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Vahrenheide Flüchtlinge übergeben Räder an Flüchtlinge
Hannover Aus den Stadtteilen Vahrenheide Flüchtlinge übergeben Räder an Flüchtlinge
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00:15 26.03.2016
Mohamadou Sylla Fink (l.) und Yemane Tesfamarian (r.) werkeln an einem Rad, Werkstattmeister Michael Ehleben gibt Tipps. Quelle: Foto: Steiner
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Hannover

Zwei Jahre hat Yemane Tesfamarian aus Eritrea gebraucht, bis er in Deutschland ankam. Der 26-Jährige arbeitet seit vier Wochen in der Fahrradwerkstatt der gemeinnützigen GmbH Pro Beruf am Bonifatiusplatz. „Als ich hier ankam, war alles ganz anders als zu Hause. Vor allem das Wetter - es ist hier zu kalt“, sagt er und lächelt schüchtern. Die Arbeit in der Werkstatt mag er gerne, genau wie Mohamadou Sylla Fink. Der 24-Jährige aus Mali hat nur einen großen Wunsch: „Ich will Fahrradmechaniker werden“, strahlt er. Genau wie Yemane ist er seit Herbst vergangenen Jahres hier, drei Jahre war er unterwegs. „Das liegt daran, dass ich zwischendurch immer gearbeitet habe, um weiter kommen zu können“, erklärt er und Yemane nickt dazu - er hat Mohamadou verstanden, obwohl er nur ein bisschen Englisch spricht und Mohamadou rudimentäres Französisch. An diesem Tag übergeben die beiden zusammen mit ihrem Meister Michael Ehleben 14 selbst reparierte Fahrräder an andere Flüchtlinge aus der Notunterkunft des ehemaligen Möbel-Boss-Marktes in Vahrenheide.

„Ich halte es für eine gute Idee, den jungen Männern eine Tagesstruktur in einer Werkstatt anzubieten in Kombination mit einem Deutschkurs“, erklärt Pro- Beruf-Geschäftsführer Rudolf Schulz. „Denn nichts ist schlimmer für sie als das Warten.“ Die beiden haben sich sehr schnell gut integriert, ist von Projektleiterin Ulrike Braul zu erfahren. „Ich bin wirklich begeistert: Sie sind pünktlich, zuvorkommend und höflich“, lobt sie. ProBeruf arbeitet schon länger mit Flüchtlingen zusammen, meistens werden sie vom Jobcenter zugewiesen. Einige, deren Status noch nicht bearbeitet wurde, kommen auch freiwillig - zu ihnen zählen Mohamadou und Yemane. „Ich finde es besonders gut an diesen Projekten, dass ein echter Austausch zwischen den Auszubildenden und den Flüchtlingen stattfindet“, erzählt Ulrike Braul. „Ich habe sie erst mal ein bisschen zwangsweise zusammen gesetzt, aber dann haben die beiden angefangen zu erzählen und die anderen haben nachgefragt. Mohamadou und Yemane waren ganz glücklich, dass sie ihre Geschichten erzählen konnten.“ Und manch ein Auszubildender machte große Augen, als er erfuhr, dass die beiden große Teile ihrer Flucht zu Fuß bewältigten. „Das kann sich hier kaum einer vorstellen, da gibt es ja schon manchmal Gemaule, wenn sie ein paar Meter laufen sollen“, meint Ulrike Braul mit einem Augenzwinkern.

Und dann stehen auf einmal 14 Männer in der Werkstatt. Die Fahrräder werden verteilt und Mohamadou und Yemane helfen mit, sie hinaus auf den Gehweg zu tragen. Tatsächlich sei das Fahrrad nicht bei allen ein willkommenes Geschenk, weiß Dolmetscher Theo Ngueng Mbella: „In vielen arabischen, aber auch afrikanischen Ländern ist das Fahrrad ein Zeichen von Armut, deshalb wollen einige auch hier keins haben. Das habe ich schon oft gehört“, erzählt er. Davon ist an diesem Tag nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Männer freuen sich ganz offensichtlich über ihre neuen fahrbaren Untersätze - und Mohamadou und Yemane geben ihnen beim Anfahren den nötigen Schwung.

Von Sonja Steiner

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