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Aus den Stadtteilen Schiffchen und Schwarze Kunst
Hannover Aus den Stadtteilen Schiffchen und Schwarze Kunst
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00:19 01.08.2015
Drucker Wolfgang Schmidt (73) druckt Namenskärtchen für Lenja (10), während Schriftsetzer Peter Thiel (61) den nächsten Namen vorbereitet. Quelle: Benjamin Behrens
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Linden-Mitte

„Ganz lange war Linden nur ein kleines Dorf“, sagt Renate Dittscheidt-Bartolosch. Gespannt lauschen die jungen Zuhörer aus der Grundschule am Lindener Markt und der Kita St. Martin den Worten der Vorsitzenden des Vereins, der das Kindermuseum Zinnober betreibt. Die rund 30 Kinder besuchen die aktuelle Ausstellung zur 900-Jahr-Feier. Natürlich wird auch etwas über die Geschichte des im 19. Jahrhundert zur Industriestadt angewachsenen Dorfes vor den Toren Hannovers erzählt. Zuallererst aber ist matschen, schöpfen, weben und mörsern angesagt.

„Die Kinder sollen selber ausprobieren, wir erklären nicht nur“, sagt Dittscheidt-Bartolosch. Auf ihrer Anzughose klebt inzwischen Ton. Nicht weiter wichtig, Hauptsache die Kinder habe ihre Freude. Fünf Mädchen stellen unter ihrer Anleitung wie im Mittelalter Lehmziegel her. Aus einem großen Bottich holen sich die kleinen Handwerker feuchten Ton, gut durchgeknetet wandert er in vorbereitete Holzrahmen. So entstehen sogenannte Kluten, die im Gegensatz zu Ziegeln nicht gebrannt, sondern nur luftgetrocknet werden. „Der Ton fühlt sich schön an auf der Haut“, findet Tjalda. Die Zehnjährige wusste bereits, dass Ziegel so von Hand hergestellt werden - aus einem Kinderbuch über Afrika. „Aber das hier in Linden früher so viel Industrie gewesen ist, war neu für mich“, sagt sie.

Nicht nur Ziegeleien, auch Webereien, Färbereien, Papierhersteller oder Druckereien waren typisch für das damalige Dorf Linden. Lynn sitzt an einem Webstuhl und lässt sich von Museumsmitarbeiterin Christine Haller zeigen, wie ein Teppich hergestellt wird. Nicht einfach, schließlich muss die Neunjährige vier Pedale, die Hebel des Webstuhls und ein Holzstück mit dem zu verwebenden Wollfaden koordinieren. Bald hat sie den Bogen raus. Geschickt lässt sie das Holzstück, Schiffchen genannt, zwischen den gespannten Fäden hindurchgleiten. „Das nennt man das Schiffchen durchschießen“, erklärt Christine Haller. „Gelernt habe ich das bei einer Berufsweberin, als Hobby.“

Gleich neben dem Webstuhl unterrichten Wolfgang Schmidt und Peter Thiel in der „Schwarzen Kunst“, wie sie sagen. Die beiden gehören zum Buchdruck-Museum in der Limmerstraße und haben eine echte Rarität mitgebracht. „Das ist eine Boston-Tiegelpresse, über 80 Jahre alt“ erklärt der gelernte Buchdrucker Schmidt. Der 73-Jährige zieht mehrmals am Hebel der amerikanischen Presse, mit lautem Scheppern dreht sich ein Teller mit Druckerschwärze, Rollen nehmen diese auf und gleiten über Holzbuchstaben, die in einem Metallrahmen eingespannt sind. Lenja drückt den Hebel der Presse kräftig herunter, und die Buchstaben werden auf das gegenüber eingespannte Papier gepresst. Als Andenken kann die Zehnjährige Kärtchen mit ihrem Namen mit nach Hause nehmen. Das auf diese Weise früher ganze Bücher entstanden sind, war neu für sie. „Das wäre mir viel zu aufwendig“, sagt sie. Aber interessant war es trotzdem.

Schriftsetzer Thiel bereitet schon den nächsten Namenszug vor. Routiniert nimmt er einen nach dem anderen der spiegelverkehrten Buchstaben aus dem Setzkasten - die Kinder staunen. „Das Umdenken, macht am Anfang vielleicht Schwierigkeiten, aber da kommt man schnell rein“, sagt der 61-Jährige. Und das wollen die Nachwuchs-Buchdrucker natürlich gleich selbst ausprobieren.

Die Ausstellung ist bis zum 16. Januar 2016 im Museum in der Badenstedter Straße 48 zu sehen - montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Die Werkstattstationen sind an unterschiedlichen Tagen geöffnet; am Sonntag wird ein handwerklicher Schwerpunkt angeboten. Der Eintritt beträgt 4 Euro für Kinder, 5 Euro für Erwachsene (mit Aktivpass 2,50 Euro). Kinder bis drei Jahre oder mit Aktivpass zahlen nichts. Anmeldung und Infos unter Telefon 0511/897 334 66 oder www.kindermuseum-hannover.de.

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