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Vinnhorst Friedenauer kämpfen um Arztpraxis und Pflegedienst
Hannover Aus den Stadtteilen Vinnhorst Friedenauer kämpfen um Arztpraxis und Pflegedienst
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00:15 09.05.2017
Von Bärbel Hilbig
Arztpraxis, Pflegedienst und weitere Mieter der Ladenzeile an der Hartungstraße haben die Kündigung erhalten. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Mit Unterschriftenlisten und einer Internetpetition setzen sich zahlreiche Bürger für den Erhalt von Arztpraxis und Pflegedienst im Viertel Friedenau ein. Bisher haben gut 2700 Bürger die Petition unterschrieben, und die Aktion läuft weiter.

„Für uns bedroht die Kündigung unsere Existenz“, sagt Internist Martin Damerow. Die Gemeinschaftspraxis, die er mit seiner Frau Susanne Knuhr seit mehr als zehn Jahren am Ort betreibt, besuchen 2800 bis 3200 Patienten pro Quartal. Die Praxis liegt zentral im Wohnquartier, es gibt Parkplätze und Bus sowie die S-Bahn in der Nähe. Außerdem sind die Räume ebenerdig erreichbar, wichtig für ältere Menschen mit Rollator, von denen viele im Viertel leben. Damerow befürchtet, nichts Vergleichbares in der Nähe zu finden.

Wohnungsbau oder Nahversorgung

„Unsere 120 Patienten wohnen rund um uns herum“, sagt auch Christine Gumtau, Inhaberin des Vinnhorster Pflegedienstes. Die Mitarbeiter könnten die meisten Klienten innerhalb von drei Minuten erreichen. Und manche Patienten schauten einfach mit einem Formular vorbei, wenn sie Fragen haben. Oder meldeten sich ab, wenn sie unterwegs sind, damit der Pflegedienst nicht vergeblich bei ihnen vorbeikommt. „Wir haben sowieso nicht mehr viel hier“, beklagt Gumtau, die selbst im Viertel lebt. „Die Einrichtungen und Geschäfte, die noch da sind, sollten erhalten bleiben.“

Erworben hat das Gebäude an der Hartungstraße 11 die B+T Immobilien GmbH. Was die Firma an der Stelle plane, sei noch nicht entschieden, betont Hansjörg Brokmann von B+T Immobilien. Ein Neubau sei eine von mehreren Möglichkeiten. Die Argumente gegen die Kündigungen hält er für „weit hergeholt“. Ein Kosmetikstudio und eine Baptistengemeinde seien nicht entscheidend für die Nahversorgung. „Bei der Wohnungsknappheit, die auf dem Markt herrscht, sollte abgewogen werden, ob Wohnungsbau nicht höher zu bewerten ist“, sagt Hansjörg Brokmann.

Politik sieht Kündigung kritisch

Im Bezirksrat Nord haben sich alle Fraktionen gemeinsam kritisch zu den Vorgängen geäußert. Die gute, zentrale Lage der Ladenzeile mit Einrichtungen des Gesundheitswesens sei wichtig für die ältere Bevölkerung in Vinnhorst, betonen die Politiker.

Der Bebauungsplan für das Grundstück sieht bisher eine Ladenzeile vor. Zurzeit sei es nicht beabsichtigt, diese Festsetzung zu ändern, teilte eine Stadtmitarbeiterin in der Sitzung mit. Auf Nachfrage von Grünen-Ratsherr Patrick Drenske reichte die Stadtverwaltung allerdings im Nachhinein eine präzisere Antwort nach. Demnach trifft der Bebauungsplan keine Aussage zum Thema Wohnen. Die Verwaltung geht davon aus, dass der Neubau einer Ladenzeile mit darüberliegenden Wohnungen zulässig ist. In der Höhe müsste das Gebäude sich an der dreigeschossigen Bebauung in der Nachbarschaft orientieren. Bezirksbürgermeisterin Edeltraud Geschke (SPD) will sich mit der Antwort nicht zufriedengeben. Einen ersten Schwung Unterschriften hat sie bereits in der Bauverwaltung abgegeben.

In den benachbarten Häuserblocks, die ehemals von der Neuen Heimat errichtet wurden, soll die B+T Immobilien ebenfalls einiges an Eigentum erworben haben. Wenn Mieter ausziehen, wird ­saniert. Aktuell steht eine 61-Quadratmeter-Wohnung für 175 000 Euro zum Kauf.

Kurze Wege für Senioren

In Wohnvierteln, nicht ganz zentral gelegen, passiert es immer noch. Einzelhandelsgeschäften, die oft jahrzehntelang in einem Quartier ihr Auskommen fanden, geht die Kundschaft aus. Lebensmittelhändler, Schlachter, Bankfiliale, Reinigung, Drogerie und Post schließen, sodass Senioren – fast wie auf dem Dorf – ins Auto steigen müssen, um ihre Besorgungen zu erledigen.

Oft scheint es so, dass der Prozess des Ladensterbens vielerorts längst abgeschlossen ist. Wenn Geschäftsleute meinen, es lohnt sich nicht mehr, lässt sich meist nichts mehr retten. Die Fleischerei in der Nordstadt, die Sparkasse im Harzer Viertel (Burg) oder das von vielen hochgeschätzte Leistenfachgeschäft Mäckel. In Friedenau liegt der Fall nun aber anders. Arzt und Pflegedienst wollen gar nicht weichen. Der Vermieter plant aber Größeres. Nur ist bisher unklar, was. Eine Bauvoranfrage hat er nicht gestellt. Selbst wenn eines Tages ein Neubau mit Ladenzeile und Arztpraxis entstehen sollte, stellt sich die Frage, wie die Zwischenzeit überbrückt wird. Oder bleibt nach dem Abriss doch nur unbebautes Land? Beispiele dafür gibt es leider einige. Die Stadt sollte hier genau hinschauen.

Ein Kommentar von Bärbel Hilbig

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