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Vinnhorst Flüchtlinge und Helfer feiern Party
Hannover Aus den Stadtteilen Vinnhorst Flüchtlinge und Helfer feiern Party
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00:15 11.09.2016
Mathias Lück kommt zweimal im Monat mit seiner Gitarre in die Unterkunft, um mit den Kindern zu singen. Quelle: Mario Moers
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Hannover

„Fotografieren auf dem ganzen Gelände verboten“. Die durchgestrichene Kamera am Eingang der Containersiedlung macht deutlich, dass dieses Nachbarschaftsfest anders ist. Nur wer auf der Gästeliste steht, darf hinter den Zaun in den Innenhof. Zwei Sicherheitsleute begutachten jeden Besucher. Journalisten reichen sie einen Handzettel der Betreiberfirma „European Homecare“. „Keine Fotos in den Wohnräumen“, lautet eine der darauf vermerkten Regeln, auf deren Einhaltung die Mitarbeiter achten. Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke hatte noch am Vormittag organisiert, dass auch Pressevertreter von dem Sommerfest berichten dürfen.

Journalist sucht gebrauchten Laptop

Wunsch zu schreiben: In seiner Heimatstadt nahe Damaskus schrieb Ghassan Mustafa für die Tageszeitung. Politik war sein Ressort. Dann kam „Daesh“ – so nennen die Syrer den „Islamischen Staat“ – und das Morden begann. Nach einer langen Flucht über den Libanon und die Türkei suchte Ghassan Mustafa in Deutschland Asyl. Seit März lebt er in der Containerunterkunft in Vinnhorst. Sein Zimmer teilt er sich mit einem anderen Flüchtling. Ein Smartphone ist sein wichtigster Besitz. Es hilft ihm, wie vielen anderen hier, den Kontakt zu seiner Frau und den Kindern in Griechenland zu halten. Ghassan würde gerne wieder schreiben, ihm fehlt jedoch das Werkzeug. Andere Flüchtlinge benötigen dringend andere Dinge, um weiter Fuß zu fassen. Die Unterkunft in Vinnhorst nimmt daher täglich von 8.30 bis 16.30 Uhr Spenden entgegen. Freitags ist das Sozialarbeiterbüro von 8.30 bis 14 Uhr besetzt.

Erstes gemeinsames Sommerfest

Auf eigene Handyfotos der Feier müssen die Gäste also verzichten, sogar wenn sie mit den Bewohnerinnen und Bewohnern befreundet sind. Über einhundert Freunde, Nachbarn, Unterstützer und einige geladene Gäste folgten am Sonnabend der Einladung des Unterstützerkreises und der Flüchtlinge zum ersten Sommerfest in der Flüchtlingsunterkunft in Alt-Vinnhorst. Die meisten von ihnen kennen die Spielregeln, die in der knallbunt gestrichenen Containerunterkunft zum Schutz der Privatsphäre gelten. Wer jedoch zum ersten Mal das Leben in Vinnhorsts jüngster Siedlung erlebt, ist beeindruckt. In sechs Monaten ist am Stadtrand eine lebendige Gemeinschaft entstanden.

"Herzlich willkommen in unserem Camp"

„Herzlich willkommen in unserem Camp“, begrüßt Mohammed Shamoun seine Besucher im akkurat herausgeputzten Innenhof. Der Rasen ist gemäht, der Hof gefegt und kleine Girlanden über den Türen zeigen, dass heute ein besonderer Tag ist. Mohammed, der Medizinstudent aus Aleppo, freut sich nicht bloß über seine syrischen Freunde, die extra gekommen sind. Nach zehn Monaten in Deutschland hat er auch viele Kontakte zu deutschen Nachbarn und Unterstützern geknüpft. Fast jeden Tag nehmen Mohammed, seine drei Brüder und die Schwester an den Deutschstunden des Nachbarschaftskreises im Gemeinschaftsraum teil. „Zweimal im Monat kochen wir gemeinsam. Alle Leute, die ich in Hannover getroffen habe, sind sehr nett“, erzählt er. Auch unter den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst sei so etwas wie eine große Familie entstanden, bestätigt Sybille Heller, die Koordinatorin des Nachbarschaftskreises. Mohammed und seine Geschwister helfen den anderen im „Camp“, wo sie nur können. Behördengänge, Arztbesuche oder andere alltägliche Herausforderungen, - wer sich auskennt, hilft dem Nachbarn. Viele der 120 Bewohnerinnen und Bewohner in Alt-Vinnhorst haben bereits gemeinsam in einer Notunterkunft auf dem Messegelände zusammengelebt. Sie sind also eine Art Schicksalsgemeinschaft.

Kontakte intensivieren

Auch die Freundschaften zu anderen Flüchtlingen und Unterstützern aus ganz Hannover rühren aus dieser Zeit. Zum Sommerfest besucht etwa eine Gruppe Mitarbeiterinnen der Messe die Unterkunft. Sie kennen die Bewohner, weil sie bereits dort Hilfsangebote organisiert haben. „Jetzt versuchen wir die Kontakte zum Nachbarschaftskreis in Vinnhorst zu intensivieren“, erzählt Offke Schmidt.

In der Innenstadt tappte Mohammed neulich in eine Abo-Falle. Obwohl er bereits gut Deutsch spricht, bat er eine Unterstützerin um Hilfe. „Nach einem Telefonat war es erledigt“, schildert Mohammed einen typischen Fall, bei dem Flüchtlinge mitunter auf Unterstützung angewiesen sind. Etwa 16 Aktive zählt der Nachbarschaftskreis in Vinnhorst aktuell. Zum Sommerfest waren viel mehr gekommen. „Von den 80 Interessierten, die sich nach der Infoveranstaltung auf eine Liste eingetragen haben, haben sich viele nicht mehr gemeldet“, berichtet Koordinatorin Heller. Obwohl die Strukturen der Unterstützerszene sich bereits professionalisiert und etabliert haben, würde man sich wieder etwas frisches Blut wünschen. Die Aufgaben sind vielfältig, die Nachfrage und der Bedarf bleiben hoch. „An einer Exkursion in das Schulbiologiezentrum nahm neulich die halbe Unterkunft teil“, erzählt Heller. Der Unterstützerkreis für die Unterkunft in der Straße Alt-Vinnhorst freut sich deshalb über weitere Helferinnen und Helfer. Interessierte Bürger können sich per E-Mail an die Adresse nk-vinnhorst@gmx.de wenden.

Von Mario Moers

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