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Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Gedenken Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Der Künstler Gunther Demnig hat in Hannover an neun Stationen insgesamt 27 Stolpersteine verlegt, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern. Die Denkmale zeigen höchst unterschiedliche Schicksale auf.

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„Viele setzten auf die Volksgemeinschaft“: Der Historiker Peter Schulze (hockend) sprach zum Gedenken an Arno Behrendt.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Er hatte im Ersten Weltkrieg Sanitätsdienst geleistet. Später ließ Arno Behrendt sich als praktischer Arzt in Hannover nieder, um Kranke zu heilen. Doch all seine Verdienste sollten ihn nicht schützen: „Sein Schicksal steht beispielhaft für das von 15 jüdischen Ärzten aus Hannover, die in der NS-Zeit zu Tode kamen“, sagt der Historiker Peter Schulze.

Eine kleine Gruppe von Menschen hat sich auf dem Gehweg vor dem Haus in der Vahrenwalder Straße 18 versammelt, in dem Arno Behrendt einst lebte. Sie sind hier zusammengekommen, weil der Kaufmannssohn aus Westpreußen mit einem Stolperstein geehrt wird.

Der Künstler Gunther Demnig verlegt an diesem Tag in Hannover an neun Stationen insgesamt 27 jener Denkmale im Miniaturformat, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern. Mit stiller Routine passt der Künstler, der wie immer einen breitkrempigen Hut trägt, die Steine in eine Lücke im Gehweg ein, mit dem Gummihammer klopft er sie im Mörtelbett fest.

Die neu verlegten Steine erinnern an höchst unterschiedliche Schicksale: In der Kramerstraße ehrt ein Stolperstein den Metallarbeiter Otto Kreikbaum, der als Kommunist verfolgt wurde. In der Großen Barlinge in der Südstadt erinnert eine Messingplatte im Pflaster an den Zahnarzt Wilhelm Weber, der nach einer kritischen Bemerkung über das Regime denunziert und hingerichtet wurde. Vor der Waldstraße 38 in der List verlegt Demnig gleich zwölf Stolpersteine, die an ehemalige jüdische Bewohner des Hauses erinnern.

Der Mediziner Arno Behrendt, für den Demnig den Stolperstein in der Vahrenwalder Straße verlegt, praktizierte seit 1921 in Hannover. „Viele Arbeiter der Continental zählten zu seinen Patienten“, sagt Historiker Peter Schulze. Von 540 Ärzten, die es damals in Hannover gab, waren 56 jüdischer Herkunft. „Sie waren unter den Ersten, die von den Nazis angegriffen wurden“, sagt Schulze. Am 1. April 1933 gab es einen Boykottaufruf gegen sie. Am 30. September 1938 wurde ihnen faktisch Berufsverbot erteilt.

„Judenfeindlichkeit gab es auch in diesem Stadtteil“, sagt Schulze. Im Wahlbezirk Hainholz-Vahrenwald - eigentlich ein Arbeiterquartier - erzielte die NSDAP im Juli 1932 bei den Reichstagswahlen 38,4 Prozent. „Viele setzten auf die deutsche Volksgemeinschaft, von der Juden ausgeschlossen sein sollten“, sagt der Historiker in seiner Rede auf dem Gehweg.

Arno Behrendt war mit der Schwester seines Freundes Hans Deister verlobt. Diese war Nicht-Jüdin - nach den Nürnberger Gesetzen war die Beziehung also verboten. Hans Deister ließ Behrendt die Warnung zukommen, dass die Gestapo wegen „Rassenschande“ gegen ihn ermittle. Der Arzt floh 1938 nach Prag, Wohnung und Praxis musste er zurücklassen. Nachdem die Nazis die Tschechoslowakei erobert hatten, wurde er ins KZ Theresienstadt verschleppt und 1944 nach Auschwitz deportiert. Wann genau er dort starb, ist nicht bekannt.

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  • Markantes aus der Geschichte: Das Dorf Vahrenwald wurde 1183 erstmals urkundlich als Vorenwalde bekannt, während Hannover bereits 20 Jahre zuvor 1163 als Honovere erwähnt wurde. Der Dorfname Vahrenwald ist wahrscheinlich aus Vor-dem-Wolde (vor dem Walde) abgeleitet.1891 erfolgte die Eingemeindung nach Hannover.
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