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Vinnhorst Die Rolle seines Lebens
Hannover Aus den Stadtteilen Vinnhorst Die Rolle seines Lebens
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02:15 05.03.2016
Noch immer fit: Alfred Lefebre zeigt sein Können am Barren. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Vinnhorst

Man kann es Sport nennen. Oder Schicksal - bei Alfred Lefebre ist beides dasselbe. Der Turnsport war dafür verantwortlich, dass der gebürtige Saarländer nach Hannover kam und hier Heimat und Familie fand, er brachte ihn 1983 zur Turn-Weltmeisterschaft sowie 1986 in den Zirkus Roncalli und machte ihn schließlich zum Trainer, der das Vereinswesen revolutionieren will. Seit ein paar Monaten unterrichtet der ehemalige Star der deutschen Turnerszene ambitionierte Nachwuchssportler beim TuS Vinnhorst.

„Dabei war ich selbst noch meilenweit von einer Sportlerkarriere entfernt, als ich so alt war wie meine Schüler“, sagt der heute 56-Jährige. Denn während bei ihm jetzt die Siebenjährigen turnen, entdeckte er sein sportliches Talent erst mit neun Jahren. Der Auslöser klingt fast wie aus dem Drehbuch: „Ich war ein kleiner, schmaler Junge und wurde in der Schule immer ziemlich gehänselt“, erzählt Lefebre. Dann fing er an, wie sein älterer Bruder im Sportverein zu turnen - und bemerkte, wie er immer kräftiger wurde. „Mein Selbstbewusstsein ist mit meinen Muskeln gewachsen, und ich fing an, das Turnen zu lieben. Mit jeder körperlichen Grenze, die ich überschritt, fühlte ich mich besser.“

Doch zuerst sah es nicht danach aus, als würde Lefebre es auch über den Status eines Amateursportlers hinausschaffen. „Ich war zu alt. Andere Leistungsturner in meinem Alter konnten schon so viel mehr.“ Das erfuhren der zwölfjährige Lefebre und seine Eltern von einem Turntrainer, der nach einem Workshop zu ihnen nach Hause kam. Um ihnen ein überraschendes Angebot zu machen: Lefebre sollte auf ein Sportinternat gehen. „Er wollte mich unbedingt. Er sagte, ich habe zwar noch nicht das Können, aber den unbedingten Willen.“ Zwei Jahre später wurde Lefebre Siebter in seiner Altersklasse auf Bundesebene, mit 16 Jahren wurde er in die Nationalmannschaft der Turner aufgenommen. Dreimal wurde er deutscher Meister, einmal mit der TG Saar, zweimal mit dem TK Hannover.

Denn eine Nachwuchssportlerparty ließ ihn 1979 in Hannover eine zweite Heimat finden. Lefebre erinnert sich an den Tag noch ganz genau: „Um 5 Uhr kam ich mit dem Zug aus Saarbrücken in Hannover an, um 7 Uhr saß ich bei der Familie meines Kumpels am Abendbrottisch - und um 9 Uhr hatte ich meine spätere Frau kennengelernt.“ Lefebre zog nach Hannover, erst in eine Turner-WG in der Südstadt, später mit seiner Frau in eine Wohnung. Heute leben sie mit Tochter Kira und Sohn Vincent im eigenen Haus in Ahlten, direkt neben Turnerkollege und Freund Andreas Aguilar.

Seine Karriere als Leistungsturner beendete Lefebre 1985, das Jahr seiner zweiten Meisterschaft mit dem TK Hannover. „Ich habe das Turnen geliebt, aber mit dem Sport konnte ich langfristig kein Geld verdienen.“ Und mit 27 Jahren wurde es schwierig, sich an der Spitze der Leistungsturner zu halten. Dann kam der Abend in der Küche.

„Ich saß allein am Tisch und überlegte, was ich nun mit meinem beruflichen Leben anfangen würde. Ich bin zwar nicht religiös, aber in diesem Moment dachte ich: ,Lieber Gott, gib mir ein Zeichen.’ Da fiel mein Blick auf die Zeitung mit dem Werbeplakat vom Zirkus Roncalli.“ Lefebre stellte sich beim Zirkus vor und wurde sofort als Artist für eine Recknummer eingestellt. Er blieb ein Jahr, dann gründete er eine eigene kleine Showfirma.

Bis 2013 trat er auf, dann entschloss er sich zu einer weiteren Wende in seinem vom Sport geprägten Leben: Er machte den Trainerschein. Seit Juni vergangenen Jahres unterrichtet er beim TuS Vinnhorst nun Kinder zwischen fünf und sieben Jahren im Turnen. „Das ist nicht ganz einfach, denn in diesem Alter machen zwei Jahre einen gewaltigen Unterschied.“ Dennoch sieht Lefebre im Altersunterschied eine Chance, die der Verein nutzen kann: „Jüngere werden besser, wenn sie mit Älteren trainieren.“ Und noch etwas liegt ihm am Herzen: Ein dreigliedriges Spartensystem im Verein für Spitzensport, Leistungssport und Breitensport. „Jetzt ist es in den meisten Vereinen so, dass Kinder, die im Spitzensport nicht mehr die erforderliche Leistung bringen können, kein Netz haben, das sie auffängt“, erklärt Lefebre. Viele Kinder hörten deshalb mit dem Turnen auf, weil es für ihre Bedürfnisse kein Angebot mehr gibt. Das will er verhindern. „Zukünftig sollen sie dann bei uns in der Sparte Leistungssport weitertrainieren können oder im Breitensport. Je nachdem, was ihnen Spaß macht.“ Denn Lefebre hat früh gelernt: „Leistung ist wichtig, aber niemals wichtiger als die persönliche Entwicklung.“

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