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Schallplatten kehren nach Hannover zurück
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Zentrum für jüdische Musik Schallplatten kehren nach Hannover zurück

Man sieht ihnen an, dass sie eine Odyssee hinter sich haben. Fast acht Jahrzehnte lang waren die rund 40 Schellackplatten, die in drei abgegriffenen Alben stecken, unterwegs. Nun sind die Platten des Oberkantors Israel Alter nach Hannover zurückgekehrt.

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Benjamin Z. Maissner (rechts) übergibt Andor Izsák die Platten von Israel Alter.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Ihr Weg führte sie über mehrere Kontinente, sie waren gewissermaßen Treibgut der Geschichte: „Und jetzt sind sie wieder zurückgekehrt“, sagt Andor Izsák, Direktor des Europäischen Zentrums für jüdische Musik. Benjamin Z. Maissner, Kantor der Holy-Blossom-Synagoge in Toronto, hat ihm die historischen Aufnahmen jetzt anvertraut.

Einst gehörten die Platten Maissners Onkel Israel Alter, der zehn Jahre lang Oberkantor an der Synagoge in der Calenberger Neustadt war. Der Tenor war ein Star. In einem Album, das Maissner aus Toronto mitgebracht hat, hat Alter selbst Zeitungsausschnitte gesammelt: Vergilbte Konzertkritiken auf Deutsch, Hebräisch und Englisch. Im Jahr 1930 berichteten New Yorks Zeitungen über die Konzerte des „Oberkantor of Hanover“ in der Carnegie Hall.

Etwa in dieser Zeit entstanden auch die frühesten Plattenaufnahmen Alters: „Einige wurden fast heimlich gemacht - denn bei liturgischen Handlungen sind Aufnahmen eigentlich nicht statthaft“, sagt Izsák. So sang Alter ein Seelengebet für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs - und ließ den Gesang auf Schellackplatte festhalten, abspielbar mit 78 Umdrehungen pro Minute. Teils ist nur eine Seite der alten Platten bespielt.

„Mein Onkel emigrierte 1935“, sagt Maissner. Er floh nach Südafrika, später wurde er Kantor in New York. Seine Plattensammlung nahm er immer mit. Als er 1979 starb, erbte seine Tochter in Tel Aviv diese, und nach deren Tod verwahrte Maissner die Schätze in Toronto. Gestern ist er mit einer Delegation der „American Cantors Assembly“ in die Stadt seines Onkels gekommen. Auch, um an Israel Alter zu erinnern: Heute wollen die US-Kantoren am Ort seiner zerstörten Synagoge ein Seelengebet für den großen Künstler anstimmen. Für den Abend ist ein Konzert mit geladenen Gästen in der Villa Seligmann geplant, in der Izsáks Institut sein Domizil gefunden hat. Dabei soll der Hausherr mit dem „Yuval Award“ der amerikanischen Kantorenvereinigung für seine Verdienste um die jüdische Musik geehrt werden.

Erst vor Kurzem konnte Izsák kostbare Partituren aus dem Nachlass der Schauspielerin Ida Ehre in seine Sammlung aufnehmen: „Ihr Vater war einst Oberkantor in Wien, das Buch ist ein wichtiges Dokument aus der k.-u.-k.-Zeit“, sagt er. Pünktlich zum Besuch Maissners hat Izsák jetzt den dritten und letzten Teil der „Edition Cantor Israel Alter“ veröffentlicht. Die CDs enthalten auch Stücke von jenen Schellackplatten, die der Sänger 1935 aus Hannover mitnahm. „Zuerst wollte ich die Aufnahmen der Hebrew University in Jerusalem überlassen“, sagt Alters Neffe. „Aber sie sollen ihren Platz dort haben, wo sie entstanden sind.“

Am 1. Juli ist Tag der offenen Tür in der Villa Seligmann, Hohenzollernstraße 39: Von 14 bis 17 Uhr gibt es Konzerte und stündlich Führungen. Der Eintritt ist frei, Anmeldungen sind nicht erforderlich.


Louis Lewandowski:  Wehogen   ba’adenu  (Schütze uns)

Schütze uns, lass von uns weichen Hasser, Seuche, Schwert, Hungersnot und Kummer, lass jedes Hindernis weichen vor uns und hinter uns, im Schatten deiner Fittiche birg uns, denn Gott, unser Hüter und Erretter bist du, Gott, ein gnädiger und barmherziger König bist du, behüte unseren Auszug und unsere Heimkehr zum Leben und Frieden von nun an bis in Ewigkeit.

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HAZ-Redakteur/in Simon Benne

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