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Aus den Stadtteilen Vielfalt, die beeindruckt
Hannover Aus den Stadtteilen Vielfalt, die beeindruckt
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14:37 17.08.2015
Hans-Heiner Schlesier (rechter Bildrand) erklärt die Eigenheiten der Wohnanlagen „Vier“ in der Günter-Wagner- Allee. Quelle: Christian Link
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Das dürfte allerdings nicht immer möglich sein, denn der klare Publikumsliebling – die Bothfelder Grasdachsiedlung – passt kaum zum rasant steigenden Wohnungsbedarf in Hannover.

Die Stadtplaner Ulrike Hoff und Hans-Heiner Schlesier reisten mit fast 50 Interessierten durch Pelikanviertel, Lister Blick, Lenbachhöfe, Grasdachsiedlung, Steinbruchsfeld und Roderbruch. Von der Hochhaussiedlung über luxuriöse Apartmenthäuser bis zu idyllischen Reihenhäusern im Grünen zeigten die Verwaltungsmitarbeiter also fast alle Wohnformen, die die Stadt zu bieten hat.

Die erste Station der Rundfahrt war das 60 Millionen Euro teure Bauprojekt „Vier“ in der Günter-Wagner-Allee. Die ungewöhnliche Architektur der acht Hochhäuser wurde von den Teilnehmern ausgiebig gelobt, viele fühlten sich an die Hamburger Hafencity erinnert. Der geringe Gebäudeabstand – in Fachkreisen offene Blockrandbebauung genannt – stieß jedoch auf Skepsis. „Es ist nicht jedermanns Sache hier zu wohnen, aber eine Stadt mit 500 000 Einwohner braucht ambitionierte Projekte“, entgegnete Schlesier den Kritikern. In anderen Städten sei das Wohnhochhaus wieder „unglaublich en vogue“, in Hannover aber leider eher verpönt. „Ich bin froh, dass Gundlach diesen Versuch gewagt hat“, sagte der Stadtentwickler. Das Reihenhausviertel Lister Blick mit seiner markanten Gracht und Nähe zum Mittellandkanal kam bei den Teilnehmern durchweg gut an. Die Lenbachhöfe ernteten schon beim Aussteigen aus dem Bus großes Lob für ihre bunten Farbstreifen, die die Ziegelfassaden freundlich auflockern. Die Nähe zur vielbefahrenen Klingerstraße trübte jedoch ein bisschen den Eindruck. „Von dem Lärm hören wir überhaupt nichts“, meinte dagegen ein Reihenhausbewohner, der zufällig auf die Besuchergruppe stieß. „Es ist alles neu, alles schön und die Lage ist einfach fantastisch“, bewertete der Neubürger sein Quartier, in dem er erst seit wenigen Wochen wohnt.

Keine zwei Meinungen gab es zur Bothfelder Grasdachsiedlung. „Es war damals schon Wahnsinn und es ist einfach toll, wie sich das entwickelt hat“, meinte eine Teilnehmerin, die kurz nach Bauende in den Achtzigerjahren schon einmal das Viertel besichtigt hatte. Auch Schlesier lobte die erste Ökosiedlung der Stadt: „Das ist ein angejahrter Versuch, der heute noch so frisch ist wie am ersten Tag.“ Bei so viel kollektiver Begeisterung stellten einige Bürger die Frage, warum die Grasdachsiedlung trotz ihres Erfolgs bislang einzigartig in Hannover geblieben ist. Selbst die Stadtentwickler hatten darauf keine Antwort. Bundesweit habe es jedoch mehrere Nachfolgeprojekte für dieses „spannende Experiment“ gegeben, sagte Schlesier. Auf das Stadtgebiet habe die Ökosiedlung ebenfalls nachhaltig gewirkt: „Das Thema Dachbegrünung wurde dadurch viel natürlich angenommen und ist heute relativ selbstverständlich.“

Aufgrund des steigenden Wohnungsbedarfs in Hannover, geht der Trend selbst in den äußeren Stadtteilen zum Geschosswohnungsbau. Im Misburger Steinbruchsfeld baut die Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz derzeit 113 Mietwohnungen. „Die Wohnungen sind qualitativ sehr hochwertig, liegen aber deutlich unter den Preisen, die ansonsten im Stadtgebiet verlangt werden“, bemerkte Hoff zum Baugebiet. Die Nachfrage sei dementsprechend groß: „Die Genossenschaft hat schon Mietverträge für Wohnungen abgeschlossen, die erst in eineinhalb Jahren fertiggestellt werden.“ Dabei standen die Reihen- und Doppelhäuser der Firma Daidalos lange Zeit noch ganz allein auf weiter Flur im Steinbruchsfeld. „Jetzt ist die Nachfrage nach Geschosswohnungsbau in der Stadt angesprungen, weshalb wir froh sind, dass wir diese Flächen haben“, sagte die Stadtplanerin. Zudem würden auf dem nächsten Baufeld acht Stadtvillen entstehen und ein Nahversorger sei im Steinbruchsfeld ebenfalls geplant. „Wenn alles gut geht, ist hier in fünf Jahren ein komplett neues Stadtviertel entstanden“, sagte Hoff.

Zum Abschluss zeigten die Stadtentwickler auch noch den Roderbruch, den einige Teilnehmer bislang nur vom Hörensagen kannten. „Ich bin noch nie hier gewesen und positiv überrascht“, sagte eine Mitreisende. Statt purer Hochhauseinöde zeigten die Stadtplaner auch die angenehmeren Ecken der Großwohnsiedlung aus den Sechzigerjahren. Zum Umzug in das Viertel dürften sie dennoch niemanden bewegt haben. „Die Architektur ist nicht schlecht, aber wohnen möchte ich hier nicht“, brachte Beate Hein aus Hemmingen die vorherrschende Meinung der Teilnehmer auf den Punkt. „Es war spannend und informativ“, lobte Hein anschließend die Bustour. Sie habe nicht damit gerechnet, dass in Hannover noch so viel gebaut werden kann. „Ich bin überrascht, denn eigentlich ist die Stadt doch schon voll“, sagte sie.

Ein wenig Kritik müssen sich die Stadtplaner auch gefallen lassen. Fritz P. aus Lehrte, der zusammen mit seiner Frau im Bus saß, lobte die Tour zwar grundsätzlich. Allerdings wünschte er sich noch mehr Bürgerbeteiligung. „Wir haben derzeit ein Haus mit Grundstück, würden uns aber gerne verkleinern und nach Hannover ziehen“, erklärte er. Wie sein künftiges Wohnquartier aussehen soll, will er am liebsten selbst mitbestimmen, doch hier gerate der Stadtdialog an seine Grenzen: „Leider wurde uns kein Baugebiet gezeigt, wo wir als Bürger wirklich an der Planung teilnehmen können.“ Die Ergebnisse der vier Bustouren und Innenstadtspaziergänge, die im Rahmen des Stadtdialogs 2030 durchgeführt wurden, werden derzeit vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung ausgewertet. Die Rückmeldungen der Teilnehmer erfolgte über Fragebögen, in denen die Bürger die Wohnqualitäten der vorgestellten Quartiere bewerten konnten.

Christian Link

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