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Vahrenwald Mieter sollen 140 Prozent mehr zahlen
Hannover Aus den Stadtteilen Vahrenwald Mieter sollen 140 Prozent mehr zahlen
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19:54 05.02.2018
Quelle: dpa
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Hannover

 Eine Mieterhöhung um mehr als 140 Prozent ist in bestimmten Fällen zwar rechtlich möglich – doch für Mieter ist das in den seltensten Fällen noch bezahlbar. So geht es den Bewohnern eines Mehrfamilienhauses an der Kleiststraße in Vahrenwald. Sie haben sich deshalb an Mieterschutzorganisationen wie den Verein Mieterladen gewandt. „Eine solch extreme Steigerung ist auch in unserer Beratungspraxis einmalig“, sagt Kathrin Grage, die sich des Falles angenommen hat. 

In dem Haus sollen ab Februar Modernisierungsarbeiten durchgeführt werden. „Dabei soll der Mietzins bei unserem Mitglied von 387 Euro auf 941 Euro steigen. Das sind mehr als 140 Prozent“, sagt die Juristin. „Ich könnte mir die Miete schlicht nicht mehr leisten. Die würde mehr als 80 Prozent meines Gehalts betragen“, erzählt eine Mieterin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Seit mehr als 15 Jahren wohne sie in dem Haus. Die Kontakte zu den anderen Bewohnern seien sehr gut. „Wir wohnen gerne hier, aber nun haben wir das Gefühl, dass wir aus unseren Wohnungen rausgemobbt werden“, sagt die Mieterin. 

Modernisierung wird umgelegt

„Es gibt immer wieder Erhöhungen im Zuge von Modernisierungsarbeiten. Diese sind auch in der Regel zu dulden“, sagt Grage vom Mieterladen. Vermieter, die ihre Wohnung modernisieren, können einen Teil der Kosten auf den Mieter umlegen – insgesamt bis zu 11 Prozent. Dabei gibt es keine finanzielle Obergrenze durch Kappungsgrenzen wie etwa bei einer Erhöhung nach Mietspiegel. Vermieter müssen sich aber an bestimmte Regeln halten: Sie sind verpflichtet, den Mieter spätestens drei Monate vor Beginn über die Arbeiten schriftlich zu informieren. Ansonsten kann dieser der Modernisierungsmaßnahme erfolgreich widersprechen.

In der Ankündigung müssen die Art und der Umfang der Modernisierungsmaßnahme, Beginn und Dauer sowie der Betrag, um den die Miete künftig erhöht werden soll, sowie künftige Betriebskosten aufgeführt werden. 

Wurde die Maßnahme korrekt und im vorgegebenen Zeitraum angekündigt, bleibt dem Mieter nur, gegen die Mieterhöhung an sich vorzugehen, wenn diese eine unzumutbare Härte darstellt. „Diesen Schritt sind wir im Fall der Kleiststraße bereits gegangen“, so Grage.

„Viele knicken ein“

Ob die Mieter damit Erfolg haben, entscheidet sich allerdings erst nach Ende der Modernisierung, wenn die Kosten feststehen. „Diese Zeit ist sehr belastend. Sie müssen den Streit mit dem Vermieter und die Baustelle ertragen. Da knicken viele ein und suchen sich eine neue Wohnung“, erzählt die Beraterin.

Die Mieterin bestätigt das. „Hier wohnte ein älterer Herr, ein Dialysepatient. Er ist ausgezogen. Viele von uns haben schon die Nerven verloren“, erzählt sie. Vier von den zehn Parteien des Mehrfamilienhauses seien bereits ausgezogen. „Die Wohnungen sind aber nicht neu vermietet worden“, sagt sie. Ihre Vermutung: Der Vermieter möchte die Wohnungen später teurer anbieten. „Wir bekommen einen Aufzug, obwohl dieser nicht barrierefrei wäre, da der Zugang über eine Treppe führt. Außerdem haben wir Lastenaufzüge im Haus, damit kommen auch die älteren Bewohner gut zurecht“, sagt die Frau.

Im Zuge der Modernisierung werden auch die bereits vorhandenen Balkone vergrößert und eine Videosprechanlagen an den Klingeln eingebaut. 

Balkone werden vergrößert

„Dass die Fassade gedämmt wird und wir neue Fenster bekommen, dagegen haben wir nichts. Aber die anderen Maßnahmen sind eher was für Luxuswohnungen“, sagt die Mieterin. 

„Ich möchte nicht, dass das Haus verfällt“, entgegnet einer der Eigentümer, ein hannoverscher Unternehmer. „Das Gesetz hat erlaubt, dass sich die alten Besitzer bereichern. Sie haben zwar weniger Miete bekommen, aber auch nichts an den Häusern gemacht.“ Vor etwa drei Jahren habe er das Haus zusammen mit anderen Partnern gekauft. Die Mieten hätten sie damals nicht auf den ortsüblichen Mietspiegel erhöht, so wie es andere Unternehmen der Branche machen, erzählt er. 

„Es ist wirklich schade, wir hatten hier eine einzigartige Hausgemeinschaft. Auch ich weiß nicht, wie lange ich hier noch bleiben kann“, bedauert die Mieterin. Falls sie keinen Erfolg hat, müsste sie bald für ihre 70 Quadratmeter große Wohnung 1100 Euro warm zahlen.

Von Andrea Brack

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