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Waldheim Den Waldheimern ist ihre Uhr lieb - und teuer
Hannover Aus den Stadtteilen Waldheim Den Waldheimern ist ihre Uhr lieb - und teuer
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02:15 14.02.2016
Ihre Uhr ist den Waldheimern heilig - Die Spender bei der erneuten Aufstellung am Wochenende.
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Hannover

Waldheim. Am Sonnabendmorgen gehen die Uhren langsam in Waldheim. Zwischen Bäcker, Lotto-Bude und Wurstwagen herrscht an der Ecke Wolfstraße und Liebrechtstraße keine Hektik beim Wochenendeinkauf. Da könnte man glatt die Zeit vergessen. Wer es dennoch eilig hat oder den Bus auf der anderen Straßenseite bekommen muss, dem half jahrzehntelang der rasche Blick auf die große Uhr an der Straßenecke. Anfang des vergangenen Jahres musste die nun einem Neubau weichen. Wie schon 2006, als bereits einmal eine Uhr verschwinden musste, gelang es den Waldheimern auch dieses Mal, mit einer Spendensammlung ein neues Zeiteisen zu kaufen. Am Sonnabend wurde die nunmehr dritte Uhr bei einem Glas Sekt begrüßt.

Dieter Nolting hat die Waldheim-Uhr schon auf seinem Schulweg begleitet. „Wenn ich dort vorbei kam, wusste ich, ob ich es rechtzeitig schaffe“, erzählt der Waldheimer. Als grünen Würfel im Stil der Sechzigerjahre hat er die Uhr auf dem ehemaligen Grundstück der Sparkasse in Erinnerung. Als diese 2006 geschlossen wurde, verschwand kurzzeitig auch der Würfel. Daraufhin gründeten einige Waldheimer einen Aktionskreis. In einem Rundschreiben warb man um Spenden für die Anschaffung einer neuen Uhr an gleicher Stelle. „Eine Uhr in Waldheim ist nicht in erster Linie ein technisches Messinstrument, sondern eine hoch emotionale und gemeinsame Sache der Waldheimer“, heißt es in dem damaligen Rundschreiben an die Haushalte. Die Sammlung war ein voller Erfolg. Im November 2007 verkündet die Zeitung: „Waldheim geht wieder mit der Zeit.“ 2015 folgte die Ernüchterung. Mit dem Neubau eines Wohnhauses auf dem Eckgrundstück musste auch die zweite Uhr weichen. Unverdrossen sammelte sich der alte Aktionskreis und beschloss für die Uhr zu kämpfen. 77 Spender trugen insgesamt 3900 Euro zusammen. Weil der ursprüngliche Standort inzwischen überbaut ist, musste die Zeitanzeige auf die andere Seite der Liebrechtstraße umziehen. Die Wartung der batteriebetriebenen Uhr wird künftig die im Stadtteil ansässige Firma Wilkening Pflegeheime übernehmen. Ihr gehörte das Eckgrundstück nach dem Auszug der Sparkasse. „In diesem Stadtteil gibt es gewisse Traditionen, die man auch weiter pflegen sollte“, erklärte Wilkening-Geschäftsführer Martin Leben zur Einweihung. „Das ist Bürger-Engagement in Waldheim“, freute sich Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner über die Wiederauferstehung. Einen Zuschuss, den der Bezirksrat bereits bewilligt hatte, brauchte der Aktionskreis am Ende nicht einmal in Anspruch nehmen. „So etwas hat es noch nie gegeben“, so Kellner anerkennend.

Außer den Waldheimern dürfen sich auch zwei Kindergärten über die Sammelaktion freuen. Weil am Ende mehr als genug gespendet wurde, stiften die Uhren-Freunde jeweils 699 Euro an den Kindergarten Waldheim und den Timotheus-Kindergarten Waldhausen. Ulrich Zorn, der Organisator beider Aktionskreise, überreichte den Einrichtungsleitern um Punkt 11 Uhr einen symbolischen Scheck. „Das war aber die letzte Uhr, die ich organisiere“, erklärte er augenzwinkernd seinen Rücktritt als inoffizieller Uhren-Beauftragter von Waldheim.

Von Mario Moers

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