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Aus den Stadtteilen Stadtteilzentrum und ARV feiern Jubiläum
Hannover Aus den Stadtteilen Stadtteilzentrum und ARV feiern Jubiläum
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02:15 12.06.2017
Quelle: Schwarzenberger
Ricklingen

Es gibt Originale im Stadtteil, die bleiben auch Jahrzehnte nach ihrem Tod unvergessen. Horst Schweimler und Fritz Haake zum Beispiel. Beide bekommen in der Ricklingen-Revue „Was war, ist nicht vorbei!“ neues Leben eingehaucht – inszeniert vom Ricklinger Regisseur Hans Zimmer und gespielt von der Ricklinger Bühne 93. Und aufgeführt im Ricklinger Stadtteilzentrum, das an diesem Freitagabend sowohl die Revue-Premiere als auch seinen 50. Geburtstag erlebt. Es feiern mit: das Ko-Geburtstagskind Arbeitsgemeinschaft Ricklinger Vereine (ARV) und Hunderte Jubiläumsgäste.

Das Ensemble zündet ein zweistündiges Feuerwerk aus Anekdoten, Geschichten und Erinnerungen. Die reichen über sechs Jahrzehnte bis zur Gründung der ARV zurück. „Ich brauche einen Saal für meine Euterpe“, ruft Fritz Haake (Jens-Uwe Korte). Der Gesangverein solle sein Hundertjähriges schließlich zünftig feiern können; das Borchers sei zu klein, andere Lokale seien zu alt oder gar schon verschwunden. Der Stadtteilchronist Schweimler (Hajo Günther), seit 1955 Herausgeber der Ricklinger Monatspost, wirbt für einen Veranstaltungssaal; Hannovers Kulturdezernent Heinz Lauenroth (Ellen Nagel) freut sich auf ein Freizeitheim – und – zack, bumm – zieht die Stadt den Neubau in die Höhe. Begleitet von Beatles-Musik und Operettenklängen. Und Unkenrufen aus der Stadtpolitik zum Trotz, die die Geburt eines „Kulturpalasts östlicher Prägung“ befürchten. Aber nichts liegt den Gründervätern des Hauses ferner als die Schaffung einer kommunistischen Kaderschmiede. Sie wollen bunte Vielfalt.

Am vergangenen Freitag hat das Ricklinger Stadtteilzentrum gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Ricklinger Vereine seinen 50. Geburtstag gefeiert. Die Ricklinger Bühne 93 bot den Gästen eine Revue unter dem Titel "Was war, ist nicht vorbei!" mit allerhand Anekdoten, Geschichten und Erinnerungen.

Im Saal weiß das Publikum, das ein zähes Ringen nötig war, bis das neue Herz Ricklingens 1967 endlich stand. Die feine Ironie und der satirische Rückblick der Bühne 93 auf die Ereignisse sorgen völlig zu Recht für Szenenapplaus. Mit viel Charme verwebt Regisseur Zimmer witzige Dialoge voller Anspielungen auf Ricklinger Geschichten mit lehrreichen Rückblenden. Von lokalen Künstlern ist die Rede. Von lebendigen wie Ulrike Enders, die das Geschehen schmunzelnd verfolgt, und toten wie W.P. Eberhard Eggers. Aber auch von Berühmtheiten wie dem Bildhauer Fritz Koenig. Seine Bronzeplastik „Große gerahmte Figuren“ steht neben dem Stadtteilzentrum. Und von seiner Hand stammt auch die Bronze „The Sphere“ – sie wurde einst neben dem World Trade Center in New York aufgestellt und ist heute Teil eines Denkmals für den Terroranschlag vom 11. September 2001.

Die Garderobendame Else (Barbara Weigelin) entpuppt sich als eine herrlich charmante Führerin durch das Haus und seine bewegte Geschichte. Das Publikum schwelgt in Erinnertem und Erlebtem, flüsternd werden Anspielungen aufgelöst und es wird laut über treffsichere Pointen gelacht. Über den viel diskutierten Schünemannplatz etwa, den alten Bauern Grono und seinen Ritt in den Wrampenhof oder die Inszenierung des unvergesslichen Schlagers „Ein Streichholz zündet ganze Nächte an“ des ebenso unvergessenen Wolf-Georg Evers. Ein herrlicher Running-Gag ist das Mutter-Sohn-Paar, gespielt von Vanessa Meyer und Sean Palm, dessen Suche nach sinnvoller Freizeitgestaltung durch das üppige Programmangebot im Haus führt. „Ich habe die Botschaft verstanden“, sagt Oberbürgermeister Stefan Schostok nach der Premiere. „Das Haus soll weitere 50 Jahre bleiben.“ Er entlässt das Publikum mit einem dezenten Versprechen: Im Rathaus wird man über eine Sanierung nachdenken. In diesem Fall hätten die Ricklinger mit ihrer berühmten Hartnäckigkeit wieder einmal Erfolg gehabt.

Haus voller Geschichte

Die Gaststätte Borchers (heute: Ricklinger Bierquelle) war Heimstatt des Männergesangsvereins Euterpe. 1957 schaute Vorsitzender Fritz Haake mit Bangen auf den 100. Geburtstag seines Vereins gut acht Jahre später. Es fehlte an einem Veranstaltungssaal in Ricklingen. Viele Vereine sahen das auch so; und auf Initiative von Haake, dem Herausgeber Horst Schweimler und der Ratsherrin Lore Henkel – sie verstarb erst vor wenigen Wochen – entstand die Arbeitsgemeinschaft Ricklinger Vereine (ARV). 35 Clubs schlossen sich zusammen und betrieben entschlossene Lobbyarbeit. Sie gewannen Bürger, Prominente und maßgebliche Politiker wie den Oberbürgermeister August Holweg und Kulturdezernenten Heinz Lauenroth. Es war von Vorteil, dass die beiden Letzteren auch in Ricklingen wohnten. Zudem hatte man das Freizeitheim Linden, 1961 als bundesweit erste Einrichtung dieser Art eröffnet, vor Augen.

Haake stellte ein Baugrundstück am Ricklinger Stadtweg zur Verfügung; 1965 gab es ein erstes Modell des geplanten Neubaus und 1966 wurde der Grundstein gelegt. Die Eröffnung am 19. Mai 1967 wurde prominent besucht: Außenminister Willy Brandt nahm die Festsuppe voller Genuss gemeinsam mit zahlreichen Gästen ein. Die ARV benannte den großen Saal nach dem wenige Jahre zuvor verstorbenen Haake. Die Gemeinschaft sorgt bis heute für lebendige Netzwerke Veranstaltungen wie den Tag der Ricklinger und eine äußerst vielfältige Vereinsstruktur. Das Freizeitheim erlebte unter seinem langjährigen Leiter Hartmut Herbst eine Entwicklung vom lokalen Treffpunkt zu einem Stadtteilzentrum, das auch überregional für Veranstaltungen und Tagungen gebucht wird. „Stadtteilzentrum Ricklingen“ heißt das Haus denn auch seit vorigem Jahr.

Von Marcel Schwarzenberger

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