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Altlasten-Skandal bringt Stadt in Not

Lister De-Haën-Platz Altlasten-Skandal bringt Stadt in Not

Im Ringen um die Kosten der Altlastensanierung am Lister De-Haën-Platz haben die Anwohner einen neuen Trumpf in der Hand: Offenbar wussten die Behörden schon viel länger als bislang eingeräumt, dass die Grundstücke belastet waren.

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2008 ließ die Region Hannover die Grundstücke am De-Haën-Platz in der List untersuchen.

Quelle: Uwe Dillenberg (Archiv)

Bereits im Jahr 2003 hatte die Stadt eine sogenannte historische Recherche in Auftrag gegeben, die auf die Problematiken hinwies. Die Ergebnisse wurden der für Bodenschutzbelange zuständigen Region Hannover übermittelt, es gab allerdings keinerlei Konsequenzen. Käufer von Wohnungen oder Häusern wurden über die Erkenntnisse nicht informiert. Viele der jetzigen Eigentümer am De-Haën-Platz, die nun für die Sanierung ihrer Grundstücke zahlen müssen, haben erst nach 2003 Wohnungen oder Häuser gekauft. Erst im Sommer 2008 ließ die Region die Grundstücke gründlich untersuchen.

Die in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossenen Anwohner prüfen mit der renommierten Rechtsanwaltskanzlei Schulz-Koffka/Deter, ob die Stadt haftbar gemacht werden kann. Nach derzeitigem Stand müssen die Eigentümer der Häuser und Wohnungen auf den 45 betroffenen Grundstücken für die Sanierungskosten aufkommen. Stadt und Region schießen aus einem Fonds etwas weniger als ein Viertel des Geldes zu.

Ansatzpunkte, warum die Stadt zur Verantwortung gezogen werden könnte, gibt es mehrere. So findet sich im Stadtarchiv eine intensive Korrespondenz zwischen dem Gründer der für die Altlast verantwortlichen Chemiefabrik, Eugen de Haën, und der Stadtverwaltung, die sich in Teilen auch mit der möglichen Verschmutzung des Geländes beschäftigt. 1902 hatte der Unternehmer seine Chemiefabrik aus der List nach Seelze verlegt. In der Folge war die Stadt bestens darüber im Bilde, dass de Haën aufgrund des Zustands des ehemaligen Fabrikgeländes große Mühe hatte, die Fläche zu verkaufen. Dennoch hatte die Stadt das Gelände ohne Einschränkungen als Baugebiet freigegeben – ohne dass spätere Käufer über die Altlasten informiert wurden. „Da scheint bei der Stadt einiges untergegangen zu sein“, sagt Rechtsanwältin Barbara Häring.

Die Region Hannover hat es stets abgelehnt, nach einer Verantwortung der Stadt zu fragen. Das wollen die Anwohner nun möglicherweise nachholen. „Wir wollen sehen, ob es solche Möglichkeiten gibt“, sagt Barbara Nebendahl, Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen Altlasten in der List. Zurzeit sieht die Planung der Region vor, dass die Anwohner einen Sanierungsvertrag unterzeichnen und die Abwicklung der Altlastensanierung damit in die Hände der Behörde legen. Nur wer diese Vereinbarung unterschreibt, soll vom Zuschuss der öffentlichen Hand profitieren können. Dennoch stehen den Betroffenen hohe Kosten ins Haus, die in Einzelfällen bis zu 200 000 Euro betragen können.

Laut Rechtsanwältin Häring sind zwei Varianten möglich, wie die Eigentümer Stadt oder Region zur Verantwortung ziehen können: Zum einen könnten sie gegen die Sanierungsverfügung klagen, die die Region all jenen schicken wird, die den Vertrag nicht unterschreiben. Zum anderen sei möglich, die Vereinbarung zu unterzeichnen und sich per Gerichtsverfahren die Kosten wiederzuholen.

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