Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Als sich der Himmel verdunkelte
Hannover Aus den Stadtteilen West Als sich der Himmel verdunkelte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:04 23.01.2014
Von Rüdiger Meise
Eine Ausstellung in der St.-Nicolai-Kirche in Limmer erzählt die Geschichte des Nahverkehrs im Stadtteil. Quelle: Martin Steiner
Limmer

Limmer. Zwei neue Ausstellungen zeigt der Heimatforscher Rudolf Lotze auf der Empore der St.-Nikolai-Kirche: 70 Jahre nach den schweren Bombenangriffen auf Hannover hat Lotze Material zu der Schau „Als sich der Himmel verdunkelte“ zusammengestellt. „Auch Limmer wurde nicht verschont“, berichtet Lotze. Davon zeugen unter anderem Bilder einer völlig zerstören Häuserzeile in der Friedhofstraße am Fössefeld, Bombensplitter und eine Gasmaske, die im Frauen-KZ bei der Conti in Limmer hergestellt wurde. Die zweite Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema „120 Jahre Schützengesellschaft Limmer“. In Texten ordnet Lotze Bildmaterial, Dokumente und Artefakte der Ausstellungen ein, die am Sonntag, 12. Januar, eröffnet werden. Einige Auszüge:

n Als sich der Himmel über Limmer verdunkelte: Nach Kriegsausbruch 1939 begann man auch in Hannover mit dem Ausbau der Luftschutzvorbereitungen, gleichwohl hielt die Propaganda noch 1940 feindliche Luftangriffe auf Hannover für unwahrscheinlich. Ein fataler Irrtum, wie sich schon bald herausstellen sollte. Trotzdem wurde der Ausbau von Kellern als Luftschutzräumen forciert, die Verdunkelung angeordnet und die Polizeistunde auf Mitternacht vorverlegt. Vernachlässigt wurde zunächst der Bau öffentlicher Luftschutzbunker. Ab September 1939 wurden Monatsrationen eingeführt und Lebensmittelkarten ausgegeben.

Der erste Luftangriff auf Hannover galt noch den Misburger Raffinerien, zunächst ohne größere Schäden. Am 10. Februar 1941 kam es zum ersten Großangriff auf Hannover mit 221 britischen Bombern, bei dem mehr als 100 Menschen den Tod fanden. Noch im gleichen Monat wurde eine groß angelegte Kinderlandverschickung organisiert: 7000 Schüler aus allen Stadtteilen reisten mit der Bahn nach Böhmen und Mähren.

Im Frühjahr 1943 begannen amerikanische und britische Verbände mit Flächenbombardierungen deutscher Städte rund um die Uhr. Nun bekam auch Limmer den geballten Krieg zu spüren. Bei dem Bombenangriff am 18. Oktober 1943 wurden in Limmer 311 Wohnungen zerstört. Am schlimmsten traf es die Häuser in der Friedhofstraße und dem Gartenweg (heute Franz-Nause-Straße). Auch die Firma Stichweh wurde schwer getroffen. 1944 stürzte ein abgeschossenes deutsches Flugzeug direkt auf den Schutzraum von Stichweh, wobei das auslaufende Benzin sich entzündete. 29 Menschen kamen bei dem Inferno zu Tode. Die St.-Nikolai-Kirche wurde stark beschädigt, und die kleine Kapelle auf dem Friedhof an der Harenberger Straße wurde durch eine Luftmine förmlich pulverisiert. Trotz dieser Ereignisse kam Limmer allerdings noch verhältnismäßig glimpflich davon.

Als am 10. April 1945 die Amerikaner über Harenberg in Limmer einmarschierten, versuchten an der Limmer Schleuse noch 22 junge, unerfahrene Marinesoldaten, die Amerikaner aufzuhalten. Sie starben in einem Hagel von Mörsergranaten. Zu Tode kam auch der Kleingärtner Adolf von Echten aus der Harenberger Straße 45. Am frühen Morgen traf er auf amerikanische Soldaten, als er zu seinem Garten am Limmerbrunnen wollte, um seine Kaninchen zu füttern. Die Soldaten riefen ihm zu, stehenzubleiben - was er aber offenbar nicht verstand. Er ging weiter - und wurde er erschossen.

Ansonsten verlief der Einmarsch der Amerikaner aber friedlich. Während der anschließenden Besatzungszeit begann man mit den Aufräumungsarbeiten und versuchte so gut es ging, zu einem normalen Leben zurückzufinden.

n 120 Jahre Schützengesellschaft Limmer: Am 2. April 1894 beschlossen die Teilnehmer einer Gemeindeversammlung im Hotel zum Kronprinzen an der Wunstorfer Straße, eine Schützengesellschaft zu gründen. 59 Bürger erklärten noch am selben Abend ihren Beitritt. Zum Vorsitzenden wurde Friedrich Ostermeyer gewählt. Auf seiner Wiese am Limmerbrunnen fand im selben Jahr das erste Schützenfest statt. Als Bekleidung trug man damals Gehrock und Zylinder, erst ab 1899 zog man Uniformröcke an.

Im Jahr der Eingemeindung zur Stadt Linden, 1909, bauten die Lindener Schützen ein Schützenhaus mit Schießstand in der Steinbreite. Dort übten von nun an auch viele Jahre die limmeraner Schützen. Während der Kriegsjahre bis 1919 fanden keine Veranstaltungen statt. Danach feierte man Schützenfeste in der Gaststätte Schwanenburg, und ab 1926 schoss man auf einem Scheibenstand im Mühlenpark. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt gut 200 Mitglieder. 1934 konnte ein eigener Schießstand eröffnet werden. 1939 fand das letzte Schützenfest vor dem Zweiten Weltkrieg statt.

Während der Besatzungszeit nach dem Krieg zerstörten die Alliierten den Schießstand, das Inventar wurde geplündert und das Gelände beschlagnahmt. Im Jahr 1950 erfolgte die Wiedergründung des Vereins. Geschossen wurde wieder im Mühlenpark. Nach tatkräftiger Unterstützung von Bürgern und Vereinen im Ort, unter anderem dem Männer-Gesang-Verein Limmer, eröffneten die Schützen am 7. Oktober 1957 auf dem Gelände im Limmerbrunnen den neuen Schießstand. Jahre später erwarb der Verein auch das Restgelände und schuf dort einen gemütlichen Aufenthaltsraum.

Im 120. Jahr ihres Bestehens kann die Schützengesellschaft Limmer, deren Gelände inzwischen umgeben ist von Fußball- und Tennisplätzen, hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.

Die Ausstellung ist bis Juli jeden zweiten und dritten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr zu sehen - auf der Empore der St.- Nikolai-Kirche in der Sackmannstraße. Sonderführungen sind auf Anfrage im Gemeindebüro möglich, Telefon: 2 10 42 84.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ärgerlich für Fahrgäste: Regelmäßig werden Stadtbahnen von unachtsam geparkten Autos aufgehalten. Für den Halter des Wagens kann das teuer werden.

Rüdiger Meise 23.01.2014

Die zuständige Immobiliengesellschaft reagiert nicht. Die beiden schwerbehinderten Mieter schalten einen Anwalt ein.

23.01.2014
West Calenberger Neustadt - 18-Jähriger brutal ausgeraubt

Am Sonnabenmorgen ist ein 18-Jähriger in der Calenberger Neustadt brutal überfallen worden. Zunächst begleiteten ihn die beiden unbekannten Täter. Dann zogen sie ihn auf einen Hinterhof, schlugen auf ihn ein und flohen mit Brieftasche und Smartphone.

23.01.2014