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Ist das Misburger Bad noch zu retten?

Pannen-Bad Ist das Misburger Bad noch zu retten?

Die Zustände im Misburger Bad spitzen sich zu: Die zwischenzeitlich verlängerte Freibadesaison ist vorbei. Jetzt sitzen die Badegäste und Schwimmsportler im Stadtteil endgültig auf dem Trockenen. Und Panagiotis Sifnios, Betreiber des Fitnessstudios im Hallenbad, muss die Einrichtung bis zum Sonnabend räumen.

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Panagiotis Sifnios muss sein Fitnessstudio bis Sonnabend geräumt haben. Eine Ausweichmöglichkeit hat er nicht.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Während der jüngsten Bezirksratssitzung aufgekommene Mutmaßungen, letzteres habe mit akuter Einsturzgefahr zu tun, bestätigt die Stadt nicht.

Im Hallenbad hatten Handwerker während Sanierungsarbeiten im August illegale Durchbrüche an tragenden Stahlbetonelementen entdeckt. Eine Stützsäule ist komplett herausgebrochen worden. Seitdem ist das Hallenbad gesperrt und im Inneren mit einer Notabstützung versehen. Sifnios, der auch die Gastronomie betrieben hat, musste diese zwischenzeitlich aufgeben und mit seinem Fitnessstudio in die Gasträume im ersten Stock umziehen. Jetzt ist auch dort Schluss.

In der Bezirksratssitzung erhoben sowohl der Studiobesitzer als auch Willy Kuschmierz, dessen Tochter die Physiotherapie Physio-Balance im Hallenbadkomplex betreibt, heftige Vorwürfe in Richtung Stadt. „Wir erfahren nichts und werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gibt auch keinerlei Hilfsangebote etwa für Ausweichräume“, sagte Sifnios vor den sichtlich konsternierten Stadtteilpolitikern. Erst am 1. Oktober habe man ihm die Räumung angekündigt. Der endgültige Bescheid sei dann am 8. Oktober gekommen.

Eine genaue Begründung kennt Sifnios nicht. Mitarbeiter, die die gesperrten Räume etwa für Gutachtertätigkeiten noch betreten dürfen, hätten Fragen nicht beantwortet mit dem Hinweis, sie hätten eine Schweigeverpflichtung unterschreiben müssen, berichtete er am Rand der Sitzung. „Ich habe rund 65 000 Euro investiert und keine Einnahmemöglichkeiten mehr. Wenn nichts passiert, stehe ich vor dem Nichts“, sagt Sifnios.

Physio-Balance mit seinen zehn Mitarbeitern darf vorerst bleiben, weil die Einrichtung über einen separaten Eingang zu erreichen ist. „Während einer Gesamtsanierungsmaßnahme wird auch die Praxis den Betrieb einstellen müssen“, teilt die Stadt mit. Dem Fitnessstudiobetreiber habe man schon früher mehrfach mündlich erklärt, dass er im Oktober „aus verkehrssicherheitstechnischen Gründen“ weichen müsse.

Ansonsten hält sich die Verwaltung mit Auskünften weiterhin zurück und verweist auf die beiden Gutachten, die noch ausstehen. Dabei geht es zum einen darum, ob das Bad abgerissen und ersetzt werden muss oder ob noch etwas zu retten ist. Das Ergebnis wird auch Auswirkungen auf das millionenschwere Sanierungskonzept der Stadt für ihre gesamten Bäder haben. Dieses folgt einem Zeitplan, der verhindern soll, dass zwischenzeitlich zu viele Wasserflächen fehlen. Der Komplettausfall eines Bades wegen Baufälligkeit ist in dem Konzept nicht vorgesehen.

Zum anderen wird ermittelt, ob und gegen wen Regressansprüche geltend gemacht werden können. Die Stadt vermutet, dass die Firma s.a.b als zwischenzeitlicher Betreiber verantwortlich ist. Sie hatte für eine Sanierung von 2006 bis 2008 rund 11,3 Millionen Euro von der Stadt bekommen. Besucher der Bezirksratssitzung erkundigten sich in der Fragestunde, wie es denn angehen könne, dass eine derartige Summe in ein Bad gesteckt wird und dieses dann sieben Jahre später stillgelegt werden muss. „Wohin ist das Geld eigentlich genau geflossen? Hat die Stadt Verwendungsnachweise eingefordert?“, fragte ein Besucher, ohne eine Antwort zu erhalten.

Der Bezirksrat will nun Oberbürgermeister Stefan Schostok in seine nächste Sitzung zitieren. Der Fachbereich Sport und Bäder ist bei ihm angesiedelt.

factbox

Schwimmsport muss improvisieren

Heftig betroffen vom Desaster um das Misburger Bad sind auch Hannovers Schwimmsportler. Nach Angaben von Michael Nölke, Vorsitzender des Kreisschwimmverbandes Hannover-Stadt, sind in Misburg 100 Stunden in der Woche für Vereine reserviert. Die entfallen nun zum Saisonende im Freibad endgültig. „Allein die SG Misburg hat rund 650 Schwimmer“, sagt der ehemalige Vorsitzende Hans-Joachim Pohl. Stadt und Schwimmverband wollten gestern Abend gemeinsam nach Lösungen suchen. Laut Nölke gibt es noch Kapazitäten in anderen Bädern, die aber bei weitem nicht ausreichen, um die Verluste in Misburg auszugleichen. Dabei graust dem Funktionär noch vor einem ganz anderen Szenario. Im kommenden Sommer soll das Stadionbad nach bisherigen Plänen wegen den Special Olympics und anschließenden Sanierungen geschlossen werden. „Wenn dann auch parallel das Misburger Bad ausfällt, kann man den Schwimmsport in dieser Stadt vergessen“, sagt Nölke.

Von Bernd Haase und Andreas Schinkel

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