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Hainhölzer Schnäppchenparadies

Projekt „Kunstmarkthalle“ Hainhölzer Schnäppchenparadies

Wird Hainholz die neue List? Immer mehr Künstler verlegen ihre Ateliers in den Stadtteil, dessen Sanierung vor zehn Jahren begann. Sie finden dort günstige Mieten, Gleichgesinnte und eine Tradition, die im Jahr 1983 mit Siegfried Neuenhausen und seiner Kornbrennerei begann. Jetzt vereint das Projekt „Kunstmarkthalle“ 27 Kunstschaffende in einem Raum.

Schulenburger Landstraße 150, Hannover 52.4098 9.70876
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Luftig: Videoinstallation von Nina Peter.

Quelle: Wallmüller

Hannover. Auch der Kulturbunker und die Ateliers in der Helmkestraße gehören zu den Künstlerorten in Hainholz. Sowie vor etwa einem Jahr schließlich die neuen Ateliers in der Schulenburger Landstraße 152. Für die Künstlerin Monika Neveling Grund genug, im Rahmen des Kultursommers Hainholz erstmals größere Zusammenhänge herzustellen. In direkter Nachbarschaft der neuen Ateliers bot sich zudem eine leere Halle für einen gemeinsamen Überblick an. „Kunstmarkthalle“ nennt Neveling das Ausstellungsprojekt.

Ein Wagnis und eine Chance

Das klingt eher nach Schnäppchenparadies als nach Galerie. Passt aber gut zum Ort. Wer sich zwischen Baumärkten, Autowerkstätten und Matratzenoutlets nicht verliert, findet die Kunst am Ende einer langen Einfahrt im ersten Stock. Nichts ist hier schick. Repräsentativ aber eben doch: für die vielschichtige, bunte Gruppe der Hainholzer Kunstschaffenden. Das Projekt ist Wagnis und Chance zugleich. Unkuratiert zeigen Laien ihre Kunst neben Profis. Das einzige verbindende Thema ist die räumliche Nachbarschaft im Stadtteil, die sich in der Ausstellung weiter verdichtet. Nicht nur alle denkbaren Gattungen, Stile und Formate reiben sich hier aneinander. Es sind ganze Schulen und Philosophien.

Zwischen Enthusiasten und Profis

Die Kornbrennerei steht für Lehrende und Absolventen der Kunsthochschule Braunschweig. Siegfried Neuenhausen blickt als ihr Gründer auf eine Karriere zurück, in der zwischen Bundesverdienstkreuz und Preisen für Soziokultur wenig zu fehlen scheint. Dennoch ist ihm ein Projekt wie die „Kunstmarkthalle“ wichtig genug, um dort neue Bilder zu zeigen. Neben etablierten, traditionellen Positionen hat die Kornbrennerei aber mit Nina Peter auch eine junge Künstlerin in ihren Reihen, die ihr Studium bei Candice Breitz und Raimund Kummer gerade abschließt. Sie zeigt die einzige Videoinstallation der Schau.

„Ein bisschen unsortiert“ bringt Neuenhausen den Gesamteindruck in der Halle auf den Punkt. Aber es gibt viel zu entdecken. Ironisch-kryptische Ikonenmalerei von Nicola Saric zum Beispiel. Eine Installation über Flucht und Flüchtigkeit von Sergej Tihomirov. Streng konzeptionelle Malerei von Wolfgang Steidele. Oder die Figurenstudien von Eric Pina, der in Mulhouse und Dakar Kunst studierte. Changierend zwischen Individuum und Gruppe, großformatigen Zeichnungen und kleinformatigen Skulpturen, fassen sie ungewollt den Gang durch eine Ausstellung zusammen, die nur schwer als Ganzes zu lesen ist und doch ihren Reiz in Widersprüchen entfaltet.

Eine Ausstellung in der Ausstellung

Am Ende der Halle treiben dies einige Künstler aus den neuen Ateliers auf die Spitze. Sie haben eine Ausstellung in der Ausstellung gebaut, sondern sich ab im kollektiven Environment ihrer „Sonderschau: Gesunder Garten“, wie es ein gefundenes Schild über dem Eingang ankündigt. Ihr Wortführer ist Christian Riebe, der vor einigen Jahren mit der kulturrevolutionären Gruppe „Local Fist“ eine Auseinandersetzung mit „postkapitalistischer Alltagskultur“ begann. „Das einfache Bilderaufhängen ist ja auch eine traurige Beschäftigung“, sagt er über die „Sonderschau“, einen Raum mit geschlossenem visuellem Konzept in Graustufen.

Wildes Durcheinander

Arbeiten der Druckgrafiker Thomas Wahle, Christoph Sander und Martin Grobecker korrespondieren hier mit von Anton Riebe inszenierten Fundstücken aus der Hainholzer Zivilisation und einer Auswahl an „Radikalem Design“ des Berliner „Local-Fist“-Gastes Malte Hückstedt. Christian Riebe selbst zeigt seine Installation „Die Eroberung der Quellen“, die mit Assoziationen an eine Gedenkstätte spielt, dabei jedoch eine fremde, fiktive Geschichte zu konstruieren scheint.

Wer das wilde Durcheinander der „Kunstmarkthalle“ aushält, wird mit einer Reise durch alle Facetten zeitgenössischer Kunst belohnt.

Von Thomas Kaestle

Veranstaltungstipp

Die „ Kunstmarkthalle“ in der Schulenburger Landstraße 150 ist bis zum 10. September sonnabends von 15 bis 20 und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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