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Vahrenwald Ein Esel vor dem Altar
Hannover Aus den Stadtteilen Vahrenwald Ein Esel vor dem Altar
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00:15 26.03.2016
Palmsonntag in der Lukaskirche: Die Palmweihe ist ein wichtiger Bestandteil der vorösterlichen Feierlichkeiten. Quelle: Mario Moers
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Hannover

Nach dem Evangelium öffnen sich die hohen Türen der Lukaskirche, und ein Esel spaziert hinein. Die Kinder und Eltern wedeln ihm mit Palmblättern zu und folgen dem Tier singend in einer kleinen Prozession. Seit sechs Jahren ist der Familiengottesdienst mit Esel ein Höhepunkt im vorösterlichen Programm der evangelisch-lutherischen Lukasgemeinde. Im Mittelalter und Barock war es in vielen Gegenden üblich, bei der Prozession zum Auftakt der Karwoche einen Esel mitzuführen. Der biblischen Geschichte nach ritt der Prophet Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein - ein Zeichen der Demut und des Verzichts auf den weltlichen Glanz, der üblicherweise die Auftritte großer Persönlichkeiten begleitete.

Die Idee, das alte Brauchtum in Vahrenwald wiederaufleben zu lassen, hat jedoch keinen historischen Hintergrund. In Nigeria, der Heimat von Gemeindemitglied Abayomi Bankole, ist der Palmsonntags-Gottesdienst auch heute noch ein ganz besonderes Fest. „Die Kinder reiten auf dem Esel durch die Straßen, und sogar die Nicht-Christen feiern bei dem Fest mit“, erzählt Bankole, der sich gern an das lebhafte Treiben erinnert. Auch hierzulande freuen sich nicht bloß die Kinder über den ungewöhnlichen Messenbesucher, der sich im Anschluss an den Gottesdienst geduldig füttern und streicheln lässt. Rosalie, so der Name des altersgrauen Vierbeiners, ist den Umgang mit Kindern gewöhnt. Wenn sie nicht gerade den biblischen Einzug in Jerusalem nachspielt, lebt Rosalie als tierische Pädagogin auf einem Kinder- und Jugendhof für soziales Lernen mit Tieren in der Wedemark. „Ich habe zu Hause ein Einhorn aus Plüsch, deshalb habe ich keine Angst“, erzählt die vierjährige Precious stolz, als sie Rosalie, mutiger als einige umstehende Kinder, eine Möhre reicht.

„Ich würde den Gottesdienst am Palmsonntag gern noch pompöser machen, vielleicht die Menschen von zu Hause abholen“, plant Bankole bereits die Ausweitung des ungewöhnlichen Familiengottesdiensts. Der lockte auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Mitglieder anderer Gemeinden an, etwa aus der großen iranischen Gemeinde und der Church of Pentecost aus Ghana, die beide im Anschluss eigene Gottesdienste in der Kirche feierten. Mit 150 000 Besuchern im Jahr gehört die Lukaskirche zu den meist frequentierten Kirchen Hannovers. „Wenn wir ein interessantes Programm machen, kommen bis zu viermal so viele Besucher wie sonst üblich“, berichtet Kirchenvorstand Klaus Behn. Die Ideen und Traditionen der Lukas-Kirchgänger aus aller Welt helfen dabei, das liturgische Jahr abwechselungsreich zu gestalten.

Von Mario Moers

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