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Private Geschäfte im Hinterhof

Linden Private Geschäfte im Hinterhof

Bei rund 20 Hofflohmärkten erkundeten Hunderte von Besuchern ihre Nachbarschaft. Natürlich wurde dabei auch viel geschnackt.

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Mehr als 20 Hausgemeinschaften öffneten ihre Gärten und Höfe - wie diesen in der Wittekindstraße.

Quelle: Christian Link

Hannover. „Die Gummistiefel sind als Erstes weggegangen - an eine ältere Dame mit einem dicken Hund“, erzählt Conny Heesen. Gemeinsam mit zwei Freundinnen hat sie einen Innenhof und zwei Garagen in Linden-Mitte zum Flohmarktgelände umfunktioniert. „Eigentlich bin ich gar kein Flohmarkttyp“, sagt sie. Und eigentlich wohnt sie auch in Kirchrode. Die ersten Lindener Hofflohmärkte am vergangenen Sonnabend wollte sie sich trotzdem nicht entgehen lassen, weshalb sie sich ihren Freundinnen aus dem Stadtteil angeschlossen hat.

Mehr als 20 Hausgemeinschaften hatten in Linden-Nord und -Mitte ihre Hinterhöfe und Gärten geöffnet. Zusammen mit Freunden, Familie und Nachbarn verkauften sie dort Secondhand-Ware und kamen mit Hunderten von Besuchern ins Gespräch. Unzählige Menschen waren auf Einkaufsbummel gegangen, meist zogen sie in Pärchen oder kleinen Gruppen durch die Straßen - immer mit dem Veranstaltungsflyer in der Hand, um die weit verstreuten Privatflohmärkte zu finden.

„Die Idee der Hofflohmärkte hat mich überzeugt“, sagt Carlo Meyer-Saran. Vier weitere Familien konnte er für das Projekt begeistern, sodass sich in seinem Hinterhof an der Wittekindstraße mehrere Verkaufstische aneinanderreihen. „Bei besserem Wetter hätten wir noch gegrillt“, verrät er. Immerhin ist der Himmel nur wolkenverhangen, es bleibt bis zum Ende regenfrei und gemütlich.

Preisschilder gibt es hier wie bei den meisten Hofflohmärkten nicht. „Ich lege die Preise spontan fest. Wenn mir der Kunde sympathisch ist, gehe ich damit runter“, sagt Meyer-Saran, „es geht ja nicht darum, dass man hier etwas verdient.“ Für ihn steht die Begegnung mit den anderen Hannoveranern im Vordergrund. Er führt an diesem Sonnabend viele Gespräche, ums Verkaufen geht es dabei nur am Rande.

Die vier Jungs einen Stand weiter sehen das aus gutem Grund etwas anders. „Von dem Geld, das wir hier verdienen, können wir uns neue Sachen kaufen“, sagt Malte. Beim Verkauf ihres alten Spielzeugs sind sie ziemlich geschäftstüchtig. „Oft machen die Kunden realistische Angebote, manchmal gehe ich aber noch höher“, erklärt Yonis die Verkaufsstrategie.

Den Besuchern geht es in der Regel nicht darum, günstige Schnäppchen zu machen. „Wir haben in der Zeitung von den Hofflohmärkten gelesen und uns gesagt: Mensch, wir gucken mal mit meinem Vater in seinen alten Kiez“, erzählt Ole Lerch. Papa Heinz wohnt zwar mittlerweile jenseits des Benther Bergs, versteht sich aber immer noch als „Lindener Butjer“. Gut gelaunt durchstöbert der angehende Großvater das Angebot: „Vielleicht finden wir was Schönes für das Baby“, sagt er.

Ein ganz klares Einkaufsziel hat dagegen Renate Dittscheidt-Bartolosch. „Ich suche nach schönen Spielen und Sachen fürs Kindermuseum“, sagt die Vorsitzende des Kindermuseums Zinnober. Bei Ilka und Tine in der Pavillonstraße ist sie da genau richtig, denn die beiden haben ein riesiges Angebot an Secondhand-Waren zusammengetragen.

Die meisten Besucher interessieren sich zwar mehr für den idyllischen Hinterhof mit Sauna als für die Ware, aber trotzdem wertet das gut gelaunte Duo den Tag als Erfolg. „Ich mache nächstes Jahr bei den Hofflohmärkten auf jeden Fall wieder mit - dann vermutlich mit selbst gestrickten Strümpfen, weil ich nichts mehr habe“, sagt Tine. Ähnlich äußern sich auch alle anderen Befragten. Selbst einige Besucher wollen 2016 selbst einen Innenhof gestalten. „Wir haben einen schönen Hinterhof, wo man das auch machen könnte“, sagt Heike Dohm aus Linden-Mitte, „ich werde das bei uns im Haus anregen.“

Wann das Nachbarschaftsprojekt, das aus München nach Hannover gekommen ist, im nächsten Jahr stattfindet, wird noch bekannt gegeben. Eine Neuauflage im Jahr 2016 gilt nach dem großen Erfolg als sicher. Neben der List, wo die Hannover-Premiere der Hofflohmärkte gefeiert wurde, sollen dann auch andere Stadtteile beteiligt werden - etwa die Südstadt.

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