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Vahrenheide „Freiheit fällt nicht vom Himmel“
Hannover Aus den Stadtteilen Vahrenheide „Freiheit fällt nicht vom Himmel“
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00:15 16.04.2016
Lutz-Rainer Hölscher vom Kirchenvorstand der Titusgemeinde begrüßt den neuen Pastor Tesso Benti. Quelle: Christian Link
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Hannover

„Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich, sie fallen nicht vom Himmel“, sagt Tesso Benti. Der 56-Jährige weiß, wovon er spricht. In seiner Heimat Äthiopien musste er jahrelang Unterdrückung und Verfolgung miterleben. Weil er als Landes­bischof selbst politisch aktiv war, wurde er zum Migranten. In Deutschland fand er mit seiner Familie eine neue Heimat. Und in der Tituskirche findet er demnächst eine neue Aufgabe. Die Kirchengemeinde aus Vahrenheide hat den vierfachen Familienvater, der seit 2002 in Hannover wohnt, zu ihrem neuen Pastor gewählt.

Der 56-Jährige blickt bereits auf ein bewegtes Leben zurück. Obwohl er als koptischer Christ geboren wurde, konvertierte Benti bereits als 13-Jähriger zum evangelisch-lutherischen Glauben. Anlass dafür sei die plötzliche Genesung seiner psychisch kranken Schwester gewesen, nachdem Missionare für sie gebetet hatten. „Das Beten hat sie geheilt, Wunder geschehen“, da ist sich Benti sicher. „Ich glaube, dass Gott Gebete erhört.“

Trotz seines tiefen Glaubens ist Benti ein Realist mit einer sehr praktischen Weltsicht. „Es ist Gottes Wille, dass wir friedlich miteinander leben“, sagt er, „aber für diesen Frieden müssen wir arbeiten und wir müssen ihn schützen.“ Bei ihm sind das keine leeren Worte. Als er 1982 sein Theologiestudium in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba beendet hatte, wurden vom Regime alle Kirchen geschlossen. Und was machte der junge Theologe? „Ich habe eine Untergrundkirche geleitet“, berichtet Benti. „Von den Kommunisten habe ich mir meinen Glauben nicht verbieten lassen.“

Zehn Jahre lang arbeitete er als Direktor eines Waisenhauses. Dann kam 1992 die politische Wende. Benti wurde als Pastor ordiniert und übernahm die Leitung einer Bibelschule. „Montags bis freitags habe ich im Büro gearbeitet, am Wochenende habe ich gepredigt“, erzählt er. Nur ein Jahr später ernannte ihn die Landessynode zum Landes­bischof von rund 230 Kirchengemeinden. Es folgten Reisen ins Ausland und Aufenthalte in Südafrika, den USA und schließlich auch in Deutschland.

„Damals hatte ich gedacht, ich bleibe nur sechs Jahre als Austauschpastor hier“, sagt Benti. Er sei aber auch ein bisschen naiv gewesen. „Ich stand am 20. Oktober 2002 um Mitternacht auf dem Flughafen in Hamburg und habe kein Wort Deutsch verstanden.“

Mittlerweile sind Benti und seine Familie hier angekommen. „Integration ist möglich, es muss keine Parallelgesellschaften geben“, sagt er. „Ich hoffe, dass ich eine Brücke zwischen Migranten und Ureinwohnern sein kann.“

Der Einführungsgottesdienst für Pastor Tesso Benti wird am Sonntag, 24. April, gefeiert. Beginn ist um 14 Uhr in der Titus­kirche an der Weimarer Allee 60.

Von Christian Link

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