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Schuhladenbesitzer nimmt Farbattacke gelassen

Linden Schuhladenbesitzer nimmt Farbattacke gelassen

Erst Ende Juni hat der Schuhladen „Fuss Stolz“ an der Limmerstraße eröffnet – am Wochenende haben Unbekannte mit schwarzer Farbe eine Botschaft an die Außenwand des Geschäfts geschrieben. „Niemand braucht eure lächerlichen Schuhe“, heißt es dort. Betreiber Adrian Bonev nimmt es gelassen.

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Anzeige wollen Bonev und Geschäftspartner Moledo wegen der Schmiererei an ihrer Außenfassade nicht erstatten.

Quelle: Suppa

Hannover. „Uns war vor der Eröffnung schon klar, dass so etwas passieren wird“. Immer wieder gibt es in Linden Protest gegen die Modernisierung und neue Trends im Stadtteil. Bonev allerdings hat das Gefühl, dass der Vorwurf die Falschen trifft. „Hinter uns steht keine Agentur, kein Architekt, wir haben kein Konzept gekauft, sondern das hier alles selbst aufgebaut“, erzählt der 33-Jährige, der für die Eröffnung des Ladens seinen Job in einer Marketingagentur gekündigt hat.

Sowohl Bonev als auch sein Geschäftspartner David Moledo sammeln selbst begeistert Turnschuhe und hatten es nach eigenen Angaben satt, immer in andere Städte fahren zu müssen, um ausgefallene Sneakermodelle zu kaufen.

Da die beiden Männer seit Jahren am liebsten in Linden unterwegs sind, kam für den Standort des Ladens nur die Limmerstraße infrage. Anzeige wollen Bonev und Geschäftspartner Moledo wegen der Schmiererei an ihrer Außenfassade nicht erstatten.

Die ersten Tage der Eröffnung von „Fuss Stolz“ liefen gut, sagen die Betreiber. Besonders am Samstag, dem Tag nach der Farbattacke, seien viele Kunden da gewesen und hätten aus Trotz etwas gekauft, verrät Bonev.

naw

Kommentar

Das Gespenst der 
Gentrifizierung

Von Conrad von Meding

Und wieder hat es die Falschen getroffen. Im guten Gefühl, für eine richtige Sache zu streiten, haben Unbekannte die Fassade eines Schuhladens an der Limmerstraße besprüht. „Niemand braucht Eure lächerlichen Schuhe“, steht dort jetzt zu lesen. Warum? Wohl deshalb, weil der Laden neu ist, und weil er schick aussieht. Neu, schick – das ist Einigen in Linden zuwider. Und provoziert geschmierte Sprüche. Es ist die Angst vor der gefühlten Gentrifizierung, vor dem Wandel im Stadtteil, mit dem solcher Unfug gerechtfertigt wird. Dumm nur, dass die Akteure zum wiederholten Mal daneben lagen.

So, wie bei dem ehemaligen Fahrradladen an der Limmerstraße, der 2011 besetzt wurde, weil angeblich ein fieser Investor dort abreißen und neu bauen wollte. Doch dieser vermutet kommerzielle Investor war ein Iraner, der seit 35 Jahren in Linden lebt – der Protest traf den falschen. Oder wie bei dem Eisgeschäft, das die Lindenerin Tanja Metz 2012 in der Stephanusstraße eröffnete. Selbsternannte „Schmuddellindener“ hatten ihr die Scheibe eingeworfen, weil ihnen das frisch sanierte Haus zu schick schien. Doch in dem Eiscafé wirtschaftet keine anonyme Schickeria, dort wird Bioeis aus Frischmilch verkauft – keine schlechte Sache, möchte man meinen.

Auch der Schuhladen, den jetzt die Farbschmiererei traf, ist keine Filiale irgendeines internationalen Konzerns: Zwei Freunde ungewöhnlicher Turnschuhe haben sich damit einen Geschäftstraum erfüllt (Seite 2). Traurig, wenn denen, die den Stadtteil bereichern wollen, das Leben schwer gemacht wird, nur weil Ewiggestrige Angst vor Veränderungen haben.

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