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Skepsis beim Windkraftprojekt überwiegt

Anderten Skepsis beim Windkraftprojekt überwiegt

Klaus Dickneite, Bezirksbürgermeister von Misburg-Anderten, bleibt skeptisch. „Die Stadtwerke wollen uns für ihr Windkraftprojekt begeistern", sagte er bei der Bürgerinformation im Schützenhaus Anderten. "Ob das gelingt, werden wir sehen."

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Drei Windräder stehen derzeit am Kronsberg, die Bestandsschutz genießen. Wenn die Förderung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ausläuft, sind sie für die Betreiber aber nicht mehr rentabel und werden möglicherweise abgebaut.

Quelle: Link

Anderten. Immerhin knapp 70 Einwohner hatten sich eingefunden, bei einem Ortstermin zuvor am Nordrand des Kronsberges waren es schon rund 30 gewesen. In Sachen Überzeugungsarbeit geben sich die Stadtwerke wirklich Mühe. Beim Ortstermin etwa hatten sie einen Spezialisten dabei, der trotz Windflaute zwei Drachen bis in 200 Meter Höhe aufsteigen ließ - bis zu dem Punkt also, den die Rotoren der Windräder erreichen, wenn sie aufgestellt werden. „Das sind doch niemals 200 Meter“, sagte einer der Bürger.

Derartige Zweifel zogen sich durch die gesamte Veranstaltung. So war im vergangenen Jahr vom Februar bis zum Spätsommer der Vogelbestand in dem Dreieck zwischen dem Kronsberg, dem Waldgebiet Gaim und der Wohnbebauung von Bemerode und Anderten gezählt worden. Ergebnis der Gutachter von der Planungsgruppe Grün: 63 Vogelarten brüten dort. Die Windräder würden sich aber weder auf diese noch auf Rastvögel nachteilig auswirken. „Ich bin seit 1970 Tag für Tag im Revier. Dort gibt es Rotmilane, Wiesenweihen und jede Menge Lerchen. Wenn die Herren Gutachter nur am Schreibtisch sitzen, dann sehen sie so etwas nicht“, sagte der Anderter Karl-Heinz Scheibe. „Wenn in diesem Gebiet Windräder aufstellt werden, ist das ein Verbrechen an der Natur.“ Andere Besucher befürchteten Beeinträchtigungen durch Schall.

Einigen Unmut im Publikum rief Patrick Drenske, Ratsherr der Grünen, hervor. Weil der CDU-Bezirksratsherr Mike Weidemann es gewagt hatte, gültige Abstandsregelungen für Windräder zur Wohnbebauung zu hinterfragen, belehrte ihn Drenske über das Wesen der und die Voraussetzungen für die Energiewende in Deutschland an sich. Dafür gab es sogar einige Buhrufe aus dem Publikum, das keine Lust auf Politikscharmützel hatte, sondern Fragen stellen und Antworten hören wollte.

Bleibt als Resümee: Die von Dickneite erwähnte Begeisterung für die Windräder am Kronsberg war nicht zu entdecken; es überwogen Skepsis und Abneigung.

Windkraft am Kronsberg – Fragen und Antworten

Was planen die Stadtwerke?

Sie wollen auf einem städtischen Grundstück im nördlichen Bereich des Kronsbergs zwei Rotoren von je 200 Meter Höhe errichten. Die Fläche liegt ganz im Süden des Anderter Gebietes im Dreieck zwischen dem Waldgebiet Gaim, dem Kronsberg und der Wohnbebauung von Anderten und Bemerode. Die Investitionskosten liegen bei 10 Millionen Euro. Rechnerisch können die Anlagen 6000 Haushalte mit Windstrom beliefern.

Warum 200 Meter?

Je höher es geht, desto größer ist die Stromausbeute, weil der Wind weiter oben häufiger und stetiger bläst. Wann soll gebaut werden? Die Stadtwerke hoffen auf eine Genehmigung noch in diesem Jahr und wollen die Rotoren im Sommer 2016 ans Netz nehmen. Dieser Zeitplan dürfte sich nach derzeitigem Verfahrensstand aber nicht halten lassen.

Warum wollen die Stadtwerke dort bauen?

Generell geht es um Klimaschutzziele. Außerdem heißt es, Hannovers Stadtgebiet müsse einen Beitrag zum Ausbau der Windenergie in der Region leisten. Andere Standorte sind geprüft worden, kommen aber zumindest kurzfristig nicht infrage.

Wird eine Gesetzeslücke ausgenutzt?

Keine Gesetzeslücke, aber eine im Planungsrecht. Die Region legt in ihrem Raumordnungsprogramm sogenannte Vorrangstandorte für Windenergie fest. Es gibt aber derzeit kein gültiges, weil das bestehende Ende 2014 ausgelaufen und das neue noch nicht beschlossen worden ist. Bis es – möglicherweise erst 2017 – so weit ist, spielt die Raumordnung für das Genehmigungsverfahren keine Rolle. Maßgebend sind zwei Dinge: Die Stadtwerke müssen Auflagen etwa zum Natur- und zum Schallschutz einhalten, was wiederum von der Region geprüft und gegebenenfalls genehmigt wird. Auch die hannoversche Ratspolitik spielt eine entscheidende Rolle. Damit am Kronsberg weitere Windräder stehen dürfen, müsste sie einen Ratsbeschluss aufheben, der derzeit genau dies verhindert.

Warum haben es die Stadtwerke eilig?

Offiziell sagen sie, dass demnächst die Förderung von regenerativen Energien begrenzt wird, was Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Anlagen hätte. Was sie nicht sagen: Die Hängepartie bei der Raumordnung dürfte ihnen nicht ungelegen kommen. Wer sind die Befürworter des Projekts? Natürlich die Stadtwerke selbst, dazu die Stadtverwaltung sowie die Bürgerinitiative Umweltschutz und das Umweltzentrum Hannover – allesamt nennen sie den Klimaschutz.

Wer sind die Gegner?

Vor allem zwei andere Umweltschutzverbände, nämlich der Naturschutzbund (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie führen Vogel- und Fledermausschutz ins Feld. Auch vonseiten der Einwohner waren bisher eher skeptische Stimmen zu vernehmen.

Wer legt sich noch nicht fest?

Ratsmehrheit und Bezirksrat Misburg-Anderten beispielsweise haben sich noch nicht positioniert. Die Regionsverwaltung hatte zunächst Ablehnung geäußert, hält sich aber mittlerweile wegen ihrer Rolle im Genehmigungsverfahren zurück.

Welche Abstandsregelungen gelten?

In Niedersachsen 800 Meter zur Wohnbebauung, was am Kronsberg eingehalten wird. In Bayern beispielsweise sind die Werte höher.

Wie steht es um Flora und Fauna?

Nach einem für das Genehmigungsverfahren erstellten Gutachten wird die Vogelwelt nicht beeinträchtigt. Für die Fledermäuse gilt dies nicht uneingeschränkt. Deshalb wollen die Stadtwerke die Windräder zu bestimmten Zeiten abschalten.

Wird es laut?

Auch der Schallschutz wird berücksichtigt – nachts sollen die Rotoren nur gedrosselt laufen. Eine Sonderrolle spielt der sogenannte Infraschall, dessen Frequenz unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt. Nach herrschender Lehrmeinung ist er ungefährlich und spielt deshalb für Genehmigungsverfahren keine Rolle. Es gibt aber auch Studien, die zu einer anderen Aussage kommen und Infraschall etwa als Urheber von Schlafstörungen und Kopfschmerzen ausmachen.

Und nun?

Für das Genehmigungsverfahren fehlt noch eine Stellungnahme der Deutschen Flugsicherung. Diese dürfte wohl aber erst im Dezember eintrudeln. Erwartet wird, dass die Behörde Einspruch erhebt. Unabhängig davon könnte die Politik endlich sagen, in welche Richtung sie ihren durchaus entscheidenden Einfluss geltend machen will.se

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Streit mit den Stadtwerken: Die Regionsverwaltung fordert verschärfte Vorkehrungen zum Schutz von Fledermäusen, wenn die Stadtwerke am Kronsberg Windräder bauen will.

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