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Seit 15 Jahren Öko-Strom aus der Leine

Wasserkraftwerk Herrenhausen Seit 15 Jahren Öko-Strom aus der Leine

Es ist wahrscheinlich das nachhaltigste Expo-Projekt. Doch neben der Wasserkunst wird es leicht übersehen. Das Wasserkraftwerk in Herrenhausen liefert seit der Weltausstellung sauberen Strom aus Wasserkraft.

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Das Wasserkraftwerk Herrenhausen entstand im Zuge der Expo. Rund 10 Millionen Euro hat es gekostet. Heute finanziert sich das Kraftwerk selbst.

Quelle: Moers

Hannover. Auf ihrer Sommertour wagte sich die CDU-Fraktion der Regionsversammlung in das Innere des massiven Baus, dessen Herz unsichtbar unter der Wasseroberfläche pumpt.

„Das hat so etwas von Mittelalter, diese Arbeit“, sinniert Bezirksratsherr Wolfgang Neubauer, während er über die Reling des Wehrs gelehnt zwei Enercity-Arbeiter bei der Arbeit beobachtet. Mit einer Kettensäge, die an einem langen Stock befestigt ist, versuchen sie, sperriges Treibgut im Rechenbecken zu zersägen. Was die riesigen automatischen Harken nicht vor dem Einfluss in die Turbine aus der Leine fischen können, muss per Hand beseitigt werden. „Wir haben schon ganze Treppen, Sofas und alles Mögliche rausgeholt“, berichtet Thomas Schulze. Er leitet bei Enercity die Betriebsführungen und kennt sich aus mit dem Kraftwerk. „Meiner Meinung nach ist es kein schönes Gebäude“, findet er. Wichtig sei es aber allemal. Nicht bloß als Energielieferant, sondern vor allem für den Fischbestand in der Leine.

Bevor die Besucher den Maschinenraum in Herrenhausen betreten dürfen, müssen sie gelbe Ohrenstöpsel einsetzen. Über eine gewundene Gittertreppe geht es runter zu den blau-gelb lackierten Turbinen. Mit ihren zwei Meter großen Schaufeln ähneln sie einer Schiffschraube. Sichtbar ist ihr Innenleben allerdings nur im Modell im ruhigen Multifunktionsraum darüber. Dort liegen auch noch einige Info-Broschüren aus Expo-Tagen. Außer ein paar Besuchergruppen kommt hier selten jemand her. Nur, wenn wieder ein Bettkasten angeschwemmt wird, muss ein Mitarbeiter herfahren. „Der gesamte Betrieb läuft automatisiert. Hier lässt sich per Hand auch kaum etwas machen“, erzählt Schulz vor einem spartanisch mit einer Handvoll Knöpfen und Leuchten bestückten Steuerschrank. „Die gesamte Steuerung geschieht in der Leitstelle in Herrenhausen“, erklärt er.

Das Wirkprinzip der Anlage ist denkbar einfach. Über zwei große und drei kleinere Wehre wird der Wasserstand der Leine vor und hinter dem Kraftwerk reguliert. Das Wasserkraftwerk nutzt das Gefälle (2,50 Meter) zur Energiegewinnung aus. Seine beiden „Kaplan-Rohrturbinen“ funktionieren im Grunde wie Mühlräder, die einen Generator antreiben. Rein rechnerisch kann das 2001 als Expo-Beitrag der Stadtwerke gebaute Kraftwerk zwischen 1400 und 1850 durchschnittliche Haushalte mit Strom versorgen. Die 0,97 Megawatt sind zwar nur ein Bruchteil der 255, die im Lindener Kraftwerk produziert werden können, doch dafür stammen sie aus einer regenerativen Energiequelle. Wasserkraft aus der Leine wird schon seit 1922 zur Stromgewinnung genutzt. Bis heute arbeitet in dem ersten Kraftwerk „Am Schnellen Graben“ ein Generator aus den Dreißigerjahren, beinahe ohne Unterlass.

Nach dem Ausflug ins Innere geht es auf die Westseite des Baus. Ohne die dort verlaufende, 95 Meter lange Fischtreppe gäbe es in Linden keine Fische in der Leine. „Vor dem Bau des Kraftwerks versperrte das Wehr den Fischen den Rückweg“, weiß Schulz. Heute überwinden Aale, Hechte, Neunaugen, Lachse und Bachforellen die 3,25 Meter Höhenunterschied über 25 Stufen. Bis zu tausend sind es täglich in den Hauptwanderzeiten. Enge Kämme in den Rechen der Anlage sorgen außerdem dafür, dass kein verirrter Fisch in die Turbinen gerät. Und obwohl die Vorzüge der vollautomatischen Vorzeige-Stromanlage nicht von der Hand zu weisen sind, bleibt der umweltpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christoph Loskant, am Ende skeptisch, ob seine Fraktion so einen Bau heute befürworten würde. „Es ist ja doch ein gewaltiger Eingriff in die Natur“, findet er, während er interessiert die Fischtreppe abläuft.

Enercity bietet für Gruppen ab einer Größe von zehn Personen Führungen durch das Wasserkraftwerk Herrenhausen und andere Kraftwerke an. Interessenten erreichen den Besucherservice unter Telefon 4302607.

Von Mario Moers

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