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West Ausstellung erzählt vom bäuerlichen Leben in Hannover
Hannover Aus den Stadtteilen West Ausstellung erzählt vom bäuerlichen Leben in Hannover
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14:28 16.06.2011
Von Margret Jans-Lottmann
Rudolf Lotze mit einer Brotschneidemaschine aus der Zeit vor 1900. Quelle: HAZ
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Hannover

Es war im Herbst 1640, als ein Trupp schwedischer Soldaten den Vollmeierhof von Carsten Wedekind in Limmer heimsuchte, sich dort sieben Wochen einquartierte und seinen Besitz verwüstete. Die 18 Männer brannten nicht nur einen Teil des Wohnhauses, Wagen- und Ackergeschirr nieder und schlugen ein anderes Hofgebäude kurz und klein, sie verspeisten auch Essensvorräte und Bier im Wert von 152 Talern und verfütterten an ihre 32 Pferde für 240 Taler Hafer, Gerste, Roggen, Wicken und Heu. Bevor die Soldaten weiterzogen, raubten sie noch allerhand Wertgegenstände vom Hof. Davon und von vielen anderen Geschehnissen in Limmer, vom Mittelalter bis zur Eingemeindung 1909 nach Linden, erzählt die 13. Ausstellung, die der Stadtteilhistoriker Rudolf Lotze aus Limmer auf der Empore der St.-Nikolai-Kirche zusammengestellt hat. Unter dem Titel „Das bäuerliche Leben im Dorf Limmer“ wird sie beim Gemeindefest am Sonntag, 19. Juni, eröffnet.

„Der Dreißigjährige Krieg war auch für die limmerschen Bauern eine schlimme Zeit“, sagt Lotze. Zu dieser Zeit war das Dorf Limmer bereits einige hundert Jahre alt. Die Bezeichnung Limbere, wie Limmer ursprünglich hieß, taucht erstmals 1189 auf. Vermutlich seien aber schon Jahrhunderte vor Christi Geburt Nomaden in dieser Gegend gewesen, sagt Lotze. Später hätten sich hier Menschen angesiedelt, den Wald gerodet und Äcker bestellt, um Getreide anzubauen.

Aber auch in Friedenszeiten war das Leben der Bauern in Limmer alles andere als leicht. So berichtet die Ausstellung davon, wie die kleine Siedlung 1120 unter die Herrschaft des Geschlechts der Grafen von Roden geriet und die Siedler als Leibeigene für ihren neuen Landesherrn in der Leinemasch eine Burg bauen, Abgaben entrichten sowie Hand- und Spanndienste leisten mussten. Erst 1833, als die hannoversche Ablöseverordnung beschlossen wurde, konnten die Bauern ihre Höfe von den Grundherren freikaufen.

Die Hofstellen der einfachen Bauern bestanden zumeist aus mehreren kleinen Gebäuden, errichtet aus Balken, Flechtwerk und Lehm sowie einem Dach aus Stroh. Das Wohnhaus hatte nur einen Raum mit einer Feuerstelle. In Limmer habe es aber auch zwei Vollmeier- und drei Halbmeierhöfe gegeben, die weitaus besser ausgestattet gewesen seien, berichtet Lotze. In der Ausstellung erzählen Bilder von der strengen Arbeitsteilung zwischen Bauer und Bäuerin. Vom früheren Alltag auf den Bauernhöfen zeugen Arbeits- und Haushaltsgeräte wie ein hölzernes Wagenrad, Heugabeln und eine Einspannvorrichtung für Pferde, außerdem Teller und Gefäße aus Holz, eine Milchkanne und Keramikgeschirr sowie eine alte Waage und eine Brotschneidemaschine.

Mit der Industrialisierung in Linden habe die Landwirtschaft in Limmer an Bedeutung verloren, erklärt Lotze. So entstanden in dem Nachbarort immer mehr Fabriken, die auch die Menschen aus Limmer anzogen. 1909 wurde Limmer nach Linden eingemeindet, damit büßte es seinen Status als Dorf ein. „Das war der Niedergang der limmerschen Hofstellen“, sagt der Stadtteilhistoriker. Einer der beiden Vollmeierhöfe, der um 1500 errichtete Hof an der Sackmannstraße, wurde am 28. März 1972 abgerissen. Von dem zweiten Vollmeierhof in Limmer, der neben der St.-Nikolai-Kirche liegt, ist nur noch ein kleiner Teil übrig. Bewirtschaftet wird er von Hermann Völksen, dem letzten noch aktiven Bauern des Ortsteils.

Die Ausstellung ist bis zum Jahresende jeden zweiten und dritten Sonntag im Monat jeweils von 15 bis 17 Uhr in der St.-Nikolai-Kirche in der Sackmannstraße zu sehen. Parallel dazu zeigt der Archivausschuss der Gemeinde eine Ausstellung zum Thema „Unsere Orgel und ihre Organisten“.

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