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Vahrenwald Theaterprojekt macht fit für die Jobsuche
Hannover Aus den Stadtteilen Vahrenwald Theaterprojekt macht fit für die Jobsuche
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02:15 23.10.2016
Alicia Garcia frisiert eine andere Teilnehmerin im Spiel - und im Hintergrund inszenieren Agatha Seklewicz (rechts) und Haja Sesay (links) eine Schönheitsoperation. Ihre Patientin ist Ekatereni K. Quelle: Mario Moers
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Vahrenwald

Für viele bedeutet die Teilnahme an dem Projekt des Jobcenters Vahrenwald nicht weniger als den Aufbruch in ein selbstbestimmtes Leben. Mittwochabend wurde das Theaterstück „Schönheiten – von Müttern und Single Ladies“ im Freizeitheim Vahrenwald aufgeführt.

Maka Gegechkori-Kunze war gerade aus Georgien nach Hannover gezogen und schwanger, als ihr Mann sie kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes verließ. Heute, fünf Jahre später, steht die 37-jährige alleinerziehende Mutter in einem Proberaum des Freizeitheims vor der improvisierten Kulisse einer Mode-Boutique. Gerade spielt sie mit einer Mutter aus Gambia eine Stilberatung durch. Andere Teilnehmerinnen inszenieren daneben eine Schönheits-Operation, einen Massage-Salon und ein Frisör-Studio. „Schönheit ist ein Thema, das die Frauen viel beschäftigt. Deshalb haben sie es zum Thema ihres Stücks gemacht“, erklärt Tomke Friemel. Die Theaterpädagogin ist zuständig für die Koordination des integrierten Wiedereinstiegsprojekts.

Aus 19 unterschiedlichen Nationen kommen die 19 Frauen, die bei dem neunmonatigen Integrationsprojekt „Lebensart“ mitmachen. „Wir wollten vor allem Frauen mit Fluchterfahrung erreichen“, erklärt Ute Petelkau, Ansprechpartnerin für Alleinerziehende im Jobcenter Vahrenwald.

„Mein Ex-Mann wollte, dass ich arbeiten gehe, putze und im Restaurant kellnere. Aber wenn du den ganzen Tag Teller wäschst, ist da keine Zeit mehr zum Deutschlernen,“ beschreibt Maka Gegechkori ihre Ausgangssituation. Die studierte Journalistin hat in Georgien acht Jahre lang für das Fernsehen gearbeitet. In Hannover war ein solcher Job mit zwei Kindern und schlechtem Deutsch unvorstellbar. „Ich habe viele Ideen und Projekte, aber es ist schwer“, erzählt die lebenslustige Frau mit der großen Brille und dem knallroten Lippenstift. In der georgischen Gemeinde hat sie Anschluss finden können. Ihr Traum ist es, sich mit einer Agentur für georgische Folklore selbstständig zu machen.

Es ist bereits die zweite Auflage des integrierten Theaterprojekts. Den Erfolg, den die Kombination aus Jobcoaching, Theaterworkshop, Sprachförderung und intensiver Einzelbetreuung beim ersten Mal gebracht hat, überraschte sogar die Organisatoren selbst. „Die Integrationsquote ist beinahe doppelt so hoch wie bei anderen Projekten“, berichtet Teamleiter Joachim Plappert stolz. Rund 60 Prozent der Teilnehmerinnen des ersten „Lebensart“-Projekts sind heute in Lohn und Brot.

Die gemeinsame Reise in einem kleinen Schlauchboot über das Meer oder ähnliche traumatische Erfahrungen erweisen sich als Kitt, der die Frauen während der Theaterproben einander näher- bringt. Einige haben sich bereits angefreundet. Privat leben sie oft isoliert und ohne Netzwerk. „Hier lernen sie andere Frauen kennen, kommen raus“, erzählt Petelkau.

Als am Ende der Probe eine Teilnehmerin verabschiedet wird, fließen die Tränen. Lineo Seamatha Wittenberg hat bereits eine Stelle in der Botschaft von Lesotho in Berlin gefunden. Bald zieht sie um. In den Augen der anderen sieht man die Freude darüber, dass es eine von ihnen geschafft hat.

Aus einer kleinen Bluetooth-Box läuft im Hintergrund ein Lied von Beyoncé. „Dieses Mal nehme ich mir die Krone, ohne zu stürzen“, heißt es darin kämpferisch. „Single Ladies“ wie die schwarze Soul-Sängerin sind für viele der Teilnehmerinnen der Inbegriff weiblicher Selbstbestimmung, erklärt Tomke Friemel. Durch die Beschäftigung mit dem Rollenbild der Frau möchte die Theaterpädagogin die Teilnehmerinnen zu einer Reflexion über die eigene Rolle und Position anregen. Indem sie spielerisch typische Frauenberufe durchexerzieren, beschäftigen sich die Frauen mit ihren eigenen Vorstellungen von Beruf und vom Frausein. „Was bedeutet Frausein in Georgien und was will ich in Deutschland erreichen?“, fragt Maka Gegechkori sich selbst.

Sechs Monate haben die Frauen jeweils zwei Tage in der Woche Theater gespielt und Deutsch gelernt. Dazu haben sie Job-Coachings besucht. Die Theaterpremiere ist zugleich auch der Beginn der nächsten Phase. Nun können die Frauen ihre erworbenen Fähigkeiten in einem Berufspraktikum anwenden. Um eine spätere Übernahme wahrscheinlicher zu machen, kooperiert das Jobcenter dabei bevorzugt mit Unternehmen, die anschließend auch tatsächlich freie Stellen zu besetzen haben.

Von Mario Moers

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