubiläum.

Auch mit beinahe 90 Jahren ist Werner Merten noch immer voll engagiert und konzentriert, wenn er sein berufliches Leben in Stöcken resümiert. Als er von dort 1992 in den Ruhestand ging, hatte er sich niemals vorstellen können, dass es seine Gemeinde zu seinen Lebzeiten nicht mehr geben könnte. Ein großer Teil seines Lebens hatte sich schließlich in Stöcken abgespielt. 1927 kam der Sohn eines Finanzbeamten dort im Gartenhaus der Großeltern zur Welt. Im selben Jahr baute die damals noch zum Kloster Marienwerder gehörige evangelische Gemeinde ihr Gemeindehaus an der Moorhofstraße. Als Bomben 1944 das Gebäude trafen, erlebte Merten, wie der damalige Pastor Schützer mit Gemeindemitgliedern die zerstörten Wände wieder aufbaute.

Im alten Pfarrhaus ging er als Freund von einem der Söhne des Pastors ein und aus. Als Angehöriger der Flakhelfer-Generation erlebte er die letzten Kriegstage selbst als Soldat. Die Auswirkungen des Bombenkriegs und Erlebnisse in der Kriegsgefangenschaft ließen in ihm den Wunsch reifen, Pastor zu werden. Nachdem er in der Gefangenschaft an Chorproben zu Haydns „Schöpfung“ teilgenommen hatte, entschied er sich, neben der Theologie auch Kirchenmusik zu studieren. An der heutigen Musikhochschule half Merten in den Siebzigerjahren als Honorarprofessor, den Studiengang Kirchenmusik aufzubauen.

Von dem ausgezeichneten musikalischen Verständnis ihres Pastors profitierten später auch die Stöckener. Wolfgang Börner, 36 Jahre im Kirchenvorstand, erinnert sich: „Für eine Stadtrandgemeinde in einer Arbeitergegend hatten wir eine erstaunliche Anzahl beachtlicher Kirchkonzerte.“

Als Merten 1958 als Pastor nach Stöcken kam, gab es dort 10 000 Gemeindemitglieder und drei Pfarrstellen, aber keine ordentliche Kirche. Der Gottesdienst wurde in einem einfachen Kirchensaal im Gemeindehaus gefeiert.

Bald reichte der Platz für die vielen Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien nicht mehr aus. Merten erlebte, wie die Gemeinde einen Kirchenbauverein gründete, der einen beträchtlichen Teil für die Finanzierung des Gebäudes durch Spenden aufbrachte. „Die daraus entstandenen Kirchbaufeste zählten auch später zu den jährlichen Höhepunkten“, erinnert er sich gerne an die Feiern.

Von großer Bedeutung war für ihn außerdem, dass nun in Stöcken erstmalig das Geläut eigener Glocken zu hören war. Ohne eigenen Turm griff auch die katholische St.-Christophorus-Kirche am Marktplatz auf die Corvinus-Glocken zurück. So kam es zu dem, was Merten gerne „ökumenisches Glockengeläut“ nennt. Auch sonst pflegten die Konfessionen in der Zeit einen regen Austausch, der in einer gemeinsamen Papst-Audienz im Jahr 1970 gipfelte. „Die katholischen Pfarrer wurden alle meine Freunde“, erklärt Merten den guten Dialog. Dass die katholische Kirche seit einigen Jahren ebenfalls erwägt, den Standort in Stöcken aufzugeben, stimmt ihn nachdenklich. „Dann gäbe es keine christliche Kirche mehr im Stadtteil“, befürchtet er.

Ein Rentnerleben führt Merten, der heute in Stelingen bei Garbsen lebt, auch nach 60 Jahren im Amt noch nicht. Regelmäßig hilft er in der benachbarten Martinskirche in Engelbostel aus. Seine geistliche Heimat wird aber für immer die ehemalige Corvinus-Gemeinde bleiben. Auch wenn die bereits seit 2006 mit der Ledeburger Bodelschwingh-Gemeinde fusioniert ist. „Was wir gemeinsam in Corvinus geschaffen haben, das kann nicht entweiht werden“, glaubt Merten.

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