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Streit um das Waldschlösschen

Ricklingen Streit um das Waldschlösschen

Ein Investor will das Gebäude im Frühjahr 2016 als Hostel neu eröffnen – bekommt aber wenig Rückhalt in der Stadtverwaltung. Die Vision ist da: „Ich will im Mai eröffnen“, sagt der Wettberger Investor, der das Ricklinger Waldschlösschen vor vier Monaten gekauft hat.

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Das Waldschlösschen in Ricklingen.

Ricklingen. Rucksackreisende und Restaurantbesucher sollen das alte Idyll im Ricklinger Holz mit Leben füllen. Aber es gibt auch Skepsis und im Augenblick - so sieht es der Investor - wenig Rückhalt bei der Stadtverwaltung. Sie lege ihm „ganze Brocken“ in den Weg, sagt der Mann, der seinen Namen und Gesicht lieber noch nicht öffentlich machen will. Seinen Streit mit dem städtischen Bauordnungsamt macht er aber durchaus publik.

Lange Zeit habe die Vorbesitzerfamilie noch Räume im Waldschlösschen genutzt, sagt der Investor. So richtig stillgelegt sei das Hotelrestaurant erst seit gut acht Jahren. „Und eine Ruine ist es auch nicht, da muss gar nicht so viel gemacht werden.“ Es gebe keinen Schimmel, keine riesigen Bauschäden. Allerdings Lecks im Dach, Risse an den Wänden und gut 30 Quadratmeter beschädigtes Eichenparkett im alten Tanzsaal. Der stammt noch aus der Bauzeit um 1895, ganze Generationen von Ricklingern haben dort geheiratet, gefeiert, Familienfeste begangen. Die verwinkelten Treppen - es geht mal fünf Stufen hinauf und wieder fünf Stufen hinab, um in andere Hausbereiche zu kommen - trennen die Gastronomie vom Hotel. Rot gemusterte Tapeten und wie aus der Zeit gefallene Zimmer sind dort zu sehen. Eine Herausforderung für die Brandschutzordnung. Das ist eines der Themen, mit dem sich der Wettberger befassen muss. Eine Begehung durch die Feuerwehr gab es. Mit einigen Umbauten und gesicherten Fluchtwegen sei das alles bald kein Problem mehr, sagt er. Auch das Übrige lasse sich recht einfach renovieren.

Der Streit mit der Stadtverwaltung entzündete sich an der Frage, ob der Investor, der eine sechsstellige Summe investiert, sein Hotelrestaurant überhaupt eröffnen darf. Er plant einen neuen Tresen im Foyer, dazu zwei Clubräume und will die einstige Hoteletage als Hostel für vorwiegend junge Kundschaft eröffnen. Für Reisende, die wenig Ansprüche an ihre Unterkunft stellen; preiswert und gut erreichbar müssen sie sein. Mit dem geplanten Hochbahnsteig gleich nebenan am Ricklinger Friedhof wäre auch diese Frage gelöst. Allerdings wird die Stadt den Betrieb vorerst nicht erlauben. Aus ihrer Sicht ist der Bestandsschutz für das Hotelrestaurant durch die jahrelange Nicht-Nutzung erloschen. Der Investor müsste einen Bauantrag stellen und den Betrieb neu beantragen. Und ob die Erlaubnis kommt, ist völlig unklar. „Was uns vorliegt, ist ein negativer Bauvorbescheid“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers.

Der Wettberger hat inzwischen einen neuen Bauantrag gestellt, und er findet nach Gesprächen mit seinem Anwalt, dass der Bestandsschutz durchaus noch gegeben ist. Die Schreiben des Bauordnungsamtes und seine Antworten darauf hängt der Investor inzwischen an die Tür des Waldschlösschens und postet sie bei Facebook. Weil er das Amt nicht versteht. „Ich fühle mich blockiert“, sagt er.

Der heutige Pensionär war früher in der Baubranche tätig. Mit eigenem Geld will er das Waldschlösschen neu beleben. Die Stadt selbst hält sich mit Verweis auf ein laufendes Verfahren noch bedeckt und sagt auch wenig dazu, ob es überhaupt Chancen für eine Betriebserlaubnis gibt.

Bezirksbürgermeister Andreas Markurth wünscht sich ein rasches Vorgehen der Stadt. Es sei für niemanden gut, wenn sich die Entscheidung über Betrieb oder Nichtbetrieb lange hinauszögere. Markurth ist skeptisch, ob das Hotelrestaurant funktioniert, so mitten im Landschaftsschutzgebiet. Da seien auch Fragen nach Parkplätzen und Zuwegungen zu beantworten. „Da gibt es für die Stadt womöglich wenig Entscheidungsspielraum.“ Das Gebäude selbst habe vielleicht Bestandsschutz. „Für die Nutzung als Hotelrestaurant gibt es diesen Schutz aber offensichtlich nicht.“ Und ohne diese Erlaubnis nütze dem Investor das Gebäude kaum. Am Ende komme es womöglich so, dass die Stadt doch das Haus kauft und verwertet. Was auch den Abriss einschließen kann. Nach solchen Alternativen hatte der Bezirksrat Ricklingen im Mai die Stadt gefragt. Die hat aber noch Bedenkzeit bis September, um auf diese Frage zu antworten.

Der Investor plant unterdessen weiter. Um Parkplätze kümmere er sich bereits, die Zufahrt sei über den Mühlenholzweg doch gesichert. Und von Abriss und Verkauf will er nichts wissen. „Die Stadt hat, glaube ich, ein Vorkaufsrecht gehabt“, sagt er. Aber sie habe es nicht genutzt, so kam er zum Zuge. Einen langwierigen juristischen Prozess um eine Betriebserlaubnis wolle er allerdings nicht. Wenn das Projekt scheitere, mache er eben etwas anderes aus dem Haus. „Eine Kunstinstallation vielleicht.“ Es klingt ironisch, aber auch nach Herausforderung - an die Stadt gerichtet.

Schwarzenberger

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