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Auf den Spuren des Elektrizitätswerkes Linden

Stromversorgung im 19. Jahrhundert Auf den Spuren des Elektrizitätswerkes Linden

Als das Städtische Elektrizitätswerk vor mehr als hundert Jahren den Betrieb aufnahm, war Strom ein wahres Luxusgut. Die Initiative Lebensraum Linden will die Geschichte des Werkes aufarbeiten und bittet Einwohner um Unterstützung.

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Häuser, die an die Elektroleitung des Werkes angeschlossen wurden, erhielten diese Plaketten. An zahlreichen alten Gebäuden in Linden sind sie heute noch zu finden.

Linden. Wer genau hinsieht, der kann sie entdecken: die kleinen runden Metallplaketten mit dem Aufdruck „St. E.W.L.“, die im Mauerwerk vieler alter Häuser in Linden stecken. Die Scheiben mit einem Durchmesser von acht Zentimetern sind Überbleibsel aus jener Zeit, in der noch das „Städtische Elektrizitätswerk Linden“ die Menschen mit Strom versorgte. Häufig wurden sie neben der Haustür in die Wand eingelassen. Die Abkürzung „St. E.W.L.“ steht für das Städtische Elektrizitätswerk Linden; eine laufende Nummer unter dem Schriftzug gibt Auskunft über die Reihenfolge, in der das Haus an die Elektroleitung angeschlossen wurde. Auf die Suche nach den Spuren des früheren Elektrizitätswerkes hat sich die Initiative Lebensraum Linden begeben – und bittet Einwohner dabei um ihre Mithilfe.

Informationen über das frühere Elektrizitätswerk zu bekommen sei schwieriger als gedacht, sagt Michael Jürging, Mitbegründer der Initiative Lebensraum Linden. Die Hoffnung, die Stadtwerke Hannover „enercity“ könnten Auskunft geben, musste die Gruppe schnell begraben. Leider gebe es dort keine Unterlagen aus der damaligen Zeit, berichtet Jürging. Die Stadtwerke hätten das Versorgungsgebiet des Elektrizitätswerkes Linden erst 1958 übernommen. Immerhin fand sich bei enercity eine Broschüre von 1939, die Auskunft über die Entstehung des Elektrizitätswerkes gibt. „Die Broschüre ist am Vorabend des Zweiten Weltkriegs geschrieben worden“, berichtet Jürging. „Sie ist unsere einzige Quelle.“ Zu lesen ist darin, dass sich das Elektrizitätswerk ,in der Wittekindstraße befand, in der Nähe des Lichtenbergplatzes, mitten in Linden. Am 1. April 1897 wurde es in Betrieb genommen.

Die ersten Häuser wurden noch über Freileitungen angeschlossen. Bis 1899 verfügten gerade einmal 124 Häuser über das Luxusgut Strom. „Aus dieser Zeit stammen zum Beispiel die Plakettennummern 90 bis 92 in der Schwalenberger Straße, nahe dem Lindener Rathaus“, erzählt Jürging. Etwa 100 Plaketten haben Jürging und seine Mitstreiter bereits entdeckt. Die niedrigste Nummer darunter ist die „28“. Der Lindener Jürgen Wessel hatte sie in der Niemeyerstraße 6 entdeckt. Bis wann die Plaketten in die Hauswände eingelassen wurden, kann die Initiative zurzeit nur schätzen. Die höchste Nummer, die bisher gefunden wurde, ist die „2931“ am Haus Steigerthalstraße 6“. „Das Haus soll 1928 gebaut worden sein“, sagt Jürging. Daraus schließe man, dass die Metallplaketten noch bis Ende der 1920er Jahre vergeben wurden. Ein genaues Datum fehle aber.

Um zu klären, wann die ersten Häuser angeschlossen wurden und wann die letzten, bittet die Initiative Lebensraum Linden die Einwohner um Unterstützung. Gesucht werden Häuser mit Plakettennummern zwischen 1 und 124. „Das müssten die ältesten Anschlüsse aus dem Zeitraum 1897 bis 1899 sein“, meint Jürging. Häuser mit höheren Nummern als die 2931 können dagegen darüber Aufschluss geben, bis wann die Metallplaketten überhaupt vergeben wurden. Nicht immer sind die kleinen Scheiben leicht zu finden: Viele sind übermalt oder bei einer Haussanierung beschädigt worden. Trotzdem sei die Nummer vielfach noch zu erkennen, sagt Jürging.

Die Initiative sucht darüber hinaus Zeitzeugen, die aus eigener Erinnerung oder aus Erzählungen über den Betrieb des Elektrizitätswerkes Linden berichten können. Michael Jürging ist unter der Telefonnummer 44 85 13 oder per E-Mail zu erreichen.

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