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,,Perseus“ bietet neue Perspektiven

Vahrenheide ,,Perseus“ bietet neue Perspektiven

Kostenloses Rundumpaket für Langzeitarbeitslose: Der Förderverein für Leben und Arbeit im Stadtteil (Flais) hilft bei der Rückkehr in das Berufsleben. Das Projekt „Perseus“ steht für "Perspektiven sehen, entwickeln und umsetzen“.

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In den Räumen des Fördervereins Flais an der Dunantstraße wird nicht nur Langzeitarbeitslosen bei der Bewerbung und Stellensuche geholfen.

Quelle: Rodriguez

Hannover. Sie ist 42 Jahre alt und seit vielen Jahren arbeitslos. „Ich habe nur einen Hauptschulabschluss“, sagt die Frau zögerlich und verweist auf ihre schlechten Chancen bei der Jobsuche. Ihren Namen will sie nicht nennen. Trotzdem: Abgefunden hat sich die Frau mit ihrer Situation keineswegs. Und seit wenigen Wochen sind ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt auch unerwartet und sprunghaft angestiegen. „Ich möchte eine Vollzeitstelle, meinetwegen auch als Küchenhilfe“, sagt sie überraschend selbstbewusst.

Die 42-Jährige weiß: Bei Bewerbungsberater Thomas Scholz ist sie in guten Händen. Gemeinsam klicken sich beide im Internet durch Jobbörsen und suchen nach geeigneten Stellen für eine Bewerbung. Scholz arbeitet seit etwa sechs Monaten beim Förderverein für Leben und Arbeit im Stadtteil (Flais). Flais gibt es bereits seit 1999 in Vahrenheide. Der Verein wurde gegründet von städtischen Sozialarbeitern, lokalen Akteuren und Anwohnern - unmittelbar nach der Aufnahme des Stadtteils Vahrenheide-Ost in das Förderprogramm Soziale Stadt, ein Programm für städtebauliche Sanierung und soziale Entwicklung, finanziert von Bund und Land.

In dem Stadtteil mit rund 8000 Einwohnern und etwa 800 Langzeitarbeitslosen bietet der Förderverein zwar schon seit Jahren Bildungsprojekte, Beschäftigungsförderung, Internetschulungen und günstige Second-Hand-Kleidung an. Auch ein zwangloses Jobcafé mit offener Sprechstunde gehört zum Service von Flais. Doch seit etwa sechs Monaten ist Flais bei vielen beschäftigungslosen Vahrenheidern wieder verstärkt in den Blickpunkt gerückt - durch öffentlichkeitswirksame Auftritte in Kindertagesstätten, Internetwerbung und Flyer. Der Grund für die großangelegte Werbekampagne mit großer Resonanz heißt „Perseus“. „Die Abkürzung steht für ,Perspektiven sehen, entwickeln und umsetzen“, sagt Flais-Geschäftsführer Jürgen Behle. Der Sozialwissenschaftler hat das Projektmodell persönlich entworfen - auf Initiative der Stadt Hannover und auf der Grundlage von Förderrichtlinien des Europäischen Sozialfonds und eines neuen Bundesprogramms für Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier (Biwaq).

„Das Ziel ist die Begleitung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“, sagt Behle. Gewünschte Nebeneffekte seien „eine Stärkung der lokalen Ökonomie und Verbesserung der Lebensqualität“. Das Förderprojekt wird von insgesamt acht Einrichtungen in den vier nördlichen Stadtteilen Vahrenheide, Sahlkamp, Stöcken und Hainholz umgesetzt. „Zuschüsse gibt es nur für Gebiete mit besonderem sozialen Entwicklungsbedarf“, sagt Behle politisch korrekt formuliert. Die Bezeichnungen „Problemstadtteile“ oder „soziale Brennpunkte“ vermeidet er.

In Vahrenheide hat der Flais-Geschäftsführer mit dem individuelle Zuschnitt von ,,Perseus“ für klare Verhältnisse gesorgt. Zu seinem Team gehört seit sechs Monaten auch der Sozialpädagoge und Sozialarbeiter André Höpfner. Die Stellen von Scholz und Höpfner finanziert das Förderprogramm. Beide bieten für arbeitssuchende Bürger, die im Fördergebiet wohnen und älter als 27 Jahre sind, nicht nur kostenlose Bewerbungstrainings mit verschiedenen Komponenten und betreuter Stellensuche an. Zum kostenlosen Rundumpaket mit regelmäßigen Terminen gehört auch ein Walking-Kurs. Außerdem sollen künftig von den Teilnehmern regelmäßig drei Pflanzkästen gestaltet und gepflegt werden. „Diese Maßnahmen sollen das Verantwortungsbewusstsein wecken, Strukturen schaffen und soziale Kompetenzen fördern“, sagt Höpfner. Das Motto lautet: „Von der Bewegung zur Bewerbung“.

,,Perseus“ hat sich inzwischen bereits bewährt: Laut Flais-Geschäftsführung nutzen bereits etwa 50 beschäftigungslose Teilnehmer aus unterschiedlichen Berufsgruppen das neue Modell. Ihnen wurde bislang nicht nur kostenlos bei Bewerbungen und Stellensuche geholfen. Zehn arbeitssuchende Vahrenheider haben seit vergangenem Herbst mithilfe von Flais und ,,Perseus“ auch schon eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Für das Flais-Team ist das aber nur ein erfolgreicher Auftakt. „Perseus“ läuft bis Ende 2018. „Erst dann läuft die Bezuschussung aus“, sagt Geschäftsführer Behle - und verweist auf die Zahl von rund 800 Langzeitarbeitslosen im Fördergebiet.

Interessierte Bewohner aus Vahrenheide-Ost können sich in den offenen Sprechstunden beim Förderverein Flais an der Dunantstraße 3c über ,,Perseus“ informieren. Informationen gibt es auch unter Telefon (05 11) 3 73 18 54 sowie im Internet auf der Seite www.flais.de.

Von Ingo Rodriguez

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Vahrenheide in Zahlen
  • Stadtbezirk : Bothfeld-Vahrenheide, 3. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 47.534
  • Einwohner je Stadtteil: Bothfeld (20.376 Einwohner), Sahlkamp (13.623 Einwohner), Vahrenheide (9.090 Einwohner), Isernhagen-Süd (2.729 Einwohner) und Lahe (1.716 Einwohner) (Stand 2011).
  • Bevölkerungsdichte : 1.549 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30657, 30659
  • Markantes aus der Geschichte: Der Stadtteil hat seinen Namen von der Vahrenwalder Heide. Hier soll am 18. August 1903 Karl Jatho einen der ersten Motorflüge der Welt vollbracht haben. Einige Jahre später schuf die Reichswehr hier einen Flugplatz, aus dem nach dem Ersten Weltkrieg der Flughafen Hannover-Vahrenwald entstand. Der Flughafen wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach nicht wieder in Betrieb genommen.
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