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Auch Puppen kamen aus der Gummifabrik

Linden Auch Puppen kamen aus der Gummifabrik

In der ehemaligen Gummifabrik in Linden wurden wurden früher auch Puppen hergestellt. Heute ist von der einst beachtlichen Manufaktur kaum noch eine Spur zu finden.

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n der Stärkestraße in
Linden-Nord stellte
einst eine große
Gummifabrik Spielzeug
und andere Waren her.

Quelle: Gerda Valentin

Wer früher bei der Gastwirtschaft „Justus Garten“ über die Ihme wollte, musste mit einer kleinen Fähre über den Fluss fahren. Drüben angekommen, stand er inmitten der Lindener Industrie. Unmittelbar am Fähranleger erhob sich eine Gummifabrik. Schon vom Geruch her war sie kaum zu verfehlen, und mitten durch das Werksgelände führte das nördliche Ende der Stärkestraße. Der Betrieb hat eine bewegte Geschichte erlebt, doch heute ist von der einst beachtlichen Fabrik kaum noch eine Spur zu finden.

Am Lindener Ufer von Ihme und Leine reihten sich Ende des 19. Jahrhunderts dicht an dicht die Fabriken, sie ließen die Schlote rauchen und gossen ihre Abwässer in den Fluss. Dort gründete 1870 der Geschäftsmann Otto Köhsel eine Gummiwaren-Fabrik. Die Firma an der Stärkestraße wuchs im Laufe mehrerer Jahre zu einem blühenden Unternehmen heran und gab bis zu 120 Menschen Arbeit. 1884 bekam die Gummifabrik Konkurrenz: Unmittelbar gegenüber etablierten sich die „Hannoverschen Caoutchouc-, Guttapercha- und Telegraphen-Werke“. Doch das sollte sich rund 30 Jahre später ändern. Denn 1917 wurde die große Fabrik geschlossen, während die kleine überlebte. Die Hannoverschen Caoutchouc-, Guttapercha- und Telegraphen-Werke“ hatten bis zu ihrer Schließung zwei Rohstoffe verarbeitet: Zum einen Kautschuk, der damals nur in natürlicher Form erhältlich war, und Guttapercha, den eingedickten Milchsaft einer Baumart aus Südostasien. 650 Arbeiter hatte die Firma. Den mächtigen Ziegelbau an der Ihme verließen Dichtungen für Maschinen, Treibriemen, Fahrradreifen, Betteinlagen, Eisbeutel, Zerstäuber für Insektenpulver und viele andere Dinge, die in Industrie, Krankenpflege und Haushalt gebraucht wurden. Der wichtigste Produktionszweig indes waren Kabel für das Telegraphenwesen und die ständig zunehmende Zahl elektrischer Leitungen und Telefone.

1897 gingen die „Caoutchouc-, Guttapercha- und Telegraphen-Werke“ an eine Gummiwaren-Aktiengesellschaft mit Sitz in Harburg und Wien über. Als im Ersten Weltkrieg die Einfuhr von Naturkautschuk problematisch wurde, schloss dieses Unternehmen 1917 schließlich das Werk in Linden. Dem kleinen Gummibetrieb nebenan ging es dagegen so gut, das dessen Eigentümer 1919 sogar die großen stillgelegten Fabrikgebäude des einstigen Konkurrenten kaufen konnten. Und so entstanden aus beiden Firmen die „Mittelland-Gummiwerke“. Das Unternehmen war auch in der Spielzeugherstellung erfolgreich, und zahllose Kinder spielten mit Puppen aus Linden.

Von den allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten erfasst, ging die Firma schon 1929 in Konkurs. Als „Haguma“, Hannoversche Gummiabsatzfabrik, lebte sie Mitte der dreißiger Jahre noch einmal auf. Wie Janet Anschütz vom „Verein gegen das Vergessen von NS-Zwangsarbeit“ berichtet, mussten dort ab 1944 etliche Holländer und „Ostarbeiter“ aus der Sowjetunion für die Kriegsproduktion schuften.

An der Südseite der Fabrik verlief seit ihrer Gründung die Gummistraße. 1950 wurde sie nach dem Widerstandskämpfer Wilhelm Bluhm benannt; ein Teil davon trägt inzwischen den Namen des Arbeiterfotografen Walter Ballhause. Die alten Werksanlagen hingegen rotteten nach dem Zweiten Weltkrieg vor sich hin und wurden schließlich abgerissen. An ihrer Stelle erhebt sich am Ihmeufer seit den siebziger Jahren das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt. Geblieben ist nur ein Stück aus den Anfängen der Gummifabrik unter Otto Köhsel: Die Verwaltung befand sich einst in dem Fachwerkgebäude, in dem heute der Kinderladen Stärkestraße zu Hause ist.

Gerda Valentin

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