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Aus den Stadtteilen Quartierskonzept bringt neue Ideen für Ricklingen
Hannover Aus den Stadtteilen Quartierskonzept bringt neue Ideen für Ricklingen
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15:00 14.01.2018
Eine Gefahrenstelle aus Sicht vieler Anlieger: Stadtbahngleise und Wallensteinstraße trennen die beiden Ladenzeilen am Butjerbrunnenplatz. Quelle: Schwarzenberger
Ricklingen

Das städtische Konzept „Mein Quartier 2030“ soll, so lautet der städtische Plan, einen umfassenden Blick nach vorn werfen. Jeder Stadtbezirk wird auf sein Potenzial und seine Bedürfnisse hin untersucht; Ricklingen gehört zu den ersten. Die im Mai 2016 gestartete Projektarbeit könnte Chancen eröffnen. Weil im Stadtbezirk diverse Programme laufen oder geplant sind, mit denen sich die Ergebnisse verzahnen ließen. Das trifft unter anderem auf die Sanierungsgebiete Mühlenberg und Oberricklingen zu, aber auch auf die neue Stadtbahnstrecke quer durch Ricklingen in Richtung Hemmingen. Die Idee, solche Großvorhaben, aber auch die alltäglichen Probleme und die guten Seiten in den Wohnvierteln ganzheitlich zu betrachten, hat etwas für sich. Zumal die Stadtverwaltung ein jährliches Monitoring plant, um bestimmte Themen dauerhaft im Fokus zu behalten. Dennoch stößt „Mein Quartier“ auf Skepsis.

Politik muss konkrete Projekt erarbeiten

In den nächsten Monaten veröffentlicht die Verwaltung das Konzept. Die beteiligten Planungsbüros Tollerort und Elbberg aus Hamburg stellten jüngst dem Bezirksrat Ricklingen zunächst die vorläufigen Ergebnisse vor. Der Stadt geht es bei dem Konzept vorwiegend um Ideen, aber es gibt kein Budget für eine Umsetzung. „Es liegt dann an der Politik, aus den erarbeiteten Handlungsfeldern konkrete Projekte zu machen“, betonte Juliane Schonauer, Sachgebietsleiterin für Stadterneuerung. Handlungsfelder sind solche Themen, denen sich Politik und Stadt aus Sicht der Planungsbüros in den kommenden Jahren widmen könnten. Zum Beispiel sozialer Wohnungsbau.

„Es geht um zukunftsfähige Wohnformen und Förderung von Geschosswohnungsbau“, erläuterte Mone Böcker von Tollerort. Beides sei für Ricklingen so wichtig wie die energetische Sanierung alter Häuser. Letzteres ist vor allem auf die älteren Einfamilien- sowie Reihenhäuser in Oberricklingen gemünzt, wo die Stadt derzeit über ein Förderprogramm für Eigenheimbesitzer nachdenkt (der Stadt-Anzeiger berichtete). Weitere Themenfelder: das Entschärfen von Verkehrsbelastungen; die Schaffung neuer Verkehrsbeziehungen zwischen den Stadtteilen – auch für Fußgänger und Radfahrer; bessere Erreichbarkeit von Erholungsgebieten; Ausbau von Schulen und Kitas sowie eine umfassende Sanierung des Stadtteilzentrums Ricklingen; die Stärkung des Einzelhandels – den Fokus setzten die Planer vor allem auf die Entwicklung der Göttinger Chaussee.

Viele alte Probleme aufgegriffen

Exakte Planungsschritte, wie alle diese Handlungsfelder umgesetzt werden können, sind von den Planungsbüros nicht zu erwarten. Das war auch nicht ihr Auftrag. Sie liefern der Stadt eine fundierte Übersicht dessen, was angepackt werden sollte. Vieles ist nicht neu – in der jüngeren Vergangenheit gab es schon Beteiligungsverfahren zu wirtschaftlich wichtigen Zonen wie dem Wettberger Ortskern oder der Göttinger Chaussee sowie zum Sanierungsgebiet Mühlenberg. Passiert war danach wenig; Ähnliches befürchten manche Anwohner auch jetzt. Dennoch hatten sich viele Bürger bei den vorbereitenden Workshops zu „Mein Quartier Ricklingen” im vorigen Jahr beteiligt. Wie der Oberricklinger Winfried Dahn. Er warb für Neuerungen am Butjerbrunnenplatz.

Dort sind eigentlich zusammenhängende Ladenzeilen durch Stadtbahngleise und die Wallensteinstraße getrennt; seit kurzem müssen Autofahrer zudem einen Umweg über den Platz und an der Kita St. Lucia vorbei zum Parkplatz der Kirchengemeinde St. Thomas nehmen. Immer wieder kritisierten Anwohner und andere Anlieger die Verkehrslage vor Ort. Immerhin: Die Planungsbüros schlagen vor, den Platz aus Sicherheitsaspekten genauer in den Blick zu nehmen. Doch Anwohner Dahn zeigt sich enttäuscht, weil konkrete Ergebnisse auch eineinhalb Jahren nach dem ersten Workshop nicht vorliegen. Und weil es bisher kein Anzeichen dafür gibt, dass sich etwa im Zuge des anstehenden Sanierungsprogramms für Oberricklingen am Platz etwas ändern wird. „Die Bürger werden zwar beteiligt“, sagte Dahn. Aber sie würden nicht richtig ernstgenommen. So empfinde er es jedenfalls.

Von Marcel Schwarzenberger