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„Ich komme aus Irak, ich wohne in Hannover“

Linden-Nord „Ich komme aus Irak, ich wohne in Hannover“

Bis Flüchtlinge in Hannover Plätze in Sprachkursen bekommen, dauert es oft Monate. Um dem Mangel kurzfristig zu begegnen, organisieren Ehrenamtliche auf dem Faust-Gelände Einstiegskurse in Eigenregie. Der Kulturverein IIK sucht dringend weitere Unterstützer für die Sprachkurse.

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Beobachtet man die beiden Ehrenamtlichen heute bei ihrem Unterricht, könnte man denken, sie würden das schon seit Jahren praktizieren. 

Quelle: Moers

Hannover. „Mein Name ist Suleman, ich komme aus Irak und wohne in Hannover.“ Der junge Zimmermann aus Bagdad ist etwas nervös, als er der Deutsch-Studentin Alisa Schafferschik seinen ausgefüllten Fragebogen vorliest. In den nächsten Wochen wird Suleman noch unzählige Fragebögen und Formulare ausfüllen müssen. Wenn er den Ämtern seine Situation erklären will, beim Arztbesuch oder bei der Suche nach einer eigenen Wohnung. Die ersten Brocken Deutsch, die er und die anderen Teilnehmer des Sprachkurses hier in der Faust-Warenannahme lernen, sind für die Flüchtlinge von enormer Bedeutung.

An diesem Tag lernen die zehn Männer aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Sudan, sich vorzustellen, ihren Wohnort und ihren Beruf zu beschreiben. „Hassan, bitte nur auf Deutsch erklären!“, ermahnt die zweite Kursleiterin Ingeborg Stüber einen Teilnehmer, freundlich aber bestimmt, nicht auf Arabisch über die Aufgaben zu diskutieren. Eigentlich ist Stüber von Beruf Schauspielerin. Weil sie in der Flüchtlingskrise helfen wollte, meldete sie sich vor einigen Monaten für einen E-Mail-Newsletter des Unterstützerkreises der Unterkunft in der Deisterstraße an. Daraus erfuhr die Lindenerin, dass der Kulturverein Initiative für einen interkulturellen Austausch (IIK) Helfer für ehrenamtliche Sprachkurse sucht. Kurzerhand übernahmen sie und ihre Mitbewohnerin Schafferschik einen Kurs.

„Das war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt die Studentin lächelnd. Im Internet informierten sich die beiden in Eigenregie über Erfolg versprechende Sprachvermittlungskonzepte wie das Thannhauser Modell, nach dem bereits in vielen Unterkünften unterrichtet wird. Bevor sie ihre erste eigene Stunde gaben, schauten die angehenden Kursleiterinnen ein paar Stunden bei einem bereits laufenden Kurs zu. „Eigentlich machen wir das alles auf eigene Faust“, sagt Stüber.

Beobachtet man die beiden Ehrenamtlichen heute bei ihrem Unterricht, könnte man denken, sie würden das schon seit Jahren praktizieren. Die vollen zwei Stunden herrscht in dem improvisierten Unterrichtsraum, wo normalerweise Konzerte und Lesungen stattfinden, eine sehr konzentrierte Atmosphäre. Selbst einfache Aufgaben werden von den Teilnehmern mit einer Achtsamkeit bearbeitet, dass man denken könnte, es ginge gerade darum, einen entscheidenden Test zu bestehen.

„Es ist spannend, dass hier Akademiker zusammen mit einfachen Taxifahrern lernen“, findet Deutsch-Studentin Alisa. Tatsächlich sitzen in ihrem Kurs ein Anästhesist und ein Agraringenieur. Sie kann sich vorstellen, dass es für die arabischen Männer ungewohnt ist, plötzlich von einer jungen Frau unterrichtet zu werden. Probleme damit gab es allerdings noch nie. Manchmal sorgt sich Alisa, dass sie in ihrem Kurs den unterschiedlichen Fähigkeiten der Teilnehmer vielleicht nicht gerecht werden können. Schließlich sind sie und ihre Mitbewohnerin keine ausgebildeten Sprachlehrerinnen.

Der Bedarf ist groß

Die IIK sucht dringend Unterstützer für die Sprachkurse. Der spendenfinanzierte Verein benötigt auch zusätzliche Unterrichtsräume.

Interessenten wenden sich an Lipi Mahjabin Ahmed unter Telefon (0178) 166-1371 oder per E-Mail: info@iik-hannover.de.

Aber darum geht es auch nicht. „Jeder Sprachkurs ist wichtig und hilft“, sagt Lipi Mahjabin Ahmed, die Hauptorganisatorin der Kurse. Der Kulturverein IIK auf dem Faust-Gelände beschäftigt sich bereits seit 1989 mit Migranten- und Flüchtlingsarbeit in Hannover. Bei Besuchen in den Turnhallen-Notunterkünften, etwa in der Fröbelstraße, hat Mahjabin Ahmed den akuten Mangel an Sprachangeboten festgestellt. Inzwischen finden in der Warenannahme an fünf Tagen in der Woche Kurse statt. Einen großen Teil übernehmen freiwillige Helfer. „Die Arbeit mit den Ehrenamtlichen ist gut, aber nicht optimal“, sagt die Organisatorin. Aktuell bemüht sich der Verein, Unterrichtsmaterialien zu besorgen und weitere Sprachlehrer zu interessieren. Die IIK vermittelt auch Flüchlingspatenschaften zu Bewohnern, vorwiegend aus den Lindener Unterkünften. „Wir suchen Lehrer und Ehemalige, vielleicht auch Rentner die etwas Erfahrung und Zeit haben.“

Alisa Schafferschik und Ingeborg Stüber haben die Erfahrung gemacht, dass Vorkenntnisse in der Sprachvermittlung keine notwendige Voraussetzung für die Mithilfe bei den Sprachkursen sind. Die Lehrinhalte in den Einstiegskursen sind so einfach, dass sie auch von bemühten Autodidakten vermittelt werden können. Schafferschik und Stüber planen ihren Unterricht am Wohnzimmertisch. Dieses Mal besprechen sie sich nach dem Kurs noch mit Mahjabin Ahmed im Café nebenan. Im November können sie ihren Kurs nicht weitermachen, berufliche Verpflichtungen warten. Beide hoffen, dass sich bis dahin andere Freiwillige gefunden haben, die ihre Schützlinge übernehmen. „Der Bedarf ist riesig“, konstatiert Mahjabin Ahmed.

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